Kryptowährungen sind in der Türkei populär (Bild: Imago/NurPhoto.)

Exklusive App-Statistik: Krypto-Nutzer sind besonders treu

Krypto-Nutzer verwenden ihre Trading-Apps häufiger und sind loyaler als Nutzer von Aktien-Trading-Apps. Das ist auf den ersten Blick gut – hat aber einen Haken.

Ein Fünftel der Menschen, die im vergangenen Jahr die App der weltgrößten Kryptobörse Binance heruntergeladen haben, kam aus einem einzigen Staat – ein Land, dessen Krypto-Faszination viele vermutlich gar nicht auf dem Schirm hatten: die Türkei. Die heimische Währung Lira ist in der Zeit stark gefallen, und gerade ein jüngeres Publikum sah in Coins eine Alternative – trotz der hohen Kursschwankungen, denen auch Kryptowährungen unterliegen.

Eine neuer Bericht der Analysedienste Adjust und Apptopia, der Finance Forward exklusiv vorliegt, belegt diesen Trend auch in weiteren wichtigen Kennzahlen. Gerade in der EMEA-Region (Europa, Naher Osten und Afrika) ist die Kryptonutzung deutlich stärker gewachsen als im Rest der Welt.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts haben wir hier zusammengefasst:

1. Europa holt auf

Im Vergleich zu Asien und den USA, die traditionell große Krypto-Hotspots sind, konnte EMEA aufholen, wie die Analyse zeigt, für die das Berliner Startup Adjust 192 Fintech- and 22 Krypto-Apps und Apptopia 50 Krypto-Apps untersucht hat. Absolute Zahlen liefert der Bericht nicht.

Untersucht wurden auch die weltweit populärsten Kryptobörsen: Dass Coinbase dort seinen ersten Platz aus dem Jahr 2020 verloren hat, zeigt, wie hoch der Einfluss von Hypes wie in der Türkei ist, von dem wiederum Unternehmen wie Binance profitieren. Coinbase ist in seinem US-Heimatmarkt stark, expandiert aber mittlerweile auch global und setzt beispielsweise große Hoffnung auf Deutschland. Crypto.com, das zuletzt Schwierigkeiten mit seiner Lizenz in Deutschland hatten, breitet sich ebenfalls global aus.

2. Der Hype ist stärker als in den Jahren zuvor

Im Börsenboom zu Beginn der Coronakrise gerieten Kryptowährungen bereits in den Fokus von jungen Anlegern. Doch tatsächlich ging der große Run erst im Jahr 2021 richtig los.


Beide Graphen unterscheiden sich dabei nur wenig von der Preiskurve des Bitcoin-Preises, der auch Mitte 2021 einen Dip hatte. Die App-Downloads sind damit stark an den Preis der wichtigsten Kryptowährungen gekoppelt.

3. Höhere Wiederkehrrate als beim Aktienhandel


Auf diesem Chart ist zu sehen, wie viele App-Nutzer schon nach dem ersten Tag abspringen – ein Phänomen, das bei fast allen Apps existiert. Interessant: Nutzer von Krypto-Apps bleiben tendenziell länger dabei, vor allem im Vergleich zu denen von Apps für den Aktienhandel.

Auch rufen Nutzer die App häufiger auf und verweilien dort länger. Im Schnitt sind es bei einem Kryptonutzer rund 15 Minuten pro Session, bei einem Aktientrader durchschnittliche drei Minuten weniger.

Fazit: Attraktive Kunden – mit einem Haken

Das Ergebnis der Zahlen macht deutlich: Auf den ersten Blick sind Kryptonutzer sehr attraktive Kunden. Sie nutzen ihre Apps häufiger, länger und sind treuer. Das lässt sich unter anderem damit erklären, dass sie auch durchgehend handeln können. Der Aktienhandel läuft dagegen nur zu den Börsenöffnungszeiten. Der Broker Robinhood hat aus diesem Grund bereits angekündigt, künftig auch einen 24/7-Handel mit Aktien zu ermöglichen.

Diese Ergebnisse sind auch ein Grund dafür, warum Trading-Apps und Neobanken stärker in den Kryptobereich drängen. Hinzu kommt, dass im Kryptomarkt die Margen bislang besser sind.

Auf den zweiten Blick stellt sich die Frage: Wie erfolgreich können Nutzer als Anleger sein, wenn sie ständig in die App schauen – und dabei stets eine Viertelstunde bleiben? Im schlimmsten Fall verbrennen sie ihr Geld schnell und sind dann als Kunden verloren. Über teure Marketing-Kampagnen müssen dann neue Kunden gewonnen werden. Und gerade das Marketing ist unglaublich teuer. Insgesamt 700 Millionen Dollar hat Crypto.com ausgegeben, um sich die Namensrechte des Stadions der L.A. Lakers zu sichern. Auch sonst fließen zurzeit viele Millionen ins Kryptomarketing. Doch das lohnt sich am Ende nur, wenn die Kunden bleiben — und nicht die App wieder verlassen, weil sie pleite sind.

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