Die Interhyp-Gründer Marcus Wolsdorf (Bild: PR)

„Wenn du als Gründer in den Abgrund schaust, lässt dich das devot werden“ – Interhyp- und Finanztip-Gründer Marcus Wolsdorf im FinanceFWD-Podcast

Er gehört zu Deutschlands Fintech-Urgesteinen: 1999 gründete Marcus Wolsdorf die Baufinanzierungsplattform Interhyp und brachte sie an die Börse, bevor die Bank ING das Fintech übernahm. Nach elf Jahren in der Führung verließ Wolsdorf das Finanzunternehmen. Er baut nun Finanztip auf, ein Portal für Verbraucherfinanzen, und investiert mit seinem Mitgründer in die nächste Fintech-Generation. Über die Krise der Baufinanzierung, seine Vision für Finanztip und die größte verpasste Milliarden-Wette spricht der Seriengründer im Podcast.

Marcus Wolsdorf weiß, wie sich eine Techkrise anfühlt. Zu einer Hochphase des Internethypes 1999 gründete er die Baufinanzierungsplattform Interhyp zusammen mit Robert Haselsteiner. 20 Teams hätten damals an der Idee gearbeitet, doch Interhyp setzte sich durch. „Es geht nicht um die Idee, die ist das einfache“, sagt der Gründer im Rückblick. Das Münchner Unternehmen schaffte den Durchbruch und gehört bis heute zu den wichtigsten Playern im Markt. Nach dem Börsengang folgte die Übernahme der Bank ING. Es ist eine der ersten großen Fintech-Erfolgsgeschichten.

Doch lange war das nicht ausgemacht. Der Interhyp-Gründer erlebte auch das Platzen der Dotcom-Blase. Auf das extreme Hoch sei ein extremes Tief gefolgt. „Es kam dieser Internetwinter – die Fantasie war komplett raus“, sagt Wolsdorf. Er habe immer wieder mal auf seine ehemaligen Kollegen bei der Investmentbank Goldman Sachs geschaut, die unterdessen Karriere machten – während Interhyp sich durchkämpfen musste. „Wenn du als Gründer in den Abgrund schaust, lässt dich das devot werden“, sagt  Marcus Wolsdorf.

In den vergangenen Jahren – während der Hypephase 2021 und dem darauf folgenden Absturz – fühlte er sich an die Anfangszeit von Interhyp erinnert. Bei seinen Warnungen habe er sich lange wie ein „alter weißer Mann“ angehört, nun folgte tatsächlich eine Krise.

Vergleichbar mit dem Kryptomarkt

Ganz so extrem wie der Dotcom-Crash sei die Lage aber zurzeit nicht. Die aktuelle Krise im Kryptomarkt sei eher mit den 2000er Jahren vergleichbar, sagt Wolsdorf. „Weil alles grundsätzlich infrage gestellt wird.“

An seinem 40. Geburtstag verließ Wolsdorf Interhyp und baut seit einigen Jahren eine neue Finanz-Marke auf: das Verbraucherportal Finanztip. Zusammen mit dem Journalisten Hermann-Josef Tenhagen ist über die Jahre eine wichtige Anlaufstelle für Menschen geworden, die beispielsweise nach einem neuen Broker oder Energie-Anbieter suchen. In der Coronakrise gelang ein Gewinn von 2,5 Millionen Euro, weil viele im Aktienhype nach einem Broker suchten. Diese Gewinne hätten aber abgenommen. „Wir streben das auch nicht an“, sagt Wolsdorf. Das Geld in dem gemeinnützigen Projekt solle reinvestiert werden.

Die Probleme im Baufinanzierungsmarkt, in dem Interhyp und Hypoport heute zu den großen Playern gehören, beobachtet er noch von außen. Es sei eine „Belastungsprobe für das Modell“, sagt Marcus Wolsdorf, obwohl es sich bei Hypoport und Interhyp um „tolle Unternehmen“ handele. „Die Mieten müssen steigen und die Preise runterkommen“, lautet seine Prognose für den Immobilienmarkt.

Über seinen Werdegang als Unternehmer, die Suche als Business Angel nach Superstar-Gründern und die Kritik an Affiliate-Marketing spricht er im Podcast. Über das Startup-Portfolio der beiden Interhyp-Gründer berichtete Finance Forward in der Vergangenheit.

Im FinanceFWD-Podcast spricht Wolsdorf über …

… den Start mit Interhyp
… die Techkrise in den 2000er Jahren
… die schwierige Lage der Baufinanzierungsplayer
… seine Vision für Finanztip
… die Sicht auf seine Startup-Investments

Den FinanceFWD-Podcast gibt es auch bei SpotifyDeezer oder iTunes. Wenn Euch das Format gefällt, freuen wir uns über jede positive Bewertung!

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