Ripsy Bandourian kommt von Booking.com und verantwortet die Europa-Expansion (Bild: PR)

Expansion beginnt: Plaid bahnt sich den Weg nach Deutschland

Eines der wichtigsten Fintech-Startups der Welt startet in Deutschland: Der Open-Banking-Anbieter Plaid – zuletzt mit 13,4 Milliarden Dollar bewertet – rekrutiert ein Team für die Expansion. Der Wettbewerb zwischen Truelayer, Yapily und Tink wird damit größer.

Der 12. Januar 2021 war ein guter Tag für die europäische Fintech-Szene. An dem Tag kam nämlich heraus, dass der Verkauf des US-Startups Plaid platzte. Das Kreditkartenunternehmen Visa wollte den Anbieter für insgesamt 5,3 Milliarden Dollar übernehmen. Wegen Wettbewerbsbedenken der US-amerikanischen Behörden mussten die beiden Finanzunternehmen den Deal nach Monaten des Wartens allerdings abblasen. Visa hatte es auf die Open-Banking-Technologie abgesehen. Wer beispielsweise sein Krypto-Konto bei Kraken aufladen will, kann dieses über Plaid mit seinem Bankkonto verbinden und so einen Geldtransfer veranlassen – dies soll schneller und einfacher als eine normale Überweisung funktionieren.

Nach dem geplatzten Deal gab es unter den europäischen Konkurrenten die Hoffnung, dass Visa stattdessen bei ihnen zuschlagen könnte, wie das britische Startup-Magazin Sifted berichtete. Und tatsächlich kaufte das US-Unternehmen ein halbes Jahr später das schwedische Fintech Tink für 1,8 Milliarden Euro. Nun stehen sich Tink und Plaid gegenüber – auf dem europäischen Markt. Schon lange hat der mächtige US-Player wichtige Märkte wie Großbritannien und auch Deutschland analysiert. Vor wenigen Tagen ist nun ein Manager gestartet, der von Berlin aus den hiesigen Markt aufbauen soll.

100 Mitarbeiter für Europa

Michael Möglich hat im Karrierenetzwerk Linkedin angekündigt, dass er Plaids Expansion in Deutschland, Österreich oder der Schweiz als Manager verantwortet. Der 49-Jährige kommt von der Neobank Monese, für die er den deutschen Markt aufgebaut hat. Doch das britische Fintech kam nie aus dem Schatten von Konkurrenten wie N26 oder Revolut heraus. Der Wechsel zu Plaid überrascht Szene-Insider, die den Manager bislang nicht auf ihrer Liste hatten. Möglich kann auf eine Vergangenheit im Online-Handel bei Ebay und Amazon zurückblicken, bei einem Open-Banking-Anbieter war er jedoch bislang nicht tätig.

Bereits 100 Mitarbeiter beschäftigt Plaid in London und Amsterdam. Auch in Deutschland sucht das Unternehmen bei den hiesigen Anbietern nach Personal. Den Schritt nach Europa managt derweil eine erfahrene Managerin Ripsy Bandourian, sie war acht Jahre beim Online-Reiseunternehmen Booking.com und kam zuvor vom Tech-Riesen Apple. Mit einer Lizenz in den Niederlanden zählt Plaid bereits erste Firmenkunden in Deutschland, wie beispielsweise den Krypto-Anbieter Kraken. Gerade das internationale Profil soll als Verkaufsargument für Plaid gelten, um Spieler anzulocken, die überall auf der Welt aktiv sein möchten.

Von einer Sprecherin heißt es: „Das lebendige lokale Fintech-Ökosystem, in dem große Fintech-Unternehmen wie N26, Trade Republic und Solaris beheimatet sind, entwickelt weiterhin neue Apps und Dienstleistungen, die den Menschen mehr Kontrolle über ihr Finanzleben geben und ihre Beziehung zu ihrem Geld verändern werden.“ Daraus würden sich für Plaid Geschäftschancen ergeben, etwa in den Bereichen in den Bereichen Krypto, Wealthtech und Finanzmanagement sich als Partner anzudienen.

Der Markt ist umkämpft: Seit dem vergangenen Jahr drängen gut finanzierte Anbieter wie Truelayer und Yapily mit eigenen Teams nach Deutschland. Und auch auch Tink will mit Visa im Rücken weiter wachsen. Alle Anbieter schauen sich derweil nach Übernahmezielen um: Yapily kaufte kürzlich das deutsche Startup Finapi und Tink übernahm noch vor dem Exit den deutschen Anbieter Fintecsystems. Finleap Connect gehört zu den wenigen verbliebenden eigenständigen deutschen Startups.

Parallel stehen neue mächtige Tech-Anbieter bereit. Stripe hat erst vor wenigen Monaten angekündigt, mit einem Produkt in den Markt vorzustoßen. Und selbst Apple ist interessiert, wie der Kauf eines britische Open-Banking-Startups gezeigt hat.

Banken mischen mit

Im Kampf um die Kunden wird jedes Fintech versuchen, sich mit seinem Produkt von dem Wettbewerb abzugrenzen. Auch dürften die Anbieter in einen Preiskampf eintreten. Damit könnten sich einzelne Anbieter mit den hohen Fundingsummen durchsetzen. Yapily befindet sich zurzeit auf Geldsuche. Die Investmentbank JPMorgan soll laut einem Bloomberg-Bericht an einem Einstieg interessiert sein.

Plaid ist derweil gut gerüstet. Zu der Hochphase im vergangenen Jahr sammelte das Fintech rund eine halbe Milliarde Dollar von prominenten Geldgebern wie Alimeter, Andreessen Horowitz oder Index Ventures ein – zu einer Firmenbewertung von 13,4 Milliarden Dollar – eine viel höhere Bewertung als bei dem anvisierten Verkauf an Visa. Rückblickend war demnach auch für Plaid der 12. Januar ein guter Tag.

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