Lendico wurde 2013 in Berlin gegründet (Bild: Marcus Lenk/Unsplash)

Der letzte Gründer geht: Management-Umbau bei Lendico

Exklusiv: Vor zwei Jahren kaufte die ING das Rocket-Startup Lendico. Jetzt verlässt der letzte Gründer die Geschäftsführung der digitalen Kreditplattform.

Es ist fast sieben Jahren her, dass Rocket Internet ein deutsches Pendant zu Lending Club, der erfolgreichen Kreditplattform aus den USA, schaffen wollte. Lendico, so wurde das Fintech genannt, hatte zu Beginn gleich vier Gründer und Geschäftsführer – Philipp Petrescu, Dominik Steinkühler, Clemens Paschke sowie Christoph Samwer, ein Cousin der Samwer-Brüder.

Das Geschäftsmodell musste in den Folgejahren mehrfach angepasst werden: Anfangs vergab das Fintech Kredite an Verbraucher, ab 2015 richtete es sich jedoch verstärkt auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus. Inzwischen gibt es bei Lendico gar keine Verbraucherkredite mehr. Nachdem zunächst ins Ausland expandiert worden war, zog sich das Unternehmen später aus Ländern wie Spanien, Polen und Südafrika wieder zurück. Man wolle sich auf den deutschen Markt fokussieren.

Und: Nach und nach verließen die Gründungsgeschäftsführer das Fintech. Samwer gründete 2017 das Insurtech Friday, Steinkühler wurde Bereichsvorstand bei der Commerzbank und Petrescu gründete die MVP Factory in Berlin. Vor zwei Jahren verkaufte Rocket Lendico dann an die niederländische Bank ING. Wie aus dem Handelsregister hervorgeht, hat nun als letzter Gründer auch Clemens Paschke das Fintech verlassen.

Drei Manager gehen

Paschkes Abgang ist Teil einer größeren Umbauaktion im Lendico-Management: Neben dem Gründer scheidet auch Daniel Llano als Geschäftsführer aus – der langjährige ING-Manager, der im Zuge der Übernahme zur Geschäftsführung gestoßen war, hat nun vermutlich Wichtigeres zu tun: Er stieg zu Jahresbeginn in den Vorstand der Großbank auf. Der dritte Abgang betrifft Friedrich Hubel, der seit Ende 2014 Teil der Lendico-Führung war: Er verlässt auf eigenen Wunsch das Unternehmen.

Clemens Paschke ist ausweislich seines LinkedIn-Profils seit März CEO von Everestate, einer Vermarktungsplattform für Immobilien unter dem Dach der Berliner Ziegert Group. Er reagierte auf eine Anfrage von Finance Forward nicht.

Neu in die Lendico-Führung kommt Thomas Becher, einst Mitgründer des gescheiterten Frankfurter Startups Fintura und langjähriger Deutsche-Bank-Manager. Er ist bereits seit 2018 bei der ING als KMU-Experte an Bord. Lendico hat inzwischen sogar fünf Geschäftsführer, neben Becher kamen zwischen Januar 2018 und Januar 2019 noch Managing Director Sven Foos, COO Martin Kohlbeck, CMO Verena Freyer und Finanzchef Florian Strobel hinzu.

„Durch die neue Struktur und interne Besetzung bündeln Lendico und ING umfassende Kompetenzen auf Geschäftsführungsebene“, lässt sich ein ING-Sprecher zitieren. „Nach der erfolgreichen Aufbauphase gehen die Unternehmen damit einen weiteren Entwicklungsschritt in ihrer engen Zusammenarbeit.“

Beachtliches Wachstum unter dem ING-Dach

Die Übernahme durch die ING hat bei Lendico für eine sichtbare Kurskorrektur gesorgt. In den Jahren vor dem Verkauf fiel die Mitarbeiterzahl, Rocket musste die Bewertung der Tochter deutlich reduzieren. 2018, im Jahr der Übernahme, gab Lendico gerade einmal sechs Millionen Euro an Krediten aus – 2019 wuchs das Volumen auf 95,2 Millionen Euro. Die monatlichen Wachstumsraten liegen laut Unternehmen bei etwa 30 Prozent. ING-Deutschlandchef Nick Jue nennt die erfreulichen Zahlen einen „Proof of Concept“.

Dass Lendico unter der ING sein Geschäftsmodell noch einmal radikal umbaut, ist unwahrscheinlich. Das Fintech bedient ein Segment, das die ING zuvor noch gar nicht abgedeckt hatte. Lendico vergibt Kredite bis zu 750.000 Euro bei Laufzeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren.

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