Ein Bild aus der Vor-Corona-Zeit: Wefox-Stand auf einem Versicherungskongress (Bild: imago images / Cord)

Wefox hat im Herbst 100 Millionen Euro eingesammelt – weitgehend unbemerkt

Exklusiv: Das Berliner Versicherungs-Startup Wefox hat im September noch einmal eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro abgeschlossen, sie besteht aus einem Kredit und einem Wandeldarlehen. Was hinter dem Deal steckt – und warum er nicht verkündet wurde.

An einer Gelegenheit für die große Ankündigung hätte es nicht gefehlt: Wefox-Gründer Julian Teicke sprach erst kürzlich mit Journalisten von Business Insider und Reuters über die ambitionierten Pläne seines Unternehmens. Für das kommende Jahr peilt das Berliner Insurtech nämlich einen Umsatz von 300 Millionen Euro an, bereits in diesem Jahr soll das Geschäft schon mindestens 100 Millionen Euro einbringen, heißt es in dem Agenturbericht. Damit dürfte der Versicherungsanbieter, dessen Geschäft aus einer Maklerplattform und der eigenen Versicherung One besteht, bereits zu den umsatzstärksten Finanz-Startups Deutschlands zählen.

Was Teicke hätte ankündigen können, ist eine Finanzierungsrunde von bemerkenswerter Höhe: Nach Informationen von Finanz-Szene und Finance Forward hat Wefox im September mindestens 100 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Dabei bekam das Unternehmen erst im vergangenen Jahr knapp 100 Millionen Euro von seinen Geldgebern.

Der Deal ist in Form eines Kredites in Höhe von etwa 25 Millionen Euro strukturiert, weitere 75 Millionen Euro sollen über ein Wandeldarlehen fließen. Das heißt, die Investoren bekommen erst bei der nächsten Finanzierungsrunde die Anteile an der Firma. Erst dann wird auch die Unternehmensbewertung festgelegt, die Wandeldarlehensgeber erhalten dabei bessere Konditionen.

Zu den Investoren in der aktuellen Finanzierung gehört ein US-Fonds mit dem Namen Harbert Management Corporation, der nach eigenen Angaben mehr als sieben Milliarden Dollar verwaltet. Wefox will die Informationen nicht kommentieren.

Der Deal zeigt, dass die Geldgeber weiter an den Erfolg von Wefox glauben. Einen Kredit über mehr als 25 Millionen Euro dürfte schließlich nur dann gestattet werden, wenn sich beständige Geldflüsse nachweisen lassen. In der Coronakrise erhält Wefox dadurch insgesamt einen weiteren Puffer.

Dass die Berliner Firma die Finanzierung nicht kommuniziert hat, deutet daraufhin, dass es in den kommenden sechs Monaten auf einen noch größeren Deal hinarbeitet. Diese Finanzierungsrunde dürfte dann voraussichtlich zwischen 200 und 500 Millionen Euro liegen. Der Deal im Herbst zeigt aber auch, dass in diesem Jahr das Klima für solche Mega-Runden nicht gut war. Ungewöhnlich ist es nicht, denn eine ganze Reihe von aktuellen Startup-Hoffnungsträgern haben in den vergangenen Monaten Wandeldarlehen aufgenommen anstelle „normaler“ Finanzierungsrunden.

Der Deal macht noch etwas deutlich: Wefox ist in der deutschen Insurtech-Landschaft eine absolute Ausnahme, keine andere Firma ist bislang in der Lage, solche großen Finanzierungsrunden an Land zu ziehen. Zwar sammelte Getsafe kürzlich 25 Millionen Euro unter anderem von der Swiss Re ein, angepeilt war aber die doppelte Summe. Wefox spielt in einer anderen Liga. Gründer Julian Teicke muss nun zeigen, dass er auch eine erste deutsche Mega-Runde hinbekommt – jenseits der 100 Millionen.

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