Die Hawk-AI-Geschäftsführer Wolfgang Berner und Tobias Schweiger (rechts). Bild: PR

Münchner Fintech Hawk AI sammelt 10 Millionen Dollar ein

Exklusiv: Hawk AI analysiert mit seiner Software Transaktionsdaten von Banken, um Geldwäsche-Fälle besser bekämpfen zu können. Die Geldgeber Blackfin Capital und Picus investieren nun in der Series A.

Es sind Fintechs wie Trade Republic und Scalable Capital, die mit ihren Monster-Fundings aktuell die Schlagzeilen beherrschen. Jenseits des Hypes um die großen Endkunden-Fintechs stehen aber auch die B2B-Spezialisten bei vielen Investoren wieder hoch im Kurs. Ein Beispiel war der 120-Millionen-Euro-Exit für Fintecsystems. Ein anderes die 22 Millionen Euro für Finleap Connect. Und nun: Lässt ein Player aufhorchen, den bislang nur die Kenner auf dem Zettel hatten.

Nämlich: Hawk AI, ein „AML-Fintech“ (das Kürzel steht für „Anti Money Laundering“), gegründet 2018, ansässig in München. 10 Millionen Dollar, also umgerechnet etwa 8,5 Millionen Euro, erhalten die Firma in ihrer „Series A“, wie „Finanz-Szene.de“ und Finance Forward exklusiv erfahren haben. Angeführt wird die Runde von Blackfin Capital, ein weiterer namhafter VC, nämlich das Alexander-Samwer-Vehikel Picus Capital, stockt seine Anteile auf.

Gründer-Erfahrung kann sich auszahlen

Die Bewertung soll bei gut 30 Millionen Euro liegen. Nicht atemberaubend, aber sehr passabel. Und ein Beleg, dass sich Erfahrung gerade bei B2B-Fintechs auszahlen kann: Die Gründer Tobias Schweiger und Wolfgang Berner enstammen der einst für 200 Millionen Dollar an ACI Worldwide verkauften Münchner Pay.On AG.

Hawk AI hat eine Software entwickelt, mit der sich – so jedenfalls lautet das Leistungsversprechen – Geldwäsche effizienter und kostengünstiger bekämpfen lässt als mit herkömmlichen Lösungen. Dabei geht es zum einen natürlich um die Identifizierung verdächtiger Transaktionen – also darum, Fälle von Geldwäsche tatsächlich aufzudecken.

Fast noch wichtiger ist unter Effizienzaspekten allerdings die Reduzierung sogenannter „False Positives“, also falscher Warnmeldungen. „Die ‚False Positives‘ sind ein branchenweites Problem, das etliche Banken sehr viel Geld kostet“, sagt Gründer Schweiger. „Mithilfe künstlicher Intelligenz schafft es unsere Software, solche falsch-positiven Alarmmeldungen drastisch zu reduzieren.“

Das übliche Problem mit solchen Versprechen, zumal bei Fintechs, die sich auf „Artificial Intelligence“ und sonstige neue Technologien berufen: Sind die neuen Lösungen wirklich besser als die alten? Und wenn ja, trauen sich die potenziellen Kunden (also die Banken) wirklich umzusteigen?

Seit einiger Zeit „ist die Traktion da“

Hinzukommt – jedenfalls gilt das für Fintechs, die in sensiblen Bereichen wie der Geldwäsche-Bekämpfung aktiv sind: Spielen die Regulierer mit? Auch bei Hawk AI hat es dementsprechend mit dem Durchbruch ein bisschen gedauert. Anfang 2020 standen die Münchner bei fünf Kunden und zwölf Mitarbeitern, die monatlichen Umsätze bewegten sich im fünfstelligen Bereich. Seit ein paar Quartalen allerdings – „ist die Traktion da“, wie Schweiger sagt.

Konkret: Die Zahl der Mitarbeiter liegt mittlerweile bei 30, Ende nächsten Jahres sollen es doppelt so viele sein. Was die Umsatz angeht, kommuniziert Schweiger zwar nur relative und schwerig zu fassende Zahlen („Wir setzen zurzeit vier- bis fünfmal soviel um wie vor einem Jahr), allerdings darf man davon ausgehen, dass Hawk AI in diesem Jahr in jedem Fall auf siebenstellige Erträge kommt. Die Kundenzahl? Liegt nach Unternehmensangaben inzwischen bei rund einem Dutzend, davon knapp die Hälfte aus dem deutschsprachigen Raum.

Alle Namen dürfe er nicht nennen, sagt Schweiger, aber der prominente Berliner Zahlungsdienstleister Ratepay gehört ebenso zu den Kunden wie die estnische Modularbank (die so ähnlich funktioniert wie die Solarisbank) und ein US-amerikanisches Institut namens North American Bancard. In der Branche heißt es, auch eines der beiden großen deutschen B2B-Fintechs (also Mambu bzw. Solaris) gehöre zu den Kunden. Darauf angesprochen, lacht Schweiger, äußern aber will er sich nicht. Was allerdings klar ist: Um die AML-Software zu verkaufen, stehen Hawk AI letztlich zwei Vertriebswege offen: Man adressiert die Banken direkt. Oder geht den Umweg über Kern-IT-Anbieter wie Mambu.

Singapur und der Nahe Osten werden in den Fokus genommen

Das Funding wollen die Münchner relativ „klassisch“ verwenden, wie Schweiger sagt. Sprich: Es geht jetzt um die Weiterentwicklung des Produkts, die Intensivierung des Vertriebs und die internationale Expansion. Abgesehen von Deutschland kommen die Kunden bislang beispielsweise aus Österreich, Luxemburg und den USA. Als nächstes wolle man Singapur und den Nahen Osten in den Fokus nehmen, sagt Schweiger. Das klingt nicht gerade nach den klassischen Zielmärkten deutscher Fintechs, hat aber Gründe, so Schweiger: Bei der weiteren Internationalisierung schaue man sich Märkte an, die es regulatorisch erlauben würden „AML-Prozesse in die Cloud auszulagern und KI-basierte Verfahren einzusetzen. Singapur ist da zum Beispiel besonders interessant.“

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