Katerstimmung: Vielen Papier-Millionären aus der Start-up-Szene droht ein böses Erwachen. (Bild: Rawpixel / iStockphoto / Getty Images)

Die Reichtumsillusion der Start-up-Mitarbeiter

Über Jahre lockten Start-ups ihr Toppersonal mit Anteilen, deren Wert teils auf Millionensummen anstieg. Das entpuppt sich nun als Schein, das Vermögen verpufft – Milliarden stehen auf dem Spiel. Die Probleme zeigen sich an Beispielen wie Solaris oder Klarna.

Was vom Gefühl, reich zu sein, übrig geblieben ist? Der ehemalige Solaris-Mitarbeiter muss sich nur bei Shareworks einloggen. In dem Banking-Depot sind seine Start-up-Aktien hinterlegt – und deren Wert ließ ihn kürzlich zusammenzucken. Die Summe würde gerade noch für ein Essen reichen. Der Rest: verpufft.

Mehrere Jahre hatte der erfahrene Entwickler in einem Team von mehreren Hundert Leuten das Finanz-Start-up mit aufgebaut, das im Hintergrund als Bankpartner für den Automobilklub ADAC oder die Kryptobörse Bison fungiert. Als Teil seiner Entlohnung aus Gehalt und Bonus hatte er wie viele andere auch Anteile an dem Unternehmen erhalten. Viele hätten wie er „große Hoffnungen“ gehabt, sagt er.

Solaris galt lange als einer der aussichtsreichsten Akteure der deutschen Fintechszene. Geldgeber wie die japanische SoftBank-Ausgründung SBI oder der Kreditkartenanbieter Visa bewerteten die Firma mit 1,6 Milliarden Euro – und mit dem Erfolg stieg auch der Wert der Mitarbeiteraktien bis auf rund 7000 Euro pro Stück, berichten Insider. Bei manchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll der Wert im Depot zeitweise bei sechsstelligen Beträgen oder sogar einer Millionensumme gelegen haben.

Davon ist heute fast nichts mehr übrig. Nach einer existenziellen Krise wurde die Digitalbank Anfang 2025 in einem Notverkauf an den Investor SBI verscherbelt. Für Investoren und Mitarbeiter blieben am Ende nur: 10 Cent pro Aktie. „Hätte ich lieber in einen Shitcoin investiert“, sagt der ehemalige Mitarbeiter, halb im Scherz, halb frustriert.

Das Beispiel sollte eine Warnung für viele Toptalente in europäischen Start-ups sein. Der Traum vom persönlichen Reichtum könnte sich als Illusion entpuppen.

Zweifel am klassischen Vergütungsdeal

Bislang locken Gründer und Investoren die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft mit einem verheißungsvollen Deal: Wer das geringere Gehalt in einem Start-up akzeptiert, erhält dafür Anteile am Unternehmen und kann so später auf einen Schlag reich werden, wenn die Firma für viel Geld verkauft wird oder an die Börse geht. Diese „Packages“, eine Mischung aus Gehalt und Anteilen, brachten viele Topleute in die junge Digitalwirtschaft, die bei etablierten Konzernen oder Beratungsfirmen deutlich mehr hätten verdienen können. Praktisch alle größeren Start-ups haben Beteiligungsprogramme für ihre Topleute aufgelegt und ihnen einen oft erheblichen Teil der Vergütung in Form von Aktien oder Aktienoptionen zugeteilt. Die Details sind zwar so gut wie immer vertraulich. Doch der Gründer Julian Hemmerich (28) vom Finanz-Start-up Preva schätzt, dass bei Late-Stage-Start-ups im Schnitt rund 10 Prozent der Anteile für solche Programme reserviert sind.

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