Das Gründungsteam von Ruuky: Jes Hennig, Max Schwarz, Timo Steffens und Deepankar Jha (Bild: PR)

Aus Pockid wird Ruuky: Teenager-Neobank erweitert die Zielgruppe

Exklusiv: Ein Jahr nach dem Start ändert die Hamburger Neobank Pockid ihren Kurs. Künftig nennt sie sich Ruuky – und richtet sich verstärkt auch an junge Erwachsene. Der Schritt erinnert an den ersten Pivot von N26 vor neun Jahren.

Als Jes Hennig vor anderthalb Jahren mit Investoren sprach, da war eine Frage besonders wichtig: Kann ein Geschäftsmodell, das N26 hat liegen gelassen, erfolgreich sein? Mit Pockid wollte er eine Neobank für Teenager aufbauen – so wie in den ersten Monaten auch der heutige Marktführer unter den deutschen Fintechs.

Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal hatten sich 2014 gegen das Konzept entschieden. Zu unlukrativ ist das Geschäft mit Teenagern, die kein eigenes Einkommen und kaum Ausgaben haben. Acht Jahre später sei das anders, hatte Hennig Anfang 2021 zu Finance Forward gesagt.

Jetzt hat Pockid seine Marke überarbeitet, nach einem Relaunch heißt es künftig Ruuky und nennt sein Angebot „Social Interactive Banking“. Damit will es seine Kunden länger halten, bis in ein Alter, in dem sie zahlungskräftiger werden.

Feeds wie aus den sozialen Medien

In einem Punkt war das Geschäftsmodell von Pockid bislang mit dem Vertrieb von Windeln vergleichbar: Die Kundenakquisekosten müssen sehr gering ausfallen, weil das Produkt nur auf wenige Lebensjahre eines Menschens zugeschnitten ist. Das Unternehmen hat so nicht viel Zeit, um die Marketingkosten pro Kunden wieder reinzuspielen – um dann noch etwas mit ihm zu verdienen.

Mit Ruuky soll diese Zeit nun verlängert werden. So sollen weitere Features kommen, wie beispielsweise ein Sparplan, den Eltern oder Paten frühzeitig für ihre Kinder eröffnen können.

Die App enthält außerdem einen Feed, der an soziale Medien erinnert. Damit können Bezahl- und Sparfunktionen gemeinsam genutzt werden. Ein Kalkül dahinter: Die Möglichkeit, untereinander in der App zu interagieren treibt Nutzer dazu, das Konto weiterzuempfehlen. Ein beliebter Trick, um Marketingkosten zu sparen.

„Wir sprechen vor allem junge Erwachsene bis 24 an“

Wie viele Kunden Ruuky in der ersten Version hat ansammeln können, will der Gründer nicht verraten. Die App verzeichne 80.000 „Signups“, sagt er lediglich. Die seien im Schnitt etwas älter, als er vor dem Launch gedacht hätte. „Wir sprechen vor allem junge Erwachsene bis 24 an“, so Hennig.

Die Ansprache auch an Studienanfänger und Berufseinsteiger wird zum einen das generelle Kundenwachstum treiben, aber auch die durchschnittliche Qualität der Kunden steigern. Von Investoren wird ein derartiger Schritt derzeit gerne gesehen. Dafür gibt das Startup seine Identität als reine Teenager-Neobank auf. Es tritt damit auch in Konkurrenz zu Startups wie Owwn.

In der nächsten Phase will Hennig mit seiner Neobank nach Österreich expandieren, dann in weitere Länder. Weil Ruuky die Infrastruktur und Lizenz des belgischen E-Money-Instituts PPS nutzt, kann es sein Angebot problemlos europaweit ausrollen.

Dafür sucht es wieder nach Investoren, zuletzt hatten die Startup-Geldgeber Cavalry und Vorwerk Ventures insgesamt vier Millionen Euro in Ruuky investiert (Finance Forward berichtete). Die Bewertung lag bei rund 16 Millionen Euro, wie aus dem Handelsregister hervorgeht.

Mit dem Rebranding kommen allerdings auch Kosten auf das Startup zu. Die Debitkarten der bestehenden Nutzer müssen einmal komplett ausgetauscht werden. Es soll schließlich „Ruuky“ draufstehen.

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