Fundament befindet sich auf der Suche nach Immobilienprojekten. (Bild: 贝莉儿 DANIST/Unsplash)

Fundament sammelt 100 Millionen ein – und verliert wichtigen Investor

Exklusiv: Über die Blockchain wollte das Hamburger Krypto-Startup FND insgesamt 500 Millionen Euro für Immobilienprojekte einsammeln. Nun ist ein strategischer Investor wieder ausgestiegen. Doch der Gründer kann auch einen Erfolg vermelden: 100 Millionen Euro habe sein Unternehmen bereits zusammen.

Thomas Ermel hatte sich mehr erhofft. Mit seinem Krypto-Startup FND Group (vormals Fundament) war der Hamburger Unternehmer angetreten, um insgesamt 500 Millionen Euro einzusammeln und diese in Immobilien zu investieren. Doch die Resonanz der Kleinanleger blieb überschaubar, Verbraucherschützer kritisierten die Investitionsbedingungen und der wichtigste Partner, der Baukonzern Bauwens, stieg kürzlich wieder aus.

Bei institutionellen Geldgebern konnte Ermel mit seinem Blockchain-Immobilienprojekt hingegen landen: Insgesamt 100 Millionen Euro habe FND von großen Investoren eingesammelt, teilt er im Gespräch mit Finance Forward mit.

Bis Mitte Juli befindet sich das Unternehmen weiter auf Kapitalsuche. Er sei zuversichtlich, noch weitere 50 oder 100 Millionen zusammenzubekommen, sagt Ermel. Eine beachtliche Summe für ein Blockchain-Projekt, auch wenn FND das anvisierte Ziel wohl verfehlen wird. Vor allem internationale Investoren hätten ihm ihr Geld anvertraut, sagt der Gründer. Jeder Investor habe mindestens zehn Millionen Euro eingezahlt.

Das Krypto-Startup will die Kleinanleger herauskaufen

Bei den Kleinanlegern kam das Projekt dagegen weniger gut an, nur 50.000 Euro sei über sie zusammengekommen, heißt es von Ermel. Auch wenn FND kein Marketing betrieben habe, sei das Interesse hinter den Erwartungen zurückgeblieben – „ein erschreckend schlechter Wert“.

Und so hat das Unternehmen die Außendarstellung in weiten Teilen eingestellt: Einige Kanäle in den sozialen Netzwerken wurden gelöscht, in den Investorengruppen auf Telegram gibt es nur noch sporadische Antworten. Außerdem will Thomas Ermel den Kleinanlegern das Angebot machen, ihre digitalen Anteile wieder abzukaufen.

Für die nächsten Investitionsprojekte wird sich FND wohl ausschließlich auf professionelle Geldgeber ausrichten, die mindestens 100.000 Euro investieren. Bei dieser Zielgruppe ist auch kein Bafin-Prospekt nötig, wie ihn FND als einer der ersten Anbieter für sein sogenanntes Security Token Offering (STO) erhalten hat.

Von Verbraucherschützern hatte es in den vergangenen Wochen hingegen Kritik an dem Angebot von FND gegeben. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Blind-Pool, die Anleger wissen zum Zeitpunkt des Investments also nicht, in welche Immobilienprojekte ihr Geld fließen wird. „Bei Blind-Pool-Konstruktionen wird der Anleger im Dunkeln gelassen, er kann nicht hinreichend beurteilen, wie aussichtsreich das Investment wirklich ist“, sagte Jörn Rehren vom Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber Finance Forward.

Bekannter Investor beteiligte sich erst im Oktober

Der Gründer muss in den kommenden Monaten nun beweisen, dass er vielversprechende Immobilienprojekte zusammenbekommen kann; einige seien bereits in Planung, sagt Ermel. Einer der wichtigsten Lieferanten von Bauprojekten sollte eigentlich die Kölner Firma Bauwens sein. Das traditionsreiche Immobilienunternehmen, das vom Enkel des ehemaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer geführt wird, beteiligte sich mit seiner Digitaltochter erst im Oktober an FND selbst.

Doch kürzlich kam es wieder zur Trennung: Bauwens veräußerte seine Anteile wieder. Wegen einer „allgemeinen Neustrukturierung“ habe das Bauunternehmen die Anteile an die Gründer zurückverkauft, heißt es bei Bauwens auf Nachfrage. Bei den Immobilienprojekten planen die beiden Unternehmen allerdings, weiter zusammenzuarbeiten.

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