Das Banxware-Gründerteam mit (von links) Fabian Heiß, Miriam Wohlfarth, Aurel Stenzel und Jens Röhrborn (Bild: PR)

„Banxware“: Die Hintergründe zum neuen Fintech von Miriam Wohlfarth

Exklusiv: Die bekannte Fintech-Gründerin Miriam Wohlfarth hat etwas Neues vor: Mit dem Startup Banxware will sie Kredite an Plattformhändler vergeben. Gespräche mit großen Bankpartnern und Wagniskapitalgebern laufen bereits.

Erste Gerüchte waren gestern Abend schon nach außen gesickert: Miriam Wohlfarth, die seit Jahren zu den wichtigsten Stimmen der deutschen Fintech-Szene gehört, gründet ein neues Startup. Sie bleibt zwar Geschäftsführerin des Payment-Unternehmens Ratepay, doch die neue Chefin Nina Pütz wird einen Teil ihrer Aufgaben übernehmen.

Mit einem kleinen Team arbeitet Wohlfarth parallel in der Nähe der Friedrichstraße an dem neuen Fintech Banxware. Und es soll schon bald losgehen: Das Kreditstartup befinde sich in Gesprächen mit großen Plattformen und Banken, die als Partner fungieren.

Ihre Kunden kennt Miriam Wohlfarth bereits gut. Mit Ratepay, das sie seit 2009 aufgebaut hat, konnten Online-Shops und Plattformen verschiedenste Bezahlmethoden anbieten, beispielsweise Ratenzahlungen oder Rechnungskauf. Die Online-Plattformen hätten „öfter gefragt, ob wir nicht auch Kredite an die Händler vergeben könnten“, sagt die Fintech-Gründerin.

Das Prinzip: Ein Restaurant, das auf einer Essenslieferplattform seine Gerichte verkauft, holt sich über die Plattform einen Kredit. Die Technologie stammt von Banxware. „Ein typischer Kunde erhält 15.000 bis 30.000 Euro und muss den Kredit in 12 bis 18 Monate zurückzahlen“, erklärt Mitgründer Fabian Heiß. Wenn der Händler Umsatz über die Plattform erzielt, wird ein Teil des Geldes einbehalten, um den Kredit abzuzahlen. Ein vergleichbares Kredit-Produkt gibt es etwa von Paypal. Und die Bank ING vergibt seit einiger Zeit Kredite an Amazon-Händler.

Die White-Label-Lösungen will Banxware verschiedenen großen Online-Plattformen und Marktplätzen anbieten, noch seien keine Namen spruchreif, heißt es. „Durch die Transaktionen der Plattform haben wir einen Einblick in die finanzielle Situation der Händler“, sagt Wohlfarth, zusätzlich würden weitere Daten wie zum Beispiel eine Kontoanalyse herangezogen werden, um die Bonität der Händler zu bestimmen. An den Zahlungsflüssen kann das Startup analysieren, ob sich ein Händler in finanziellen Schwierigkeiten befindet.

Ein gutes Kreditscoring ist der Kern des Geschäftsmodells. Nur so ist die Firma in der Lage, automatisch Kredite zu vergeben. In 15 Minuten soll der Kreditantrag bei Banxware komplett fertig sein. Zusammen mit dem Berliner Startup Mambu baut Banxware einen Teil des Kernbanksystems selbst auf.

Eigentlich hätte Banxware bereits starten sollen – doch dann kam etwas dazwischen. „Der Wirecard-Skandal hat uns den Start verhagelt, wir wollten eigentlich mit der Bank als Partner starten“, sagt Miriam Wohlfarth.  Nun spricht sie mit neuen Partnern. Große Banken sollen die Finanzierungen übernehmen, auch dafür führe das Gründerteam bereits fortgeschrittene Gespräche.

Das Banxware-Team besteht aus erfahrenen Gründern: Jens Röhrborn saß beim Payment-Unternehmen PPRO im Aufsichtsrat und war von 2004 bis 2010 Aufseher der Wirecard-Bank. Als Startup-Anwalt kennt er die Szene gut. „Juristisch ist alles ausgefeilt – ich würde nie wieder ein Fintech ohne einen Anwalt gründen“, sagt Wohlfarth. Weitere Mitgründer sind Fabian Heiß, der vom Company-Builder Finleap kommt, und Aurel Stenzel, der zuvor COO beim Adtech-Unternehmen Adjust war. „Wir haben alle schon bewiesen, dass wir Firmen aufbauen können“, sagt Jens Röhrborn.

Die Entwicklungsphase hat das Gründerteam vorfinanziert, eine Summe zwischen einer halben Million und einer Million Euro seien bereits in das Startup geflossen, heißt es. Für den nächstem Wachstumsschub sprechen die Gründer nun gerade mit Investoren. Im Moment sieht alles danach aus, als könnte mit Banxware eine der spannendsten Fintech-Neugründungen des Jahres entstehen.

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