Finvia ist in Frankfurt gestartet. Bild: Igor Flek/Unspalsh

Finvia: Was steckt hinter dem jungen Fintech, das 2,5 Milliarden Euro betreut?

Über Jahre haben sie das Family Office der Familie Quandt geleitet, Ende 2019 sind mehrere erfahrene Manager dann ausgestiegen, um das Fintech Finvia aufzubauen. Kurz nach dem Start betreut die Firma bereits ein Milliardenvermögen. Eine neue Partnerschaft soll nun weiteres Wachstum bringen.

Kaum eine Bevölkerungsgruppe ist so verschwiegen wie wohlhabende Familien in Deutschland. Die Mitglieder der Albrechts oder Reimanns meiden die Öffentlichkeit – im Hintergrund betreuen Family Offices ihr Milliardenvermögen.

HQ Trust ist eines der bekannteren, dahinter steht die Familie Harald Quandt. Die Firma bieten ihre Dienste mittlerweile auch für andere Familien an und verwaltet mehrere Milliarden Euro. Mit Liqid hat HQ Trust auch einen der größten digitalen Vermögensverwalter aus Deutschland aufgebaut.

Ende 2019 kam es bei HQ Trust zu einem großen Personalwechsel. Ein Team um die beiden Geschäftsführer Hanna Cimen und Reinhard Panse verließ die Firma, um mit Finvia einen Konkurrenten aufzubauen. Ihr Startup ist schnell gewachsen, es betreut nur Monate nach dem Start ein Vermögen von 2,5 Milliarden Euro von 70 Kunden und beschäftigt etwa 50 Mitarbeiter.

„Wir wollten die Digitalisierung bei HQ Trust vorantreiben“

Christian Neuhaus kommt ebenfalls von HQ Trust, wo er für acht Jahr als Partner tätig war. „Wir wollten die Digitalisierung bei HQ Trust vorantreiben, haben dann aber beschlossen, dass wir dieses Vorhaben nur in unserem eigenen Unternehmen umsetzen können“, sagt der Mitgründer von Finvia, der als Managing Director für die Kunden zuständig ist. Über Namen spricht Neuhaus nicht, doch die Beziehungen zu einigen Familien gab es offenbar bereits vorher. Denn zum Launch Ende Oktober 2020 konnte das Startup bereits ein betreutes Vermögen von zwei Milliarden Euro vorweisen.

Durch seine Plattform will Finvia die Vermögensverwaltung vereinfachen, es legt die Gelder teilweise automatisiert an und bietet ein digitales Cockpit, das alle Vermögenswerte erfasst. So plant es, die Hürde für die Dienstleistungen von einem Family Office zu senken. „Für wohlhabende Menschen mit einem Vermögen ab ein bis zwei Millionen Euro gibt es bislang keine gute Betreuung und Beratung“, sagt Neuhaus. Im Schnitt investiert ein Finvia-Kunde 35 Millionen Euro.

Das hohe Vermögensvolumen lässt sich nur sehr eingeschränkt mit einem Robo-Advisor vergleichen, da sich die Dienstleistung stark unterscheidet. Das Family Office betreut das Vermögen in sehr unterschiedlichen Anlageklassen, zum Beispiel vermittelt es auch Immobilieninvestments oder Private-Equity-Fonds. Je nach Anlagesumme erhalte Finvia 0,5 Prozent oder weniger, zu Details und anvisierten Umsätzen schweigt das Unternehmen. Die Robo-Advisor verdienen meist rund 0,5 Prozent für die verwalteten Gelder.

Aufbau aus eigenen Mitteln

Finvia konnte seit Oktober ein gutes Wachstum vorweisen, eine halbe Milliarde Euro ist noch einmal dazugekommen. Die Aufbauphase hat das Gründungsteam dabei aus der eigenen Tasche bezahlt.

Eine Partnerschaft mit dem Berliner Startup Carl soll nun weitere Kunden bringen. Über die Plattform können zum Beispiel Mittelständler ihr Unternehmen verkaufen, wenn es an einer Nachfolge fehlt. Kommt ein Unternehmer bei einem Verkauf zu Geld, kann er dieses über Finvia verwalten lassen, so Gründer Kurosch Habibi. Im Schnitt werden über Carl Unternehmen im Wert von acht Millionen Euro verkauft. Bei Finvia haben die Kunden wiederum einen Ansprechpartner für den Fall, dass sie ihr Unternehmen verkaufen möchten.

Finvia steht nun wie viele junge Fintech-Startups vor der Schwierigkeit, dass Wachstumstempo aufrecht zu halten. Laut Neuhaus habe das Interesse bislang noch nicht abgenommen.

Finvia-Mitgründer Christian Neuhaus (Bild: PR)
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