Trade Republic ist ein beliebter deutscher Neobroker (Bild: Tech Daily/Unsplash)

Zwei Prozent Zinsen bei Trade Republic: Mehr als eine Milliarde Euro neue Anlegergelder

Mit einem Marketingcoup erlangte Trade Republic Anfang Januar große Aufmerksamkeit: Die Berliner Anlage-App führte zwei Prozent Zinsen ein. Erste exklusive Zahlen zeigen, wie gut die Aktion funktionierte.

Der Hype war ihr Wachstumsmotor. In den vergangenen zwei Jahren schlugen die Downloadzahlen von Robinhood und Trade Republic stark aus, wenn Anleger sich auf eine bestimmte Aktie stürzten. Den größten Anstieg gab es, als der Aktienkurs des Computerspiele-Shops Gamestop nach oben schoss. Es war erfolgreicher als Marketingkampagnen im Internet oder TV-Spots, wie sich bei Robinhood zeigte.

In einer Zeit, in der die Aktienmärkte erst einmal stark gefallen sind, gab es weniger Interesse am Handel. Die Nutzerzahlen des amerikanischen Trading-Anbieters Robinhood stagnierten zuletzt. Beim Berliner Player Trade Republic hatte sich die Stimmung ebenfalls etwas abgekühlt, wie eine Studie der Bank M.M. Warburg analysierte. Doch nun ist Trade Republic wieder ein großer Sprung gelungen: Anfang Januar führte das Fintech zwei Prozent Zinsen auf die nicht investierte Kundengelder ein. In den Google-Trends lässt sich bei Trade Republic ablesen, dass die Ausschläge wieder ähnlich hoch sind wie rund um den Gamestop-Hype.

Erfolgreicher als erwartet

Normalerweise sind die Januarzahlen traditionell besser als die anderen Monate, weil sich Menschen stärker um Geldfragen kümmern. Die Zinsaktion dürfte nun zusätzlich zehntausende Neukundinnen und -kunden gebracht haben. Erste Zahlen eines Analysetools zeigen für Android-Nutzer ein Wachstum von rund 120.000 Downloads in den vergangenen 30 Tagen, seit Anfang Januar gab es starke Ausschläge. Rund ein Drittel der Apple-Smartphone sowie Nutzerinnen und Nutzer außerhalb von Deutschland sind dabei nicht mitgezählt. Grob dürfte Trade Republic damit wieder bei den Werten aus der Hypephase kommen.

Die Zinseinführung sei erfolgreicher gewesen als erwartet, heißt es aus Finanzkreisen. Mindestens eine Milliarde Euro soll in den ersten zwei Wochen auf Konten von Trade-Republic-Kunden geflossen sein. Ein wesentlicher Teil dürfte auch von Bestandskunden kommen, die neues Geld überweisen. Das Angebot bezieht sich auf das Geld, das auf dem Verrechnungskonto liegt – und nicht in Aktien oder Kryptowährungen investiert wurde. Das Konto wird dabei bei den Partnern Deutsche Bank, Solaris und Citi geführt. Laut Schätzungen von Finanz-Szene dürfte dieser Betrag bereits vorher bei rund einer Milliarde Euro gelegen haben und hätte sich nun innerhalb von wenigen Tagen mehr als verdoppelt.

Trade Republic will sich zu den Zahlen nicht äußern. Schon vor fast 20 Monaten kommunizierte das Unternehmen sechs Milliarden Euro an „Assets under Management“. Seitdem hat das Fintech keine neue Zahlen zu Kundengeldern mehr veröffentlicht. Der aktuelle Wert dürfte weit davon entfernt liegen.

Die Aktion hat einen Nerv getroffen

Das Echo auf die Marketingaktion zeigt, dass Trade Republic mit der Zinseinführung einen Nerv getroffen hat. Andere Banken setzen ebenfalls auf das Instrument: Beispielsweise bei der Consors Bank gibt es 2,1 Prozent Zinsen. Im Gegensatz zu Trade Republic lassen sich weitaus höhere Beträge anlegen – das Angebot gilt bis zu einer Million. Bei Trade Republic sind es nur 50.000 Euro. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Es gilt nur für Neukunden. Auch andere Banken wie die beliebte Direktbank ING setzen eher darauf, über die Zinsen neue Kundinnen und Kunden zu werben. Wettbewerber wie Scalable Capital sind bislang nicht nachgezogen.

Eine ausführliche Zahlenanalyse zu dem Kalkül von Trade Republic lest ihr bei den Kollegen von Finanz-Szene (€). Auch im Doppelgänger-Podcast diskutierten die beiden Hosts kürzlich über die Motive des Berliner Fintechs.

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