Frank Kebsch und Lea Siering aus dem Führungsteam von Finleap Connect. (Bild: Boris Breuer)

22 Millionen für Finleap Connect – Bewertung steigt auf mehr als 100 Millionen

Exklusiv: Der Wettbewerber Fintecsystems legte kürzlich einen Exit hin, nun schließt das Berliner Open-Banking-Startup Finleap Connect eine neue Finanzierungsrunde ab. Bekannte Geldgeber steigen ein.

Lange Zeit war es ruhig um Finleap Connect – nun allerdings setzt das ambitionierte Berliner Geschäftskunden-Fintech ein Ausrufezeichen: Laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de und Finance Forward hat der 2019 aus dem Zusammenschluss von Figo und Finreach hervorgegangene Open-Banking-Spezialist bei Investoren 22 Millionen Euro eingesammelt. Dabei handelt es sich um das dritthöchste Funding für ein deutsches B2B-Fintech in diesem Jahr, deutlich hinter Mambu (110 Millionen Euro) und knapp nach Elinvar (25 Millionen Euro).

Fast noch wichtiger als die Summe: Seit der Fusion war Finleap Connect komplett vom Mutterunternehmen Finleap finanziert worden. Nun indes beteiligen sich erstmals auch wieder externe Investoren an der Firma, nämlich der Softbank-Ableger SBI Investments und der aufstrebende VC Ilavska Vuillermoz Capital. Wäre es anders gewesen, hätte Eindruck aufkommen können, Finleap Connect sei in erster Linie ein Anhängsel von Finleap und wecke bei anderen Investoren keine hinreichende Fantasie. Diesem Verdacht brauchen sich die Berliner nun nicht mehr auszusetzen.

Erste Schritte im Ausland

Die Bewertung liegt offiziellen Angaben zufolge im „dreistelligen Millionenbereich“ – wobei der Firmenwert  zwischen 100 Millionen und 150 Millionen Euro liegen dürfte. Lässt man den Anfang des Jahres zum Unicorn aufgestiegenen Kernbank-Spezialisten Mambu und die zuletzt mit rund 320 Millionen Euro taxierte Solarisbank außen vor, dann gehört Finleap Connect durch die Finanzierungsrunde nun zu den höchstbewerteten reinen Geschäftskunden-Fintechs. In einer vergleichbaren Liga dürften ansonsten nur der Schnittstellen-Spezialist Fintecsystems, der jüngst einen 120-Millionen-Exit hinlegte, Elinvar sowie die Identitäts-Startups IDnow und WebID spielen.

Finleap Connect beschäftigt gut 150 Mitarbeiter und zählt nach eigenen Angaben mehr als 350 Kunden. Die Firma bezeichnet sich selbst als sogenannte „Full Stack“-Plattform für Open-Banking-Dienstleistungen. Der Kern der Produktpalette leitet sich aus der alten Figo (einem Schnittstellen-Spezialisten) und der alten Finreach (im Kern ein Kontowechsel-Spezialist) ab – also jener beiden Unternehmen, die vor zwei Jahren zu Finleap Connect verschmolzen waren.

Im Gegensatz zu anderen hiesigen B2B-Fintechs hatte sich Finleap Connect frühzeitig ins europäische Ausland gewagt. Konkret: Die Berliner sind mit jeweils eigenen General Managern in Frankreich, Italien und Spanien aktiv. Laut dem kürzlich im Bundesanzeiger veröffentlichten 2019er-Geschäftsbericht kamen seinerzeit allerdings noch 91 Prozent der Provisionserträge aus dem Inland.

Höhere Umsätze als die Wettbewerber

Insgesamt summierten sich die Umsätze im Geschäftsjahr 2019 auf 4,9 Millionen Euro. Zum Vergleich: Fintecsystems kam im gleichen Jahr mit allerdings kleinerer Produktpalette und weniger Mitarbeitern auf 3,12 Millionen Euro, der zur Schufa gehörende API-Spezialist Finapi auf 3,8 Mio. Euro. Für 2020 ging Finleap Connect dem 2019er-Abschluss zufolge von einem „wesentlich gesteigerten Umsatzwachstum“ aus; zu Erträgen im zweistelligen Millionenbereich hat es dem Vernehmen nach allerdings noch nicht gereicht. Der Jahresfehlbetrag lag 2019 bei 8,1 Millionen Euro und dürfte 2020 zumindest nicht viel niedriger gewesen sein; auch vor diesem Hintergrund dürften die nun eingeworbenen 22 Millionen Euro gelegen kommen.

Mithilfe der Investorengelder will Finleap Connect die internationale Expansion vorantreiben und die Produktpalette verbreitern. Wichtigster Konkurrent in den kontinentaleuropäischen Märkten dürfte der deutliche höher finanzierte schwedische Anbieter Tink sein, der kürzlich Fintecsystems gekauft hat. Weitere namhafte  Wettbewerber sind Plaid, Yapily und Truelayer. Die allerdings teilweise stärker im Payment-Bereich verankert sind, während der Fokus von Finleap Connect stärker auf bankennahen Services liegt. Zum Beispiel, dem Kreditscoring und dem Kontowechsel.

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