Mehr als 250.000 Kunden verwenden die App (Bild: PR).

Die ersten Ertragszahlen des angeblichen Unicorns Clark

Exklusiv: Beachtliche 65 Euro hat das Versicherungs-Startup Clark pro Kunde verdient und kam insgesamt auf Umsätze von 14,6 Millionen Euro. Wie steht das Startup im Vergleich zu anderen Fintechs da?

Das Frankfurter Versicherungs-Fintech Clark, das sich vergangenes Jahr etwas überraschend zum Unicorn erklärt hatte, gibt erstmals überhaupt einen Einblick in seine Ertragszahlen. Wie aus dem dieser Tage veröffentlichen Geschäftsbericht für 2020 hervorgeht, kam das zum Finleap-Universum gehörende Clark Germany GmbH im ersten Corona-Jahr auf Umsatzerlöse in Höhe von 14,6 Millionen Euro.

Dem standen unter anderem Personalaufwendungen von 7,0 Millionen Euro sowie „sonstige betriebliche Aufwendungen“ (vor allem für Marketingmaßnahmen) von 17,1 Millionen Euro gegenüber. Unterm Strich fiel ein Jahresfehlbetrag von 10,2 Millionen an – verkraftbar in Relation zu den üppigen Fundings der Frankfurter.

Das Zahlenwerk unterstreicht den Eindruck, dass die größeren Versicherungs-Fintechs hierzulande bei der Umsatzentwicklung um etwa ein bis zwei Jahre hinter den größeren Banken-Fintechs hinterherhinken.

N26 kommt schon auf mehr als 100 Millionen Umsatz

Zur exemplarischen Einordnung: Bei N26 hatten sich bereits 2018 die Zins- und Provisionserträge auf gut 40 Millionen Euro summiert, 2020 kam die Berliner Neobank dann auf Einnahmen von deutlich mehr als 100 Millionen Euro; auch die Solarisbank (47 Millionen Euro) und Trade Republic (27 Millionen Euro) setzten im ersten Corona-Jahr signifikant mehr um als die Clark Germany GmbH. Freilich: Zumindest N26 und Solarisbank verbrannten dabei auch ungleich mehr Geld.

Angaben zur Kundenzahl enthält der Geschäftsbericht keine. Allerdings hatten Clark-Manager Anfang 2020 in Interviews erstmals von 200.000 Kunden und später im Jahr dann von 250.000 Kunden gesprochen. Das Geschäftsmodell von Clark beruht im Kern auf der (Online-)Vermittlung von Versicherungsverträgen. Legt man für das Gesamtjahr einen Durchschnittswert von grob 225.000 Kunden an und stellte diese Zahl in Relation zu den Provisionsumsätzen von 14,2 Millionen Euro – dann hätte Clark mit einem Durchschnittskunden irgendwas zwischen 60 und 65 Euro verdient. Das erscheint durchaus beachtlich.

Anstieg im Bereich Lebensversicherung

Denn, zur Einordnung: Für eine Rechtsschutz-Police erhält ein Makler in der Regel zwischen 25 und 35 Euro pro Jahr, bei einer Hausrat-Versicherung sind vielleicht 10 Euro drin, bei einer Haftpflicht rund 7 bis 9 Euro. Sollte der Schwerpunkt auf den Sachversicherungen liegen (wovon Branchenexperten ausgehen), dürften viele Kunden also mittlerweile gleich mehrere Policen bei Clark liegen haben. Wie sich die Provisionserlöse auf die einzelnen Segmente verteilen, verrät der Online-Makler nicht. Immerhin: Zum Wachstum der einzelnen Versicherungsarten äußert sich der Abschluss aber doch. Wir zitieren:

„Insgesamt konnte ein Anstieg von 124% im Bereich Lebensversicherung im Vergleich zum Vorjahr erzielt werden, sowie ein Zuwachs von 70% im Segment Krankenversicherung. Die Anzahl der […] verkauften Produkten im Bereich Sach-, Unfall-, Haftpflicht und Kraftfahrzeugversicherung stieg […] um 47%.“

Zwei Fundings in einem Jahr

Die Clark-Holding war per Herbst 2020 mit alles in allem sehr grob 40 Millionen Euro gefundet gewesen (was ebenso sehr grob den aggregierten Jahresfehlbeträgen der operativen Clark Germany GmbH per Ende 2020 entsprach). Gegen Ende 2020/Anfang 2021 hatte das Insurtech dann allerdings eine weitere Finanzierung in Höhe von 69 Millionen Euro publik gemacht. Im November desselben Jahres folgte schließlich ein weiteres Funding in diesmal ungenannter Höhe. Im Zuge dieser Runde erklärte sich Clark dann auch zum Unicorn – wiewohl unklar blieb, wie die Taxierung zustande gekommen ist.

Zu den 2021er-Umsätzen wollte Clark gestern auf Anfrage keine näheren Angaben machen. Das Fintech stellte überdies heraus, dass 2020 auch in der Clark-Holding sowie in der Österreich-Tochter Umsatzerlöse angefallen seien. Eine Quantifizierung lieferte das Fintech nicht. Da Clark in Österreich in jenem Jahr erst auf ein paar tausend Kunden kam und die Holding nach unserem Eindruck tatsächlich nicht viel mehr als eine Holding sein dürfte, gehen wir davon aus, dass die zusätzlichen Umsatzerlöse zu keinem grundsätzlich anderen Bild führen würden als zu dem, dass der Abschluss der Clark Germany GmbH zeichnet.

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