Julian Teicke hat Wefox 2015 gegründet (Bild: PR)

Wefox sammelt weitere 110 Millionen Dollar ein – und steigt zum Unicorn auf

Das Berliner Versicherungs-Startup Wefox erweitert seine 125-Millionen-Dollar-Finanzierung aus dem Frühjahr noch einmal massiv. Nach Informationen von Finance Forward bewerten die Geldgeber das Unternehmen jetzt mit mehr als einer Milliarde.

Für das große Funding Anfang des Jahres sprach Wefox-Gründer Julian Teicke ein Jahr lang mit Investoren. Sie galt mit 125 Millionen Dollar schon damals als größte Finanzierungsrunde eines deutschen Insurtech-Startups. Neun Monate später erweitert das Unternehmen seine Series B noch einmal um weitere 110 Millionen Dollar, wie Wefox mitteilt.

In diesem Jahr ist bereits viel Geld in Insurtech-Startups geflossen. Friday, der Berliner Anbieter für Kfz-Versicherungen, bekam 114 Millionen Euro, das Münchner Krankenversicherungs-Startup Ottonova sammelte noch einmal 60 Millionen Euro ein. Zum Vergleich: Laut einer Analyse von Finanzchef24 erhielten im Jahr 2018 sämtliche deutschen Insurtech-Unternehmen nur etwa 155 Millionen Euro.

Die neue Wefox-Finanzierung markiert nun eine Zeitwende für deutsche Versicherungs-Startups. Denn nach Informationen von Finance Forward bewerten die Geldgeber das Startup mit mehr als einer Milliarde Dollar. Wefox würde damit zum ersten deutschen Insurtech-Unicorn aufsteigen. Als solche „Einhörner“ bezeichnet man nicht börsennotierte Startups, die von ihren Investoren mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet werden.

Wefox-Tochter One zählt 180.000 Versicherte

Das Geschäftsmodell von Wefox besteht darin, dass Versicherungsmakler ihre Kunden über die Plattform des Unternehmens organisieren können. Die Policen sind für die Kunden dann in der Wefox-App aufgelistet, sie können dort zum Beispiel einen Schaden melden oder sich zu neuen Versicherungen beraten lassen. Makler und Startup teilen sich dabei die Provisionen, nach eigenen Angaben erhält Wefox etwa ein Drittel, der Rest geht an die Makler.

Zusätzlich hat Wefox mit One eine eigene Versicherung gestartet, die zum Beispiel Haftpflicht- und Hausratversicherungen anbietet. Auch bei One kommuniziert der Kunde mit seiner Versicherung über digitale Kanäle. Anderthalb Jahre nach dem Start im Frühjahr 2017 komme das Unternehmen nun auf 180.000 Kunden, heißt es in der Mitteilung. Das Unternehmen konkurriert dabei mit anderen gutfinanzierten Startups wie Lemonade, Getsafe, Adam Riese oder Friday.

Samsung gehört zu den neuen Geldgebern

Über beide Geschäftsbereiche hinweg beschäftigt Wefox 400 Mitarbeiter. Nun will das Startup von Gründer Julian Teicke das Geschäft stark ausbauen – auch im europäischen Ausland, wo es bereits etwa in Österreich und der Schweiz aktiv ist. Um schneller zu wachsen, plant das Unternehmen auch sogenannte Maklerpools zuzukaufen. Es handelt sich dabei um Zusammenschlüsse von Maklern. In Österreich verkündete Wefox gestern den Kauf von „Die Maklergruppe“, einer Vereinigung selbstständiger Versicherungsmakler.

In den weiteren Geschäftsausbau fließt auch das Geld aus der Finanzierungsrunde. Zu den neuen Investoren zählt Omers Ventures, dahinter steht der kanadische Pensionsfonds. Außerdem beteiligt sich der Elektronikkonzern Samsung mit seinem Catalyst Fund. Altinvestor Mubadala, der Staatsfonds von Abu Dhabi, der auch zu den wichtigen Geldgeber von Softbanks Vision Fund gehört, steckt ebenfalls im zweiten Teil der Finanzierungsrunde weiteres Geld in Wefox. Mubadala führte die Finanzierung Anfang des Jahres an.

Seit dem ersten Teil der Finanzierungsrunde ist die Wefox-Bewertung nach Informationen von Finance Forward noch einmal deutlich gestiegen. Sie liegt nun bei 1,5 Milliarden Euro, wie es aus Investorenkreisen heißt. Das Unternehmen will diese Summe nicht kommentieren. „Bewertungen sind nicht wirklich aussagekräftig, was der geplatzte Börsengang von Wework ja bewiesen hat“, schreibt Wefox-Gründer Teicke auf Nachfrage.

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