Bei Insha arbeiten etwa 20 Personen in Berlin und Istanbul. (Bild: Unternehmen)

60 Euro pro Kunde, 10 Millionen frisches Kapital – Insha, das N26 für Muslime, legt seine Zahlen offen

Vor etwa einem Jahr ist Insha, das N26 für Muslime, in Deutschland gestartet – nun soll die Expansion in Europa folgen. Wie steht das Fintech bislang da? Eine Analyse mit exklusiven Zahlen.

Im Windschatten des Erfolgs von N26 sind in den vergangenen Jahren einige Fintechs entstanden, die das Konzept in bestimmte Nischen bringen wollen: Tomorrow konzentriert sich auf nachhaltiges Banking und will vom Trend der Klimabewegung profitieren. Bitwala fischt in der Krypto-Community nach Kunden und hat dafür ebenfalls ein Girokonto mit Debitkarte gelauncht. Mit Insha ist vor einem Jahr ein dritter Nischenplayer gestartet, der junge Muslime in Deutschland von seinem Smartphone-Konto überzeugen will.

„Wir wollen eine starke Nische besetzen“, sagt Yakup Sezer, der Gründer von Insha. Er sieht in ganz Europa ein Potential von 20 Millionen Bankkunden. Doch kann er für diese Zielgruppe ein einträgliches Geschäft aufbauen? Für Finance Forward hat das junge Unternehmen wichtige Geschäftszahlen offengelegt.

Wie funktioniert Insha?

Insha – mit Sitz in Berlin und Istanbul – besitzt viele ähnliche Funktionen wie N26. Das Konto lässt sich schnell per Smartphone eröffnen und wird über dieses gesteuert. Zusätzlich hat Insha spezielle Features für Muslime entwickelt, zum Beispiel einen Moscheefinder und ein Spendentool für das Zakat, eine für Gläubige verpflichtende Abgabe, die Bedürftigen zufließt. Das Fintech verspricht außerdem nicht in Alkohol oder Glücksspiel zu investieren und sich so islamkonform zu verhalten. Vergleichsweise günstige Auslandsüberweisungen gehören ebenfalls zum Angebot.

Wie viele Kunden hat das Fintech?

Im September 2018 ist Insha mit einer ersten Version gestartet. Als Bank im Hintergrund fungiert die Solarisbank, wie bei Bitwala und Tomorrow. Nach etwas mehr als einem Jahr zählt Insha nun etwa 13.200 Kunden. Zu Vergleich: Tomorrow liegt bei etwa 16.000 Kunden (Stand: November 2019), beide Unternehmen sind etwa zeitgleich gestartet. Gerade in der Anfangsphase müssen Startups beweisen, dass sie kontinuierlich schneller wachsen. Bislang hat das bei Insha ganz gut geklappt.

Der nächste große Wachstumsschub soll nun anstehen. Tomorrow hat dafür gerade etwa acht Millionen Euro von Wagniskapitalgebern eingesammelt. Und auch Insha befindet sich im Fundraising, wie Gründer Sezer im Gespräch erklärt. Die türkische Bank Albaraka Türk hat Insha ausgegründet. Zehn Millionen Euro will das Startup einsammeln, davon kommen sechs von der Muttergesellschaft, für die restlichen vier sucht Sezer gerade strategische Partner.

Was kostet ein Kunde?

Bei den Customer Acquisition Costs (CAC) handelt es sich um eine wichtige Kennziffer für Fintechs. Die Zahl gibt Auskunft darüber, wie viel ein Unternehmen in das Marketing stecken muss, um einen Kunden zu gewinnen. Insha kommt dabei nach eigenen Angaben auf 50 bis 70 Euro. Die Kosten fallen zum Beispiel für Prämien an, die Kunden für Weiterempfehlungen bekommen, oder für Finanzmakler, die das Produkt mitverkaufen, heißt es vom Unternehmen. Für die ersten Kundenzahlen sind dabei also etwa 630.000 Euro angefallen.

Bei N26 soll dieser Wert bei 30 bis 40 Euro liegen, also sogar noch etwas niedriger. Im Vergleich zu etablierten Banken ist der Insha-Wert allerdings gut. Die Institute müssen oft mehr als 100 Euro Wechselprämie und das dazugehörige Marketing pro Kunde bezahlen.

Wie plant das Startup seine Expansion?

Die große Frage bei Insha ist, wie groß die Zielgruppe für das Produkt wirklich ist. Selbst in islamischen Ländern sei islamkonformes Banking ein Nischenprodukt, der konventionelle Bankenmarkt dominiere, wendet der Deloitte-Experte Osman Sacarcelik in der Berliner Zeitung ein. Genau wie N26 muss es auch Insha schaffen, eine Marke mit Anziehungskraft für seine Zielgruppe aufzubauen.

Wachsen will das Unternehmen vor allem durch eine schnelle Expansion in andere europäische Länder. In diesem Jahr soll es zum Beispiel nach Frankreich, in die Benelux-Länder und nach Österreich gehen. Laut Insha-Chef Sezer sucht das Startup gerade nach Partnern, die dort vor Ort bei der Skalierung helfen können. Danach steht Spanien, Italien, Schweden und Großbritannien auf dem Plan. Bis 2023 will Insha auf eine Million Kunden kommen. Insgesamt 40 Millionen Euro sollen für die Skalierung nach und nach in die Firma fließen, sagt Sezer.

Kann ein solcher Nischenplayer funktionieren?

Für Insha stellen sich in den kommenden Jahren zwei Fragen: Schafft es das Unternehmen die verstreute Zielgruppe – Muslime in Europa – ohne zu große Marketingausgaben zu erreichen? Und kann es damit Geld verdienen? Schon bald soll eine Premiumversion Einnahmen bringen, kündigt Insha an. Was dort enthalten ist, ist noch nicht entschieden. Die Einnahmen pro Kunde sollen aber mit der Zeit steigen – von etwa 20 Euro pro Kunde in diesem Jahr auf 40 Euro zwei Jahre später. Der Plan mit steigenden Kundenzahlen und steigenden Erträgen pro Kunde  ist insgesamt sicherlich schwierig umzusetzen. Bis 2023 muss Insha seinem Mutterunternehmen nun beweisen, dass sich die Europaexpansion lohnt.

Mitarbeit: John Stanley Hunter

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