Seriengründer Sebastian Diemer (Bild: PR)

Sebastian Diemer gründet Krypto-Startup Wallfair – Einstieg in den Wettmarkt

Exklusiv: Ein schillernder Unternehmer kehrt in die Fintech-Welt zurück – Sebastian Diemer werkelt an einer neuen Krypto-Firma, die jegliche Art von Wetten ermöglichen will. Ein Markt mit zweifelhaftem Ruf.

In den Branchenmedien war es zuletzt ruhig geworden um Sebastian Diemer. Auf Instagram konnte man dem Seriengründer noch beim Bergsteigen, Autofahren oder Gassigehen zusehen. Zwischendurch berichtete die Bild-Zeitung über seine Zockerei mit Aktien – und titelte: „So verdiente dieser Deutsche 30.000 Euro mit Gamestop“.

Doch im Hintergrund arbeitete der 34-Jährige, mit Kreditech einst einer von Deutschlands Fintech-Pionieren, wieder an neuen Finanz-Startups. Schon vor Monaten wollte er seine Aktien-Anlagestrategien über eine Website namens Simplestocks vermarkten. „Die unschöne Wahrheit: Die Börse ist kein Kinderspiel!“, heißt es dort. Als er merkte, dass potenzielle Kunden eigentlich nur zocken wollten und sich nicht für Strategien interessierten, habe er das Projekt nach eigenen Angaben wieder ruhen lassen.

Nun ist er jedoch tatsächlich mit einer neuen Idee gestartet. Auf Linkedin hat er eine „Stealth Crypto Company“ schon angekündigt, bislang wurden noch keine weiteren Details öffentlich. Nach Informationen von Finance Forward baut Diemer unter dem Namen Wallfair an einer Wettfirma.

Von einem Hype zum nächsten

Es wäre ein bemerkenswertes Fintech-Comeback: Schon 2012 startete Sebastian Diemer zusammen mit Alexander Graubner-Müller den Kreditanbieter Kreditech, der lange Zeit als Hoffnungsträger galt und etwa 500 Millionen Dollar von Geldgebern einsammelte. Beim Einstieg des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers verkaufte der Gründer seine Anteile für mehrere Millionen Euro, die Leitung hatte er bereits abgegeben.

Die Hamburger Firma, die sich zwischenzeitlich in Monedo umbenannte, konnte sich jedoch nicht nachhaltig am Markt etablieren und musste nach einer längeren Krise Insolvenz anmelden (Finance Forward berichtete). 100 Mitarbeiter verloren kurz vor Weihnachten ihren Job, das Russlandgeschäft wechselte für 800.000 Euro den Besitzer. Die Dependancen in Polen und Spanien seien immer noch nicht verkauft, heißt es vom Insolvenzverwalter.

Weiter ging es 2016 für Sebastian Diemer mit dem Factoring-Startup Finiata, das sich nach einem Dreh des Geschäftsmodells, einer neuen Führung und dem Weggang aus Deutschland wieder gefangen hat. Schon nach zwei Jahren verließ er die Firma und sprang mit dem Startup Farmako auf den Hype für medizinisches Cannabis auf. Nach hohen Wachstumsprognosen und einem anvisierten Börsengang folgte ein steiler Absturz. Die kanadische Firma Agraflora übernahm das Startup schließlich. Zu der Zeit wurde die Firma noch an den Börsen gefeiert – der Wert ist mittlerweile von fast einer Milliarde Dollar auf etwa aktuell 35 Millionen Dollar eingebrochen, bei Farmako sind laut Linkedin noch etwa eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigt.

Vorbild Augur ist bislang nicht durchgestartet

Nach einer längeren Auszeit widmet sich Diemer nun dem Wettmarkt, ähnlich wie medizinisches Cannabis ein regulatorisch eher vermintes Terrain. Mithilfe von „Decentralized Finance“ will er ein neues Angebot etablieren, bei dem jeder auf jegliche Events wetten können soll – ganz gleich, ob Wetter, Wahlen, Aktienkurse oder Coronamaßnahmen. Der Dienst soll so einfach gestaltet sein, dass jeder ihn verwenden kann. Diemer bestätigt die Finance-Forward-Informationen. Er wolle bei Wallfair als Berater an Bord sein, es handele sich um ein Open-Source-Projekt.

Der Gründer hat sich mit dem Thema schon in der Vergangenheit beschäftigt. In seiner Masterarbeit an der London School of Economics schrieb er über das Thema (Der Titel: „Real-Money vs. Play-Money – Forecasting Accuracy in Online Prediction Markets“) und mit seinem späteren Kreditech-Mitgründer Graubner-Müller plante er einst die Plattform PredictX. Der ist laut der Website auch an diesem Projekt beteiligt.

Seit einigen Jahren gibt es Startups wie Augur, die ähnliche Konzepte wie Wallfair entwickelt haben. Weil sie nur den Code entwickeln und der Rest über das dezentrale Netzwerk läuft, ist es unklar, wie die Projekte reguliert werden. Die Märkte für Wett- und Glücksspielen sind in vielen Ländern stark beschränkt, es geht zum Beispiel um die Bekämpfung von Spielsucht. Das Projekt Augur, das bereits vor mehreren Jahren startete, kam in die Kritik, weil Menschen beispielsweise auf die Ermordung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump wetteten. Der große Durchbruch gelang Augur bislang nicht.

Wallfair setzt ebenfalls auf dieses dezentrale System, als Währung für die Wetten soll es noch in diesem Jahr einen Token geben. Nach der Entwicklungsphase wolle man sich mit der Community Gedanken über die entsprechenden Regeln machen, heißt es vom Gründer. Die Behörden werden das neue Projekt sicherlich früh in den Blick nehmen.

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