Das französische Fintech Qonto zählt 65.000 Geschäftskunden. (Bild: PR)

Tencent investiert in Qonto – und Konkurrent Penta sucht nach 20 Millionen

Das französische Banking-Startup Qonto drängt auf den deutschen Markt – eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro soll zu großen Teilen in die Expansion fließen. Die Konkurrenz wappnet sich: Penta aus Berlin ist nach Informationen von Finance Forward auf Investorensuche.

Als Philipp Pohlmann seinen neuen Job antrat, machten ihm seine Chefs früh klar, was von ihm erwartet wurde: Im Heimatmarkt Frankreich, erklärten die Gründer Alexandre Prot und Steve Anavi, habe es ihr Banking-Startup Qonto geschafft, 20.000 Kunden zu überzeugen – allein im ersten Jahr. Das solle Pohlmann nun in Deutschland wiederholen. „Das ist ein ambitioniertes Ziel“, sagt der Deutschlandchef selbst über seine Zielvorgabe.

Anfang Januar ist Qonto offiziell in Deutschland gestartet. Das Banking-Startup richtet sich mit seinem Konto an Geschäftskunden und Selbstständige. Gesteuert wird es vor allem über das Smartphone. Um die fürs erste Jahr anvisierten 20.000 Unternehmen als Kunden zu gewinnen, hat Qonto nun noch einmal viel Geld von Investoren eingesammelt. Insgesamt 104 Millionen Euro fließen in das Unternehmen, ein „signifikanter Anteil“ davon in die Expansion nach Deutschland.

Gleich mehrere prominente Geldgeber setzen auf Qonto. Tencent führt dabei die Finanzierungrunde an. Der chinesische Tech-Konzern bringt große Fintech-Expertise mit, Millionen Menschen verwenden etwa die Bezahlfunktion des Messengers Wechat. Zudem ist Tencent bei Webank beteiligt, eine chinesische Direktbank, die sich ebenfalls an kleine und mittelständische Unternehmen richtet und die von Geldgebern mit etwa 20 Milliarden Dollar bewertet wird. In Europa stößt Tencent zunehmend in verschiedene Wirtschaftsbereiche vor. Für das Jahr 2020 hat das Unternehmen Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro angekündigt.

Seit mehreren Jahren ist Tencent bereits an der Smartphone-Bank N26 beteiligt. Bei Qonto wettet der Investor nun darauf, dass ein schnelles Wachstum nach dem Vorbild von N26 zu wiederholen ist – und dass sich Geschäftskunden von den vielen etablierten Banken abwerben lassen. In Deutschland sind das vor allem die Sparkassen und Volksbanken, die kleine und mittelständische Unternehmen bedienen. Weitere N26-Investoren sind ebenfalls bei Qonto an Bord: Peter Thiel mit seinem Fonds Valar und der verschwiegene Geldgeber Hedosophia, wie Finance Forward kürzlich aufdeckte.

„Dass wir neues Kapital brauchen, ist klar“

In Frankreich, Italien und Spanien zählt Qonto, das seine Zentrale in Paris hat, bereits 65.000 Kunden. Qontos Konkurrenten beobachten genau, was die Firma in Deutschland vorhat. Einer davon ist das Fintech Penta, das vom Company Builder Finleap und von Holtzbrinck Ventures finanziert ist. Seit einigen Wochen befindet sich das Startup ebenfalls auf Investorensuche. Nach Informationen von Finance Forward peilt das Unternehmen eine Finanzierung in Höhe von 20 bis 30 Millionen Euro an. Damit will Penta ebenfalls das Wachstum beschleunigen. „Dass wir neues Kapital brauchen, ist klar, wir sind da im Prozess“, sagt Penta-CEO Marko Wenthin im Gespräch.

Penta verfügt derzeit über insgesamt 15.000 Kunden. Jeden Monat kämen 1.500 bis 2.000 Kunden hinzu, heißt es vom Unternehmen. Finleap hatte das 2016 gegründete Fintech im vergangenen Jahr gekauft und zusammen mit Holtzbrinck mit neuen Millionen ausgestattet. Erst nach der Übernahme begann sich das Wachstum zu beschleunigen. Im November 2019 lag Penta noch bei 11.000 Kunden.

Das Fintech setzt für sein Wachstum auf weitere Produkte, auch abseits des Bankings. Zukünftigen Gründern bietet es mit dem „Kompass“ etwa Informationen, Beispielverträge und Rechtsberatung an. Das geschieht durch eine Kooperation mit Jurpartner, einem Spin-off der Roland-Versicherung. Für 239 Euro können Unternehmer sich von einem Juristen dreimal beraten lassen, etwa zur richtigen Rechtsform für ihr Startup und erhalten über Penta Vorlagen für Arbeitsverträge oder AGBs für die Website. „Wir wollen mit dem Angebot die Gründer noch früher erreichen, ihnen die Gründung so leicht wie möglich machen und früher mit den Kunden Geld verdienen“, sagt Wenthin.

Marketingkosten pro Kunden unter 100 Euro

Neben Penta und Qonto werben weitere Fintechs um Geschäftskunden – die Deutsche Bank mit Fyrst, außerdem Holvi und Kontist. Eine ihrer größten Herausforderungen ist es, die Marketingkosten pro Kunden möglichst niedrig zu halten. Bei Qonto lägen die Marketingkosten zurzeit bei „unter 100 Euro“ pro Kunde, sagt Deutschlandchef Pohlmann, dies ändere sich aber bei einem stärkeren Wachstum. Bei Penta seien es laut CEO Wenthin ebenfalls „unter 100 Euro“. Mit Premiumangeboten versuchen die Fintechs, diese Ausgaben wieder hereinzuholen. Erst dann verdienen sie an einem Kunden.

Beide Fintechs stehen nun unter großem Wachstumsdruck. Zwar betonen beide Seiten, man nehme sich eher als „Peers“ wahr, die gemeinsam gegen die etablierten Banken antreten. Doch spätestens, wenn es um wechselbereite Kunden aus der Digitalwelt geht, dürfte ein knallharter Konkurrenzkampf beginnen.

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