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The winner takes it all: Warum der Fintech-Hype abkühlt

Die gesamte Fintech-Branche konnte sich in den vergangenen Jahren vor Wagniskapital kaum retten. Nachdem ein Rekord-Funding das nächste jagte, scheint der Hype abgekühlt. Glaubt das Venture Capital nicht mehr an Fintech? Im Gegenteil. Ein Grund mehr für uns, mit FinanceFWD an den Start zu gehen!

Auch wenn Banken seit jeher – die einen mehr, die anderen zweifelsohne weniger – auf Technologie setzen, so haben sich „Fintech“ und seine relevanten Player erst in den vergangenen Jahren etabliert. Wobei einige Branchenbeobachter nun durchaus zur Frage stellen würden, ob Fintech überhaupt schon etabliert ist im Finanzsektor. Dennoch: Die rekordverdächtigen Fundings der vergangenen Monate, vor allem in 2017, sprechen eine deutliche Sprache: Investoren glauben fest an die Digitalisierung des Finanzsektors auf allen Ebenen. Doch mit Blick auf die vergangenen Monate muss es wohl eher heißen: Sie glaubten. Die Gelder fließen längst nicht mehr so üppig. Kann die Branche ihr irres Wachstumstempo dennoch beibehalten?

Während also die „Old Economy“ mit Kostendruck und dem Abbau von Überkapazitäten zu kämpfen hatte, fanden laut PitchBook seit Anfang 2013 allein in Europa 2.478 VC-Transaktionen mit einem Transaktionswert von mehr als 8 Milliarden statt. Im vergangenen Jahr wurden mit 2,7 Mrd. Euro die meisten Kapital- und Transaktionsvolumen verzeichnet, die auf 612 Transaktionen entfielen. Der Geldtransferdienst TransferWise hatte die größte Transaktion mit einem Gesamtvolumen von 238 Millionen Euro für seine Serie E, die das Unternehmen auf rund 1,6 Milliarden Euro bezifferte. Europa ist die Heimat mehrerer anderer Fintech-Einhörner, darunter die Mobile-Bank Revolut und Klarna. Der Zahlungsdienstleister aus Schweden wird aktuell mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet. Läuft also alles bestens bei den Fintechs, oder?


Deutlich weniger Fundings als im Vorjahr

War Europa in den vergangenen Jahren im Fintech-Fieber, scheint der Hype seit Jahresbeginn abzukühlen. Es scheint sogar unwahrscheinlich, dass 2018 mit Blick auf Fundings nur ansatzweise wird anschließen können. Seit Anfang dieses Jahres wurden nach Angaben von PitchBook (Stand: 13. Juli) 196 Transaktionen über insgesamt 1,14 Milliarden Euro abgeschlossen, was weniger als einem Drittel der Transaktionen im Vorjahr entspricht. Warum nimmt das Interesse ab?

„Wir sehen im gesamten Tech-Segment den Trend zur Konsolidierung.“

Tatsächlich scheint für Fintechs dasselbe zu gelten wie für die Blockchain-Szene (wir berichteten) und die Adtech-Ökonomie: VCs konzentrieren ihre Fundings auf wenige, große Player, resümiert VC-Experte Sven Schmidt im OMR-Podcast mit Philipp Westermeyer, und hat dafür eine einfache Erklärung: „Wir sehen im gesamten Tech-Segment den Trend zur Konsolidierung. Man sucht sich ein Marktsegment, an das man glaubt, und allokiert Hunderte Millionen auf eine Firma. Die hat dann so viel Kapital, dass sich kein VC mehr traut, die Nummer zwei, drei oder vier im Markt zu finanzieren. Diese Firma ist dann wiederum in der Lage, den Markt wegzukonsolidieren.“

Das Ergebnis sind Spartengewinner, auf die sich ein Großteil des Kapitals versammelt. TransferWise sammelte bislang insgesamt 396,4 Millionen Dollar ein. Das erwähnte Revolut schon 336,4 Millionen Dollar. Damit hat sich die Bewertung binnen eines Jahres Unternehmensangaben zufolge auf 1,7 Milliarden Dollar verfünffacht. Das frische Kapital will das Londoner Fintech nutzen, um in den kommenden fünf Jahren auf 100 Millionen Kunden zu kommen. Ein überaus ehrgeiziges Ziel: Aktuell nutzen rund 1,7 Millionen die Banking-App. Das Startup kündigte an, noch 2018 in die USA, Kanada, Singapur, Hongkong und Australien zu expandieren.

Angeführt wurde die neue Finanzierungsrunde von VC DST Global, hinter dem der russische Milliardär Yuri Milner steht. Offenbar vertrauen die Kapitalgeber im Rennen um die mobile Bank der Zukunft Revolut mehr als dem Konkurrenten N26. Das Berliner Startup wurde zuletzt mit 750 Millionen Euro bewertet.

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