Bison ist im Januar 2019 mit seiner App gestartet (Bild: Mike Beaumont/Unsplash)

Krypto-App Bison erzielt 40 Millionen Euro Umsatz – und expandiert

Exklusiv: Start in zwei neuen Märkten, Umsatz vervierfacht. Das Digital-Projekt der Börse Stuttgart hat 2021 vom starken Markt für Kryptowährungen profitiert. Es will sich nun auch stärker außerhalb von Deutschland ausbreiten und plant neue Produkte.

Langsam erholt sich der Krypto-Markt wieder. Nach einem rasanten Kursabsturz berappelte sich der Bitcoin-Kurs zuletzt und stieg um rund fünf Prozent auf mehr als 40.000 Dollar. Ein positives Signal nach schwierigen Tagen. Hinter den Währungen und ihren Anlegern liegt derweil ein turbulentes Jahr, mit Rücksetzern, einer Euphorie um die Bitcoin-Einführung in El Salvador, dem Start von Bitcoin-ETFs und einem Allzeithoch.

Das Anlegerinteresse schlägt sich nun auch in den Geschäftszahlen der Krypto-Apps nieder. Einer der größten deutschen Player ist die Bison-App der Börse Stuttgart, die nun erste Zahlen für das Jahr 2021 veröffentlicht hat. Daraus lassen sich auch Rückschlüsse auf die Umsätze ziehen – und die haben sich vervierfacht. Aus einem Digital-Projekt einer lokalen Börse, die schon zum Start 2019 sich gegen Coinbase und Bitpanda behaupten musste, ist nun ein umsatzstarkes Fintech entstanden, das in einer Liga mit wagniskapitalfinanzierten Startups spielt.

Zeitweise mehr als zwei Milliarden Euro verwaltetes Vermögen

Insgesamt 5,6 Milliarden Euro Handelsvolumen vermeldet Bison für das Jahr 2021, zeitweise verwaltete es mehr als zwei Milliarden Euro Krypto-Vermögen. Die Börse Stuttgart verdient über ihre Tochter die Euwax AG beim Krypto-Trading an der Spanne zwischen dem An- und Verkaufspreisen. Dieser sogenannte Spread beträgt mindestens 0,75 Prozent. Allein damit macht Bison sein Geld, weitere Gebühren fallen bei dem Anbieter nicht an. Diese Prozentzahl des gesamten Handelsvolumens ergibt also den Umsatz. Der liegt bei „mehr als 40 Millionen Euro“, wie ein Sprecher bestätigt. Zum Vergleich: Im Vorjahr kam die App auf rund zehn Millionen Umsatz. Schon im April zeichnete sich das mögliche Ergebnis ab, wie Finance Forward berichtete.

Auch die Kundenzahl ist gewachsen – auf 550.000. Bison zählt dabei allerdings alle Nutzer, die lediglich mit einer E-Mail-Adresse registriert sind und mit der App- oder Desktop-Version interagieren. Für den Echtgeldhandel mit Kryptowährungen hätten sich von ihnen rund 40 Prozent verifiziert, so der Sprecher.

Gute Margen im Kryptohandel

Mit dem Wachstum sind 2021 auch die Kosten gestiegen. Im vergangenen Jahr hatte Finance Forward berichtet, dass am Projekt Bison 65 Mitarbeiter beteiligt seien. Inzwischen hat sich die Zahl mehr als verdoppelt, auch wenn die Zusammensetzung etwas kompliziert ist – denn bei dem Produkt sind mehrere Töchterfirmen der Börse Stuttgart involviert: Sowa Labs entwickelte die App, Handelspartner ist die in Deutschland regulierte Euwax AG und die Verwahrung der Kryptowährungen übernimmt die Blocknox GmbH. Einzig die Berliner Solarisbank als Bankdienstleister gehört nicht zu der Börse Stuttgart. Bei Sowa Labs arbeiten nun 76 Mitarbeiter für Bison, hinzu kommen 36 Mitarbeiter bei der eigenen Blocknox.

Details will das Unternehmen nicht nennen, aber die Kosten seien „grundsätzlich wie die Erträge auch gegenüber dem Vorjahr gestiegen“, so der Sprecher. Die Margen der Konkurrenz sind gut, wie sich in den Geschäftszahlen der Konkurrenten wie Coinbase und Bitpanda ablesen lässt. Allerdings sind die Gebühren von Bison etwas niedriger – und damit auch der Umsatz. In einer Untersuchung für Finance Forward hat das Startup Coindex kürzlich aufgezeigt, dass sich die Kosten für den Kryptohandel bei Bison im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland im Mittelfeld bewegen. So werden beim Kauf und Verkauf von beispielsweise Bitcoin insgesamt 1,49 Prozent fällig – bei Coinbase sind es der Erhebung zufolge 3,92 Prozent.

Sparpläne und Neobroker-Kooperationen

Ein Vorteil in den vergangenen zwei Jahren war für Bison die Regulierung in Deutschland. Gegenüber den ärgsten Konkurrenten wie Bitpanda oder Coinbase konnte das Unternehmen dadurch hierzulande aktiv Kunden anwerben. Doch die gutfinanzierte Konkurrenz holt auf, Coinbase hat seine Lizenz im Sommer erhalten und bei Bitpanda dürfte es nicht mehr lange dauern. Dann werden die verschiedenen Anbieter nicht mehr nur um Erstkunden werben, sondern auch untereinander in einen Preis- und Produktkampf gehen.

Dafür hat Bison bereits einige Pläne in der Pipeline. Die kürzlich gestartete Sparplanfunktion lag vier Wochen nach dem Start bereits bei 27.000 Sparplänen. Die Börse plant zudem eine Kooperation mit Neobrokern, wie die Börsen Zeitung berichtet. In den kommenden Monaten will Bison außerdem weitere Einzahlungsoptionen für Euro einführen sowie mit neuen Kryptowährungen starten, darunter Cardano, Solana und Polkadot. Nach dem Start in Österreich ging es jetzt auch im Januar in die Schweiz – und die Internationalisierung stehe weiter auf dem Plan, heißt es von Börse Stuttgart. Nun muss sich nur noch der Kurs ordentlich erholen.

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