(Bild: imago/Rüdiger Wölk)

Schufa verkauft FinAPI an Open-Banking-Startup Yapily

Das britische Fintech Yapily kauft FinAPI aus München. Bislang war die Schufa größter Anteilseigner. Was bedeutet das für den sich konsolidierenden Markt?

Die europäische Open-Banking-Branche sortiert sich neu – mit gravierenden Folgen auch für den deutschen Markt: Nachdem das Münchner Schwergewicht FintecSystems im vergangenen Jahr an den schwedischen Open-Banking-Riesen Tink verkauft worden war, passiert nun quasi dasselbe mit dem ebenfalls in der bayerischen Metropole angesiedelten Wettbewerber FinAPI. Dieser wandert unter das Dach des aufstrebenden britischen Konkurrenten Yapily, wie Finanz-Szene und Finance Forward exklusiv in Erfahrung gebracht haben.

Zum Kaufpreis machten die Beteiligten gestern zwar keine Angaben. In Finanzkreisen war allerdings übereinstimmend von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag die Rede. Der kommt mehrheitlich der bankeneigenen Auskunftei Schufa zugute, die sich vor drei Jahren eine 75-prozentige Mehrheit an FinAPI gesichert hatte und durch den Weiterverkauf einen satten Mehrerlös erzielen dürfte.

Der FinAPI-Deal folgt im Grunde derselben Logik wie der FintecSystems-Verkauf vor einem Jahr: Einerseits hatten sich die beiden Münchner Schnittstellen-Spezialisten über die vergangenen Jahre eine derart dominante Stellung im Heimatmarkt erarbeitet, dass ausländische Player nach ihrem Markteintritt in Deutschland rasch an Grenzen stießen. Andererseits versäumten es die beiden hiesigen Platzhirsche allerdings, ihr Modell zügig und auch international zu skalieren. Die Folge: Das große Venture-Capital-Geld floss seit Corona in die deutlich aggressivere angelsächsische bzw. skandinavische Konkurrenz.

So erhielt Tink Ende 2020 von Investoren 85 Millionen Euro und verleibte sich kurz darauf für einen kolportierten Kaufpreis von grob 120 Millionen Euro FintecSystems ein – während Yapily im vergangenen Sommer rund 45 Millionen Euro von Investoren erhielt und nun FinAPI erwirbt. „Die Deals ergeben am Ende für alle Seiten Sinn“, sagt ein Marktkenner. „Sowohl FinAPI als auch FintecSystems wären früher oder später Gefahr gelaufen, mit ihrem zu starken Fokus auf den Heimatmarkt nicht mehr wirklich zu wachsen. Umgekehrt legt Yapily jetzt zwar ziemlich viel Geld auf den Tisch, hat aber dafür in Deutschland auf einen Schlag eine sehr starke Marktposition.“

Wie sich Yapily und FinAPI regional ergänzen

Tatsächlich sieht es so aus, als würden sich Yapily und FinAPI regional gut ergänzen. Die Briten sind in den großen südeuropäischen Ländern (Italien, Spanien, Frankreich) ebenso vertreten wie im skandinavischen sowie im baltischen Raum – haben indes in Deutschland zwei Jahre nach dem Marktstart erst vier Mitarbeiter, bei gut 170 Beschäftigten insgesamt. FinAPI mit seinen insgesamt 45 Mitarbeitern fokussiert sich dagegen bislang neben Deutschland noch auf Österreich (wo Yapily ebenfalls zugange ist), Tschechien, Slowakei und Ungarn. „Durch den Zusammenschluss können wir mehr Schlagkraft, Flexibilität und Kompetenz gewinnen, um unsere Innovationskraft zu steigern und die Zukunft von Open Finance in Europa und darüber hinaus entscheidend mitzugestalten“, wird Yapily-CEO Stefano Vaccini in einer offiziellen Mitteilung zitiert, die Finanz-Szene vorab einsehen durfte. FinAPI-Gründer Florian Haagen sagte uns gestern: „Yapily und wir ergänzen einander, sowohl was unsere Produkte als auch unsere Kunden angeht. Gemeinsam sind wir perfekt aufgestellt, um die europäische Open-Finance-Agenda anzuführen.“

Insgesamt bringt FinAPI (Umsatz in 2020: rund sechs Millionen Euro) mehr als 50 Großkunden in die Liaison ein, darunter beispielsweise die Hypo-Vereinsbank, die ING Deutschland und die DKB. Bei aggregierter Betrachtung bedienen Yapily und FinAPI nach eigenen Angaben gut eine Million aktive Nutzer monatlich; das gemeinsame Zahlungsvolumen habe sich über die vergangenen zwölf Monaten auf rund 35 Milliarden Euro belaufen.

Da es sich bei FinAPI um einen lizenzierten Kontoinformations- und Zahlungsauslöse-Dienst handelt, muss die Bafin der Transaktion erst zustimmen. Bei der FintecSystems-Übernahme durch Tink brauchte es für dieses Procedere etwa sechs Monate; von einem ähnlichen Zeithorizont gehen Marktkenner auch diesmal aus. Auch über die Bafin-Genehmigung hinaus soll die FinAPI GmbH als eigenständige Gesellschaft fortgeführt werden. Ebenso war gestern die Rede davon, dass CEO Haagen und sein Mitgründer an Bord bleiben. Gleichwohl könnte der Zusammenschluss früher oder später zur Folge haben, dass FinAPI in technischer und auch sonstiger Hinsicht in Yapily integriert wird. Was dann noch übrig bleibt von dem Münchner Fintech, bleibt abzuwarten. Zur Erinnerung: Wie exklusiv berichtet, kommt es bei FintecSystems dieser Tage zu einem regelrechten C-Level-Exodus. Freilich: Diese Entwicklung hat auch damit zu tun, dass Tink kurz nach der Übernahme von FintecSystems seinerseits vom Kreditkarten-Riesen Visa geschluckt worden war.

Die Schufa bleibe „unser größter Kunde“, sagt der FinAPI-Chef

Ein letzter Aspekt: Die mehrheitliche Übernahme durch die Schufa vor drei Jahren erweist sich rückblickend als zweischneidig. Einerseits dürfte die Partnerschaft mit dem Traditions-Player dazu beigetragen haben, dass FinAPI seine Position bei hiesigen Banken und Sparkassen rasch ausbauen konnte (laut Haagen haben sich die eigenen Erträge unter dem Dach der Schufa grob versechsfacht, die Mitarbeiterzahl grob vervierfacht). Andererseits: Der Zugang zu klassischem Risikokapital, wie es Tink und Yapily zuletzt einheimsten, dürfte durch die enge Anbindung an den bankeneigenen Bonitäts-Spezialisten tendenziell versperrt gewesen sein; und dass die Schufa nicht selber hohe zweistellige Millionenbeträge für eine aggressivere internationale Expansion bereitstellen würde, lag auch nahe.

Unterm Strich lässt sich die dreijährige Kooperation für beide Seiten durchaus als Win-Win deuten. Denn während der Einstieg der Schufa laut früheren Finanz-Szene-Berechnungen zu einer Bewertung von grob 25 Millionen Euro erfolgt sein dürfte (wobei die Schufa on top dann doch ein bisschen Cash ins Unternehmen gepumpt haben dürfte), dürfte die jetzige Bewertung laut Branchenkennern eher in einer Spanne von vielleicht 60 bis 80 Millionen Euro liegen. Davon profitieren neben der Wiesbadener Auskunftei auch die Gründer, die die verbliebenen 25 Prozent an FinAPI hielten und deren Anteile dem Vernehmen nach auch bei Yapily landen dürften. Die inhaltliche Kooperation zwischen FinAPI und der Schufa wird derweil fortgesetzt, gestützt durch einen mehrjährigen Kooperationsvertrag, wie beide Unternehmen betonten. „Die Schufa bleibt unser größter Kunde“, sagte FinAPI-Chef Haagen. Schufa-Chefin Tanja Birkholz erklärte: „Wir kennen die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden. Gemeinsam mit Yapily und FinAPI werden wir diesen mit innovativen Lösungen gerecht werden.“

Auf europäischer Ebene dürften nun grob eine Handvoll API-Spezialisten um die Marktführerschaft rangeln, darunter neben Yapily (mit FinAPI) und Tink (mit FintecSystems) auch Truelayer und Token. Inwieweit das Berliner B2B-Fintech Finleap Connect (in das vor einigen Jahren ja auch das Hamburger API-Fintech Figo hineinfusioniert worden war) hierbei mithalten kann, bleibt abzuwarten – zumal API-Dienste ja nur einen Teil der Produktpalette ausmachen. Bleibt von den hiesigen Schnittstellen-Fintechs noch das Finconomy-Venture BANKSapi zu nennen, dass sich in den letzten Jahren aber eher auf mittelgroße heimische Kunden konzentriert hat.

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