Cristina Stenbeck war lange das Gesicht von Kinnevik, hat sich aber seit einigen Jahren aus Führung zurückgezogen (Bild: IMAGO / TT)

Investor Kinnevik kürt Raisin DS zum Unicorn

In neuen Quartalszahlen zeigt sich, wie der schwedische Startup-Geldgeber Kinnevik das neu fusionierte Fintech-Schwergewicht Raisin DS bewertet – und wie das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Firmen wirklich aussieht.

Die Zahl kenne er selbst nicht, sagte Tamaz Georgadze kürzlich im FinanceFWD-Podcast, angesprochen auf die kolportierte Bewertung seines Fintechs. Das Branchenmagazin Deutsche Startups hatte kürzlich berichtet, dass die neu fusionierte Firma Raisin DS – ein Zusammenschluss der Zinsportale Deposit Solutions und Raisin – von seinen Geldgebern mit 2,5 Milliarden Euro bewertet werde. Er freue sich über das Preisschild, kommentierte der Raisin-Gründer die Zahl. Weil kein Geld geflossen sei, gebe es aber auch keine Bewertung.

Dies hat sich am Montagmorgen geändert, denn nun gibt es erstmals eine offizielle Firmenbewertung des neuen Fintech-Schwergewichts. Der börsennotierte Investor Kinnevik, seit einigen Jahren bei Deposit Solutions beteiligt, veröffentlichte seine Sicht auf die neue geschaffene Firma – und schreibt von einem „Fair Value“, der umgerechnet bei 1,3 Milliarden Euro liegt.

Die Raisin-Anteilseigner erhalten rund zwei Drittel der Anteile

Ende Juni hatten die deutschen Fintechs Raisin und Deposit Solutions, die für ihre Zinsportale Welsparen und Zinspilot bekannt sind, einen Zusammenschluss verkündet. Es handelt sich um die größte Fusion der deutschen Fintech-Szene. Bei einem zeitnahen Fundraising soll nun neues Geld eingesammelt werden – vor allem um die große Expansion in den USA zu finanzieren, deutete Georgadze an, der auch CEO des Fintechs bleibt.

Bislang war unklar, wie genau das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Firmen aussieht. Doch mehrere Indizien legten nahe, dass Raisin der stärkere Partner in dem Gemeinschaftsunternehmen ist. Zum einen der neue Firmenname und die geplante Unternehmensführung: Deposit-Solutions-Gründer Tim Sievers verlässt das Fintech nach einer Übergangsphase. Deutsche Startups hatte in dem Bericht von einem 60-Prozent-Anteil für die Raisin-Gesellschafter und 40 Prozent für Deposit Solutions berichtet.

In den Zahlen von Kinnevik zeigt sich nun, dass der Raisin-Anteil offenbar höher ist. Der Kinnevik-Anteil ist von sechs Prozent an Deposit Solutions auf zwei Prozent am Gemeinschaftsunternehmen verwässert. Demnach würden die Gesellschafter von Raisin rund zwei Drittel der Anteile erhalten – und Deposit Solutions nur ein Drittel.

Konservative Bewertung – trotz Fusion

Bei der Bewertung für seine Quartalszahlen zieht der schwedische Kapitalgeber, der in den Anfangszeiten der deutschen Startup-Szene ein enger Partner von Rocket Internet war und Zalando lange als Investor begleitete, nicht die Zahlen aus den Finanzierungsrunden heran, sondern vergleicht die Firma mit anderen Fintech- und Software-Anbietern. Wer dazu gehört, wollte Kinnevik in der Vergangenheit auf Nachfrage nicht beantworten.

Die Einschätzung ist aus diesem Grund konservativer als von anderen Geldgebern. So investierte die Deutsche Bank bereits Ende 2019 in Deposit Solutions zu einer Bewertung von einer Milliarde Euro. Der schwedische Kapitalgeber hielt die Hamburger Firma dagegen in seinen Büchern mit einem Wert von umgerechnet 428 Millionen Euro – mit Verweis auf den Marktvergleich.

Ein gleiches Raster legt Kinnevik nun wieder an und rechnet für seinen Zwei-Prozent-Anteil einen Wert von 261 Millionen schwedische Kronen (umgerechnet 25,61 Millionen Euro). Daraus ergibt sich der Firmenwert des fusionierten Fintechs von rund 1,3 Milliarden Euro. Den Wert des Anteils hat Kinnevik fast unverändert gelassen, auch wenn der Geldgeber schreibt, dass die Fusion seine Sicht auf das Unternehmen stärke. Dass sich die Bewertung nicht erhöht, ist verwunderlich – und ein Zeichen, dass Kinnevik noch zurückhaltend ist.

Es ist wahrscheinlich, dass Raisin DS bei einem anstehenden Fundraising eine höhere Bewertung anstrebt, denn die Marktsituation ist aktuell gut und beide können auf eine große Kundenbasis verweisen.

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