Etwa zehn Mitarbeiter beschäftigt Deposit Solutions in New York. (Bild: Dan Calderwood/ Unsplash)

Fintech-Unicorn Deposit Solutions startet mit neuer Marke im US-Markt

Exklusiv: Drei der wichtigsten deutschen Fintechs wollen in diesem Jahr auf dem großen US-Markt Fuß fassen. Die Hamburger Zinsplattform Deposit Solutions hatte die Expansion bereits Ende 2018 angekündigt. Nun soll es endlich losgehen, dafür hat das Fintech extra eine neue Marke entwickelt.

Tim Sievers klang euphorisch. „Mit der Expansion in die USA erreichen wir einen weiteren großen Meilenstein“, ließ sich der Gründer der Zinsplattform Deposit Solutions im November 2018 in einer Pressemitteilung zitieren. Der Schritt in die USA sei „ein Beispiel für eine digitale Innovation made in Germany, die von Europa aus in die USA expandiert statt umgekehrt“, teilte das Fintech damals mit. Ein ehemaliger Deutschbanker war für den Marktstart extra an Bord gekommen.

Ein Launchdatum hatte Deposit Solutions damals nicht genannt. Etwas mehr als ein Jahr später ist das US-Geschäft immer noch nicht angelaufen. Der Schritt in den großen und wichtigen Markt scheint langwierig zu sein. Deposit Solutions ist dabei nicht das einzige große deutsche Fintech, das die US-Expansion wagt. Auch die Konkurrenz von Raisin will in diesem Jahr dort starten; die Smartphone-Bank N26 hat ihr US-Produkt vor einigen Monaten gelauncht – mit einem Jahr Verzögerung.

Die Fintechs, die in die USA expandieren, müssen sich auf eine andere Regulatorik einstellen – und meist neue Partnerunternehmen suchen, das kostet Zeit. Sie kündigen ihren Launch gerne früh an, um die Wagniskapitalgeber und Wettbewerber zu beeindrucken. (Grafik: Finance Forward/Infogram)

Die Zeichen, dass es bei Deposit Solutions bald losgehen dürfte, mehren sich nun. Das Unternehmen hat für den US-Launch eine eigene Marke entwickelt und ein Team aufgebaut.

Von einer Verzögerung will CEO Sievers nichts wissen. „Wir liegen mit unserem US-Geschäft voll im Plan“, schreibt er auf Nachfrage. Das New Yorker Team habe die ersten amerikanischen Partnerbanken gewonnen. Die Strategie des Unternehmens sehe vor, im ersten Schritt mit einem eigenen Zinsportal zu starten, über das Kunden ihr Geld bei verschiedenen Banken in Festgeld stecken können.

Der zweite Schritt geht in Richtung B2B

Vorbild ist die eigene Plattform Zinspilot, die das Unternehmen in Europa betreibt. Die Kunden profitieren von den Zinsunterschieden in unterschiedlichen europäischen Ländern. Eine lettische Bank gibt beispielsweise bei Zinspilot aktuell 1,2 Prozent Zinsen pro Jahr. In den USA sei das Modell ein Weg für kleinere Banken, um an Kundeneinlagen zu kommen, heißt es von dem Celent-Analysten Stephen Greer gegenüber American Banker.

Für das US-Endkundengeschäft hat das Hamburger Unternehmen die Marke Savebetter entwickelt, wie aus dem Markenregister hervorgeht. Unter Savebetter.com sollen die verschiedenen Zinsangebote bald verfügbar sein.

In einem zweiten Schritt will Deposit Solutions seine Zinsplattform auch anderen Banken anbieten. Auf dem Heimatmarkt funktioniert das so: Kunden der Deutschen Bank können beispielsweise über die Plattform ihr Geld bei anderen Banken anlegen. Dieses Geschäft ist wichtig für das Fintech, knapp zwei der insgesamt 20 Milliarden Euro an bislang vermittelten Einlagen stammen allein von Kunden der Deutschen Bank (das Finanzinstitut hat Deposit Solutions darüber hinaus mit einem Investment zu einer Milliardenbewertung verholfen). Genau nach diesem Prinzip will auch Deposit Solutions andere amerikanische Geldhäuser finden, die die Zinsprodukte für ihre Endkunden anbieten.

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