Holvi war erst im Januar in Großbritannien gestartet (Bild: Fred Moon/Unsplash)

Holvi verlässt den britischen Markt nach nur einem halben Jahr wieder

Exklusiv: Erst im Januar war Holvi in Großbritannien gestartet – jetzt zieht sich das finnische Geschäftsbanking-Startup schon wieder zurück. Als Grund nennt es veränderte Marktbedingungen durch die Coronakrise.

Großbritannien, freute sich Holvi-Chef Antti-Jussi Suominen im Januar, sei der größte Markt für kleine und mittlere Unternehmen in Europa: fast sechs Millionen Kleinunternehmen, drei Viertel davon ohne Angestellte. Für das finnische Fintech, das sich auf KMU und Freelancer ausrichtet, war der britische Launch Anfang 2020 also besonders spannend. „Wenn man in diesem Bereich in Europa groß werden will, muss man irgendwann in Großbritannien starten“, so Suominen.

Jetzt, wenig mehr als ein halbes Jahr später, zieht sich Holvi bereits wieder zurück. Zum 31. Oktober werden alle bestehenden Konten dort auslaufen. „Großbritannien ist ein herausfordernder Markt – und wir waren bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen“, erklärt Suominen den Schritt. „Allerdings hat sich die Geschwindigkeit, mit der die Marktbedingungen umgeschrieben werden, verändert. Wir reagieren auf die neuen Gegebenheiten, indem wir unser Kerngeschäft in Europa stärken, in unser Produkt investieren und den britischen Markt verlassen.“

Besonders erfolgreich war die Expansion nach Großbritannien offenbar nicht: Wie ein Sprecher erklärt, sei die Zahl der Kunden überschaubar, so dass auch nicht übermäßig viele Konten gekündigt werden müssten. Auch Mitarbeiter muss das Unternehmen nicht entlassen – es waren noch keine vor Ort. Holvi habe das komplette UK-Geschäft aus Berlin und Helsinki heraus gesteuert, so der Sprecher.

Im Februar verzeichnete Holvi, das seit 2016 zur spanischen Großbank BBVA gehört, weltweit etwa 200.000 Kunden, allein 45 Prozent davon aus Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Markt des Fintechs.

Expansion nach Großbritannien ist ein teures Vorhaben

KMU-Banking sei sehr komplex und kostenaufwändig, kommentiert Fintech-Investorin Olga Shikhantsova von Target Global im Gespräch mit Finance Forward. „Besonders im wettbewerbsstarken Markt Großbritannien brauchen die Player ein erhebliches Funding, um mithalten zu können“. Der KYC-Prozess und die Kundenakquise seien deutlich teurer als im Privatkundengeschäft. Unternehmen mit vergleichsweise geringerem Funding würden das sehr schnell zu spüren bekommen. „Auch wenn sie nicht global unterfinanziert sind, ergibt es derzeit Sinn, sich auf Regionen zu konzentrieren, in denen man keine Verluste fährt“, so Shikhantsova.

Holvi-Konkurrent Penta ist kürzlich einen ähnlichen Schritt gegangen und hat sich ebenfalls ein halbes Jahr nach dem Launch in Italien wieder aus dem Markt zurückgezogen. „Die Expansion hat deutlich mehr Komplexität mit sich gebracht hat, als wir erwartet hatten“, zitierte damals Finanz-Szene Penta-Chef Marko Wenthin. „Wir haben darum die Entscheidung getroffen, uns erst einmal wieder komplett auf den deutschen Markt zu konzentrieren.“ Das B2C-Fintech N26 hatte bereits vor der Coronakrise im Februar entschieden, sich aus dem hart umkämpften britischen Markt zurückzuziehen.

Holvis Rückzug kommt insofern nicht überraschend, als dass beim Mutterkonzern BBVA im Kontext der Coronakrise ein harter Sparkurs gefahren werden muss. Die spanische Großbank verzeichnete im ersten Quartal einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro – verglichen mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Die Dividende wurde gestrichen und der Aktienkurs stürzte um mehr als 50 Prozent ab.

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