Ben Tellings (links) setzt wie Jeannette zu Fürstenberg und Verena Pausder auf Bling. In der Mitte: Gründer Nils Feigenwinter (Bild: imago/Hoffmann & PR)

Ehemaliger ING-Diba-Chef investiert in Jugend-Fintech Bling

Exklusiv: Der 22-jährige Nils Feigenwinter baut in Berlin die Taschengeld-App Bling auf – und hofft auf einen viralen Effekt. Ein ehemaliger Top-Banker soll nun in der Wachstumsphase helfen. Was hat der junge Gründer vor?

Lange hörte man nichts von Ben Tellings: Der Niederländer war von 2003 bis 2010 Vorstandschef der Direktbank ING-Diba und später dann ihr Aufsichtsratsvorsitzender. 2016 warf er hin. Und jetzt? Mutiert der 66-Jährige zum Fintech-Investor. Ziel seines Engagements als Business Angel ist das Berliner Finanz-Startup Bling.

Hinter dem steckt der 22-jährige Nils Feigenwinter. Der Schweizer entwickelt seit 2021 eine Taschengeld-App mit angeschlossener Debitkarte für Jugendliche und machte im Frühjahr dieses Jahres das erste Mal von sich Reden, als neben dem Venture-Capital-Spezialisten La Famiglia auch die Promi-Investorin Verena Pausder als Kapitalgeberin bei ihm einstieg.

Der Trend der Nischen-Neobanks

Wie aus der Finanz-Szene verlautet, soll sich Tellings Investment bei Bling wohl im mittleren sechsstelligen Bereich bewegen. Ansonsten ist über die Zahlen des selbsternannten Family-Fintechs noch nicht viel in Erfahrung zu bringen, außer, dass es laut eigenen Angaben über „tausende bezahlende Abonnenten“ verfüge. Der gute Rat vom altgedienten Direktbanker soll offenbar auch dabei helfen, dass es mehr werden, denn „Tellings versteht die Massen-Zielgruppe“, erklärt der Gründer. Zu seiner aktiven Zeit wuchs die Kundschaft der ING-Diba von einer Million auf sieben Millionen – man muss eben auch mal Groß denken.

Bling ist auf einen Trend der vergangenen Jahre aufgesprungen. Neue Startups fokussieren sich auf spezielle Zielgruppen, Ruuky und Owwn zum Beispiel auf die Generation Z und Clanq auf Familien. Feigenwinter positioniert seine App noch einmal anders, ab sieben Jahren dürfen Kinder die App verwenden – Eltern überweisen das Taschengeld auf die App und können die Ausgaben kontrollieren. Es ließen sich auch Limits einstellen, etwa für die Einkäufe im Online-Shopping oder für das Gaming. Auch können Aufgaben wie Rasenmähen in der App aufgelistet werden, für die die Kinder Geld erhalten, wenn sie erledigt sind. Für das Taschengeld-Konto arbeitet Bling mit Treezor zusammen, einer Tochter der Société Générale. Bling ist eines der ersten deutschen Fintechs, das den Banking-Dienst der französischen Bank verwendet.

Das Fintech wird es längerfristig nicht leicht haben, in der angespannten Marktlage viele Millionen für das Wachstum einzusammeln. Wagniskapitalgeber sind zurzeit zurückhaltend – gerade was Geschäftsmodelle mit einem Fokus auf Endkunden angeht. Gründer Nils Feigenwinter glaubt dabei auf einen viralen Effekt auf Schulhöfen oder Sommercamps. Das sei schon heute in den Anmeldungen zu sehen, sagte der Gründer kürzlich im Gespräch mit Finance Forward.

Kostenpflichtig gleich zum Start

Das Unternehmen ist einen anderen Weg als viele Banking-Startups gegangen: Bei Neobanken galt bislang die Strategie, erst einmal ein Wachstum um jeden Preis – vorfinanziert durch Venture Capital. Dafür waren viele Dienste zum Start gebührenfrei, erst später führten die Unternehmen dann eigene Preismodelle an. Bling setzt sofort auf ein Bezahlmodell: Monatlich 2,99 Euro müssen die Eltern pro Kind bezahlen, bei inaktiven Konten fällt nach zehn Monaten eine Gebühr von 25 Euro an. Ein richtiger Schritt in der aktuellen Marktlage, in der Geldgeber verstärkt auf die Einnahmen schauen.

Eine Schwierigkeit wird es sein, die Kinder später als Kunden zu halten. Dafür sind zum Beispiel Sparprodukte für die Kinder in der App denkbar, die dazu führen, dass die Kinder länger an Bord bleiben – ein weiteres Standbein für die Einnahmen. Bis es soweit ist, muss es dem jungen Team gelingen, Wachstum zu zeigen. Und abseits von Bankern wie Telling weitere Investoren von den Plänen zu überzeugen.

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