Holvi kommt aus der finnischen Hauptstadt Helsinki. (Bild: Tapio Haaja/Unsplash)

Holvi meldet 200.000 Kunden – fast die Hälfte davon aus Deutschland

Exklusiv: Fast die Hälfte der Kunden des finnischen B2B-Fintechs Holvi kommen jetzt aus Deutschland. Wie steht das Startup im Vergleich mit seinen Konkurrenten da?

Der für Holvi wichtigste Markt wird immer wichtiger. Etwa 45 Prozent der insgesamt 200.000 Kunden des finnischen B2B-Fintechs kommen inzwischen aus Deutschland. Das zeigen neue Unternehmenszahlen, die Finance Forward vorliegen. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 40 Prozent der damals 150.000 Kunden. In absoluten Zahlen liegt Holvi, das sich vor allem auf Solo-Selbständige fokussiert, nun bei 90.000 deutschen Kunden.

Ein Blick in den Markt hilft bei der Einordnung dieser Zahlen. Penta aus dem Berliner Company Builder Finleap richtet sich an kleinere Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern und liegt bei gerade einmal 15.000 Kunden. Für 2020 seien aber 50.000 anvisiert, sagte CEO Marko Wenthin dem Handelsblatt. Auch Penta bietet wie Holvi kleinere Zusatzleistungen an, etwa Buchhaltung oder Rechtsberatung.

Wie viel sind 90.000 deutsche Kunden?

Das französische Startup Qonto versucht sich seit kurzem ebenfalls auf dem deutschen Markt und zielt auf Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. In Frankreich, Italien und Spanien zählt Qonto bereits 65.000 Kunden, in Deutschland sollen bereits im ersten Jahr 20.000 hinzukommen.

Kontist, ebenfalls aus Berlin, richtet sich genau wie Holvi eher an Solo-Selbständige. Kontist veröffentlicht keine Zahlen. Nur so viel: Es wäre „ganz nett“, einmal bei 200.000 Kunden zu landen, so CEO Sibylle Strack kürzlich im FinanceFWD-Podcast. Das seien etwa zehn Prozent des Marktes und würde für ein nachhaltiges Geschäftsmodell reichen. Bei den App-Downloads aus Deutschland lag Kontist Ende Dezember 2019 nach Angaben von Priori Data bei 113.100. Zum Vergleich: Holvi hatte bis dahin 46.900 erreicht.

Die Deutsche Bank ist im Herbst 2019 mit Fyrst an den Start gegangen und hat nach eigenen Angaben „mehrere Tausend Kunden“. Challengerbanken wie N26 und Revolut bieten ebenfalls Geschäftskonten an, konzentrieren sich aber eher auf das Privatkundengeschäft.

Nur 9 statt 100 Millionen Dollar für Holvi

Seit 2016 ist Holvi Teil der spanischen Großbank BBVA. Bei der Übernahme hatte der damalige Holvi-CEO Johan Lorenzen aufgeführt, dass die Konzernmutter Holvi „den nötigen Platz zum Wachsen“ geben werde. Einen weiteren Wachstumsschritt geht Holvi in diesen Tagen mit der Expansion nach Großbritannien – ein Markt mit großem KMU-Segment und das neunte Land im Portfolio.

BBVA hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Investitionen im Fintech-Bereich getätigt, teilweise für viel Geld. 2014 kaufte das Unternehmen die US-Banking-App Simple für 117 Millionen Dollar. Ende 2015 folgte eine Investition von 68 Millionen Dollar in das britische Fintech Atom – für 29,5 Prozent. Der Übernahmepreis für Holvi wurde 2016 nicht veröffentlicht – TechCrunch mutmaßte aber, es müssten knapp 100 Millionen US-Dollar gewesen sein, da BBVA zuvor vergleichbare Beträge für ähnliche Startups ausgegeben hatte.

Doch ein Blick in den im Februar 2017 veröffentlichten Jahresabschluss zeigt, dass Holvi den Spaniern offenbar deutlich weniger wert war: Demnach ging das finnische Startup für lediglich neun Millionen Dollar an BBVA. Auf Anfrage wollten weder Holvi noch BBVA etwas dazu oder zur aktuellen Bewertung des Fintechs sagen.

Mitarbeit: Caspar Tobias Schlenk

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