N26 hat insgesamt mehr als 1.500 Mitarbeiter (Bild: PR)

N26-Mitarbeiter planen Betriebsrats-Wahlen

Exklusiv: In einem Brief an die Belegschaft kündigen N26-Mitarbeiter an, einen Betriebsrat gründen zu wollen. Das Vertrauen in das Management sei „auf einem historischen Tiefstand“, heißt es. N26 werde einen Betriebsrat „respektieren“, teilte das Unternehmen mit.

Erst vor wenigen Tagen teilte der Deutschland-Chef von N26 ein Ranking über die Zufriedenheit der Kunden: Die Berliner Smartphone-Bank erzielte dabei 4,3 von 5 möglichen Sternen – während die etablierten Geldhäuser in der Trustpilot-Auswertung abschmierten. Mit 1,8 Sternen bewerten die Kunden etwa die Deutsche Bank. Die Aussage von Georg Hauer ist klar: Die jungen Angreifer machen ein besseres Produkt.

Anders sieht es allerdings bei den Mitarbeitern der Bank aus, dort sind bei weitem nicht alle zufrieden. Nach Informationen von Finance Forward haben sich Beschäftigte von N26 zusammengetan, um eine Betriebsratswahl zu initiieren. Das ist eine Besonderheit, denn viele Startups in Berlin verfügen über keine Mitarbeitervertretung.

In einem anonymen Brief an die Mitarbeiter heißt es: „Das Vertrauen und die Zuversicht in das Management von N26, dass es das Wohlergehen der gesamten Belegschaft gewährleistet, ist auf einem historischen Tiefstand“. Maßnahmen wie die Einrichtung eines „Employee Experience“-Teams, um diese Unzufriedenheit zu mildern, seien ein erster positiver Schritt, „aber sie reichen nicht aus“, schreibt ein nicht genannter Mitarbeiter auf der Website Worker26.com, die am Montagmorgen online gegangen ist.

Kritikpunkte: Fehlende Gehaltstransparenz, hoher Arbeitsdruck und befristete Verträge

Um die Arbeitsbedingungen bei N26 zu verbessern, müssten die Mitarbeiter ohne Druck des Managements über Probleme diskutieren können, heißt es weiter. Deswegen setze man sich für die Wahl eines Betriebsrats ein. Konkrete Termine nennt der Brief an die Mitarbeiter ebenfalls für Mitte August.

Ein Verdi-Sprecher bestätigt die Bestrebungen, der Mitarbeiter einen Betriebsrat ins Leben zu rufen. Die Gewerkschaft stehe dafür mit „einer Vielzahl“ an N26-Mitarbeitern in Kontakt. Fehlende Transparenz bei den Gehältern, hoher Arbeitsdruck und viele befristete Verträge seien als Kritikpunkte an die Gewerkschaft herangetragen worden, heißt es von dem Verdi-Vertreter.

Das Unternehmen teilt auf Nachfrage mit: Die Gründer und das Führungsteam „investieren einen großen Teil ihrer Zeit in die Schaffung einer positiven Arbeitsatmosphäre, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert und die das Wohlergehen jedes einzelnen N26er zum Ziel hat“.  Teilhabe und offenes Feedback seien „ein elementarer Bestandteil unserer täglichen Zusammenarbeit“.

Das Banking-Startup macht aber auch klar, dies sei unabhängig von einem gewählten Betriebsrat. „Wir glauben daran, dass es auch von Vorteil sein kann, wenn alle Mitarbeiter die Möglichkeit einer Partizipation selbst wahrnehmen, anstatt sie auf einige wenige Leute zu delegieren“, teilt ein Sprecher mit. Sollte das Team das anders gestalten wollen, werde N26 „dies selbstverständlich respektieren“.

Mitte August sollen die Wahlvorstände bestimmt werden

In einem ersten Schritt sollen nun am 13. und 14. August die sogenannten Wahlvorstände bestimmt werden, für die N26 GmbH und für die N26 Operations GmbH. Die Mitarbeiter der jeweiligen Gesellschaft wählen die drei Personen des Wahlvorstandes. Das Gremium organisiert dann in den folgenden Wochen die Betriebsratswahlen. Insider berichten gegenüber Finance Forward, dass die mögliche Gründung eines Betriebsrats bei Teammeetings gegenüber den beiden Gründern, Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, immer wieder angesprochen wurde. Im Rahmen der Coronakrise schickte N26 im April 150 Mitarbeiter in Kurzarbeit und entließ Teile der Belegschaft in New York.

Bereits im Herbst vergangenen Jahres kam es zu Unmut zwischen N26-Mitarbeitern, da es ihnen durch eine Datenpanne möglich war, die Gehälter ihrer Kollegen einzusehen, wenn diese ihr Gehaltskonto bei N26 führten. Das zeigte kürzlich eine Recherche von Finance Forward. Anderen war nicht wohl dabei, dass Vorgesetzte Einblick in ihre Kontobewegungen haben könnten – und zum Beispiel festgestellt haben könnten, dass sie Mitglied in einer Gewerkschaft sind.

Hinweis: In einer ersten Version des Textes stand, dass es sich bei den Trustpilot-Bewertungen um ein Ranking der Mitarbeiter handelt. Das ist nicht richtig, Kunden bewerten dabei ein Produkt.

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