Das Team von Myos. (Bild: PR)

Finanzierungen für Online-Händler: Berliner Startup Myos erhält 25 Millionen Euro

Exklusiv: Das Fintech Myos richtet sich Online-Händler, die zum Beispiel ihre Waren auf Amazon oder Ebay verkaufen. Bislang hat die Firma rund 30 Millionen Euro an Krediten vergeben – und will den Betrag deutlich steigern. Was hat das Team vor?

Der Kreditmarkt steht weiter vor einem Umbruch. Neue Fintechs gehen an den Start, zum Beispiel Re:cap, Rails und Bridg, die sich an Software-Anbieter richten und laufende Erträge vorfinanzieren. Banxware von Miriam Wohlfarth will sich in Plattformen integrieren und dort die Händler als Kreditnehmer finden.

Ein Player, der schon vor dieser Trendwelle gestartet ist, heißt Myos und hat sich auf Online-Händler spezialisiert, die zum Beispiel auf Amazon, Ebay oder Shopify ihre Waren verkaufen. Das Prinzip: Sie können ihre Produkte vorfinanzieren und hinterlegen diese als Sicherheit. Das Berliner Fintech analysiert die Verkaufshistorie, bei einem Ausfall kann es die Waren selbst verkaufen – ein intelligenter Weg, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Für die nächste Wachstumsphase haben nun Geldgeber 25 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt.

Expansion geplant

Es handelt sich dabei um Fremdkapital und ein Investment in die Firma, wie viel genau in das Fintech fließt, teilt das Startup nicht mit. Neu eingestiegen sind die Investoren Xploration Capital und Fasanara Capital. Außerdem beteiligt sich der VC Tomahawk, hinter dem der Szenekopf Cédric Waldburger steht (Finance Forward berichtete zum Start des Fonds). „Wir wollen mit dem Geld weiter skalieren – und die unzähligen kleinen Händler erreichen“, sagt Nikolaus Hilgenfeldt, der Myos-CEO im Gespräch mit Finance Forward. „Als weiteren Markt schauen wir uns etwa Großbritannien an, dort sind die Menschen offener für Kreditprodukte als in Deutschland, dafür ist der Wettbewerb auch größer.“

Bislang hat die Firma 30 Millionen Euro an Krediten vergeben, mit dem Wert ist die Firma noch am Anfang, in den kommenden beiden Jahren soll sich das Kreditvolumen jedes Jahr verdoppeln, genaue Zahlen nennt das Fintech nicht. „Das Fremdkapital ist für uns nicht der limitierende Faktor, da stehen unsere Geldgeber bereit. Wir müssen eher das Produkt bekannter machen“, sagt Hilgenfeldt. Zu den besten Marketingwegen gehört die direkte Ansprache, denn Myos kann genau einschätzen, welche Produktgruppen für sie interessant sind. Dazu gehören beispielsweise Küchengeräte oder Babyprodukte. Die kleinen Händler würden bei einer Bank üblicherweise keinen Kredit erhalten.

Kooperation mit der Raisin Bank

Für die Kreditvergabe arbeitet Myos mit der Raisin Bank zusammen, das Ausfallrisiko liegt aber bei dem Startup. „Unsere Ausfallquote liegt bei ungefähr 1,8 Prozent und davon haben wir rund die Hälfte bereits durch Produktverkäufe wieder gutgemacht, nach zwölf Monaten liegt der Wert sogar bei 80 Prozent“, sagt der CEO. Durch die Datenanalyse kann Myos den Markt gut einschätzen und verkauft die Produkte dann selbst weiter.

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