Die Penta-Mitgründerin Jessica Holzbach (Bild: PR)

Die letzte Gründerin geht: Jessica Holzbach verlässt Penta

Exklusiv: Das Business-Banking-Startup Penta verliert sein einziges weibliches Management-Mitglied – und damit auch die letzte Gründerin. Der Weggang von Jessica Holzbach zeigt auch: Der einstige Company Builder Finleap hat in seinem Portfolio kaum noch Frauen auf C-Level-Ebene.

Das Berliner Startup Penta hat in seiner kurzen Zeit schon mehrere Abgänge von Gründern und CEOs hinnehmen müssen. Jetzt verlässt mit Jessica Holzbach, Chief Customer Officer (CCO), die einzige Gründerin und die letzte der fünf Mitgründer das Unternehmen, wie Finance Forward und Business Insider erfuhren. Ihr Abgang nach vier Jahren erfolgt wenige Wochen, nachdem Markus Pertlwieser, ehemaliger Digitalchef der Deutschen Bank, als neuer Geschäftsführer berufen wurde.

Holzbach selbst sagt zu ihrem Ausscheiden: „Die letzten Jahre mit Penta waren eine große Herausforderung und zu sehen, wie wir als Team Banking für KMUs vereinfacht haben, macht mich als Mitgründerin sehr stolz.“ Sie bleibe, so das offizielle Statement des Unternehmens, Penta auch weiterhin verbunden.

Penta gehört zum Ökosystem des Fintech-Inkubators Finleap und wendet sich mit seinen digitalen Kontomodellen an Geschäftskunden und kleine GmbHs, sowie Freiberufler – quasi das „N26 für Firmenkunden“. Konkurrenten sind hierzulande beispielsweise Holvi, Kontist, Fyrst, Qonto und Finom. Erst vor wenigen Tagen verkündete das Unternehmen stolz, die Marke von 30.000 Unternehmenskunden geknackt zu haben, rund 150 Mitarbeiter hat Penta mittlerweile in Berlin und Belgrad.

Dabei waren die Anfänge holprig. Penta wurde 2017 gegründet, ursprünglich von Jessica Holzbach, Luka Ivicevic, Lav Odorovic, Aleksandar Orlic und Sir Gabriel Holbach – damals noch mit klarem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. Bankingpartner des Unternehmens, das über keine eigene Banklizenz verfügt, ist die Solarisbank – was schon früh den ersten Zugang zum jetzigen gemeinsamen Investor, dem Company Builder Finleap, legte. Im April 2019 nahm Finleap Penta durch Aufkauf von Anteilen in sein Ökosystem auf. Laut den Zahlen des vorletzten Finleap-Geschäftsberichts sollen damals nur 400.000 Euro und ein kleines Darlehen geflossen sein, wie Finance Forward berichtete.

Die neuen Ventures der Penta-Gründer

Seit der Übernahme kam es verstärkt zu personellen Veränderungen. Aleksandar Orlic und der damalige CEO Lav Odorovic verließen bereits kurze Zeit später das Unternehmen. Orlic gründete das Startup Randevu, das Händlern dabei hilft, Amazon-gleiche Marktplätze zu bauen, Odorovic das Fintech Relio in der Schweiz, das ebenfalls Geschäfts-Banking anbietet. Als nächstes von der Gründertruppe ging Luka Ivicevic im August 2020, der bis dato als Chief of Staff agierte. Er wechselte in den Gesundheitssektor und gründete das Health Startup Index Health in Florida, USA.

Und auch Sir Gabriel Holbach, der als Creative Director für Pentas Look verantwortlich zeichnete, schied im Januar dieses Jahres aus. Laut Linkedin folgte er Ivicevic und agiert mittlerweile als Co-Founder bei dessen Health Startup. Aus der frühen Anfangszeit, wenn auch nicht als Gründer, bleiben nur Igor Kuschnir übrig, CFO, und CPO Lukas Zörner.

Neben den Abgängen gab es im Penta-Management auch Neuzugänge, die mal mehr, mal weniger lang blieben – unter anderem CEO Marko Wenthin und Marketing-Chef Matteo Concas. Hendrik Jondell, der als CTO die Technologie des Unternehmens verantwortet, kam im Oktober 2019 dazu und ist bisher noch an Bord.

Finleap und seine Frauen

Der Abgang von Jessica Holzbach, die Penta als Mitgründerin viel in der Öffentlichkeit präsentierte, bedeutet nicht nur, dass die einzige Frau im Management von Penta verlässt, sondern auch, dass Finleap eine der wenigen Frauen auf C-Level-Ebene im Portfolio verliert. In den vergangenen Wochen hatten auch Cornelia Schwertner, Chief Risk Officer bei Finleap Connect, und Carolin Gabor, ehemals CEO der gefloppten Vergleichsplattform Joonko und zuvor Managing Director bei Finleap, ihren Abschied von Finleap verkündet.

Im gesamten Portfolio des Company Builders bleiben auf C-Level nur Iryna Zhovtobryukh, CTO beim White-Label-Versicherer Element, Lea Siering, die die Rolle der Chief Risk Officer bei Finleap Connect von Schwertner erbte, Natalie Münch, Chief Risk Officer bei Billfront, Katharina Jung von Kuno und Birte Sewing als COO bei Finleap direkt. Das macht fünf Frauen auf C-Level-Ebene, die übers gesamte Portfolio von zwölf Firmen 39 Männern auf C-Level gegenüberstehen.

„Ich bin sehr stolz darauf, jeden Tag mit so vielen tollen Frauen im Finleap-Ökosystem zu arbeiten – viel zu viele, um sie alle aufzuzählen“, schrieb Finleap-Gründer Ramin Niroumand kürzlich anlässlich des Weltfrauentags auf Linkedin. Trotzdem, schob er nach, seien es noch nicht genug.

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