Die drei Tomorrow-Gründer Michael Schweikart, Inas Nureldin und Jakob Berndt (von links). Bild: Unternehmen

Wie grün ist das nachhaltige Banking-Startup Tomorrow?

Das Hamburger Startup Tomorrow will sich mit einem nachhaltigen Smartphone-Konto etablieren. Doch bislang ist nur wenig Geld in grüne Projekte geflossen – das soll sich nun ändern.

Der Tweet war eine Anklage. „Hey Tomorrow, Ihr wolltet unsere Gelder doch in grüne und nachhaltige Themen investieren?!“ Das schrieb Fintech-Blogger und Haspa-Manager Tobias Baumgarten vor wenigen Tagen auf dem Kurznachrichtendienst. Angetreten war das Hamburger Banking-Startup tatsächlich mit großspurigen Plänen: Es stellte sich dar als Mischung aus dem Öko-Finanzinstitut GLS und der Challengerbank N26. Mit einer Smartphone-App, die einfach zu bedienen ist, und dem Versprechen von nachhaltig-grünen Geldanlagen holte das Startup vor einem Jahr die ersten Kunden an Bord, seit März ist das Angebot für alle Nutzer offen.

Ende Oktober versuchte Tomorrow noch, mit der Werbeaktion #BankraubForGood auf sich aufmerksam zu machen: „Wir räumen unsere Konten leer und schaffen das Geld auf nachhaltige Konten, bei denen keine dreckigen Geschäfte mitfinanziert werden“, hieß es plakativ auf einer eigenen Website. Das einzige Problem, das auch Tomorrow-Kunden Baumgarten ärgerte: Gerade einmal 150.000 Euro der Kundeneinlagen waren zu dem Zeitpunkt in „nachhaltige“ Investments geflossen. Bei etwa 16 Millionen Euro an Kundengeldern waren das nur etwa ein Prozent. „Da dürfte selbst die Deutsche Bank besser dastehen“, kritisierte Baumgarten.

Fünf Millionen fließen in einen Green Bond

Das will Tomorrow nun ändern, wie das Startup auf Nachfrage von Finance Forward erklärt. Drei Millionen Euro hat das Unternehmen über seine Partnerbank Solaris in einen Green Bond der NRW Bank gesteckt, weitere zwei Millionen sollen in den kommenden Tagen investiert werden, so Gründer und Geschäftsführer Michael Schweikart. Es ist die achte grüne Anleihe der NRW Bank, die sie gerade mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro aufgelegt hat.

Die Förderbank finanziert damit etwa energieeffiziente Gebäude und Erneuerbare-Energien-Projekte wie Pumpspeicherwerke. Eine Wirkungsanalyse des Wuppertal Instituts errechnete: Jede investierte Million aus der Anleihe spare pro Jahr etwa 614 Tonnen CO2. Mit dem Tomorrow-Beitrag kommt man dementsprechend auf etwa 3.000 Tonnen weniger Treibhausgase, was dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 350 Deutschen entspricht.

Weitere grüne Investments sollen folgen, bis zu 80 Prozent der Kundeneinlagen plant das Banking-Startup insgesamt nachhaltig anzulegen. Nach dem Kauf des Green Bond kommt es jetzt auf etwa ein Drittel der Gelder. „Es dauert nicht jedes Mal so lange“, verspricht Schweikart. Seit dem Start habe sein Unternehmen erst den Auswahlprozess entwickeln müssen: Jedes Investment stehe demnach im Einklang mit den 17 Sustainable-Development-Goals der Vereinten Nationen. Bei Investments in börsennotierte Unternehmen würde in Zukunft eine externe Agentur die Firmenwerte noch einmal prüfen. Schließlich segne ein „unabhängiges Gremium“ die Investments noch ab, so der Gründer. In dem Rat sitzen etwa der ehemalige GLS-Vorstand Andreas Neukirch und die Betterplace-Gründerin Joana Breidenbach.

Ehemaliger Technikchef von N26 investiert

16.000 Bankkunden hat Tomorrow mit diesem Konzept bislang überzeugt – Investoren finanzieren nun das weitere Wachstum und die europäische Expansion mit 8,5 Millionen Euro, wie das Handelsblatt zuerst berichtete. Aus dem Handelsregister ergibt sich damit eine Bewertung von etwa 30 Millionen Euro.

Der Londoner Environmental Technologies Fund (ETF), der auch beim Umzugsstartup Movinga beteiligt ist, und der Energieunternehmer Matthias Willenbacher beteiligen sich an der Finanzierungsrunde. Ebenfalls neu dabei ist der ehemalige Technikchef der Smartphone-Bank N26, Christian Rebernik. Er hat die Skalierungsphase eines Banking-Startups schon einmal mitgemacht und kann für das Hamburger Unternehmen in der Aufbauphase hilfreich sein.

Gerade zum Start ist es für eine Banking-App wie Tomorrow schwierig, Kunden zu gewinnen: Sie steht im Wettbewerb mit Startups wie N26 und Revolut; aber auch die Öko-Banken wie die GLS haben ihr digitales Angebot verbessert. Tomorrow muss es schaffen, die Marketingkosten pro Kunden möglichst gering zu halten. Das geht vor allem durch persönliche Weiterempfehlungen. Dabei will das Unternehmen mit weiteren Bankfeatures punkten: In den kommenden Monaten sollen auch seine Bankkunden direkt in nachhaltige Finanzprodukte investieren können – dann ohne lange Wartezeiten.

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