Das Team von Upvest (Bild: PR).

Noch fließt das Geld: Investing-Startup Upvest erhält 42 Millionen Dollar

Das Berliner Fintech Upvest holt mit Bessemer einen bekannten US-Investor an Bord. Mit seinem „Investment-as-a-Service“ muss sich Gründer Martin Kassing jetzt beweisen – gegen den Markttrend.

Das Timing war perfekt. In dieser Woche trifft sich die globale Investorenelite zur Konferenz Superreturn in Berlin, Wagniskapitalgeber HV Capital veranstaltet traditionell eine große Party. Am Donnerstag – der Morgen nach der Feier – kann Fintech-Gründer Martin Kassing nun eine neue Finanzierungsrunde verkünden: 42 Millionen Dollar hat er für seine Firma Upvest eingesammelt. Viel Vertrauen, in einem „herausfordernden Marktumfeld“, wie Kassing betont. Eingestiegen ist der prominente US-Geldgeber Bessemer, der in Deutschland schon früh auf Mambu setzte.

Allein in dieser Woche wurden damit drei Finanzierungsrunden verkündet. Das Finanzsoftware-Startup Airbank erhielt 20 Millionen Dollar, der Kryptoanbieter Pile sammelte 2,8 Millionen Euro ein, nun folgt Upvest. Noch macht sich das abkühlende Finanzierungsklima nicht bemerkbar. Allerdings publizieren die Startups ihre Finanzierungsrunde mit einem gewissen zeitlichen Verzug, die Bedingungen stehen teilweise schon Wochen vorher fest. Bemerkswert ist die Finanzierungsrunde trotzdem.

Die neue Banklizenz hat die Finanzierungsrunde sicherlich beschleunigt

Denn nicht nur die Finanzierungsbedingungen für Startups haben sich verschlechtert, auch die Stimmung in Geldanlage- und Krypto-Märkten ist verhalten. Gerade die Krise beim Kryptoverleiher Celsius hat in den vergangenen Tagen die Szene durchgeschüttelt, auch das Berliner Startup Nuri ist betroffen, wie Finanz-Szene und Finance Forward berichteten. Kleinanleger in Aktien- und Kryptowerten sind vorsichtiger geworden. Die Marketingkosten seien in den vergangenen Wochen massiv gestiegen, heißt es von einem Gründer aus der Branche.

Doch genau darauf beruht indirekt das Geschäftsmodell von Upvest. Es bietet anderen Unternehmen eine Trading-Infrastruktur an. Per Schnittstelle können die Firmen den Aktien- und Kryptohandel über Upvest anbinden. Zu den Produkten gehören der Handel mit Teilaktien, ein Portfolio-Übersicht, Sparpläne und das Aufrunden von Beträgen – regelbasiertes Sparen. Das Berliner Fintech muss nun zeigen, dass es weiterhin Interesse an dem Trading-Produkt gibt, trotz des Bärenmarktes.

Das Fintech hat lange daran gearbeitet – und erhielt dafür kürzlich von der Finanzaufsicht Bafin fünf Lizenzen, dieser Schritt dürfte die Finanzierungsrunde beschleunigt haben. Andere Anbieter warten seit Monate auf die Erteilung einer Kryptoverwahrlizenz. Zu den Konkurrenten gehört die Solarisbank, die an einem Brokerage-as-a-Service arbeitet. Auch Lemon Markets werkelt an einem ähnlichen Angebot.

Kunden sind noch nicht bekannt

Einzelne Kunden wollte Upvest nicht nennen. Die Unternehmen, mit denen das Fintech spreche, hätten „zum Teil AuM-Summen von mehr als einer Milliarde Euro“, sagte Kassing allerdings Mitte 2021. Bei AuMs handelt es sich um Assets under Management, also um die Geldanlagen, die ein Anbieter verwaltet. Bis vor Kurzem war Immobilien-Schwarmfinanzierer Exporo einer von ihnen. Allerdings wechselte Exporo den Anbieter, wie Finanz-Szene und Finance Forward berichteten.

Mit dem neuen Geld soll die Internationaliserung vorbereitet werden. Von 90 Mitarbeitern will Kassing das Team bis Ende des Jahres auf 150 Mitarbeiter vergrößern. Investiert haben außerdem die bisherigen Geldgeber des 2017 gegründeten Unternehmens, darunter Earlybird, Abn Amro Ventures, Notion Capital, Partech, 10x Group und Speedinvest. Altinvestor und Partygastgeber HV Capital wird derweil nicht genannt.

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