Trade Republic wächst weiter. (Bild: IMAGO / Political-Moments)

Trade Republic hat Zwei-Millionen-Kundenmarke geknackt und erhält neue Lizenzen

Exklusiv: Der Berliner Neobroker Trade Republic gewinnt auch weiterhin neue Kunden – hat zugleich aber mit zumindest phasenweise sinkenden Transaktionszahlen zu kämpfen. Wie „Finance Forward“ und „Finanz-Szene“ in Erfahrung gebracht haben, durchbrach Trade Republic schon vor einigen Monaten die Marke von 2 Millionen Kunden. Und wappnet sich für die Zukunft mit neuen Lizenzen.

Eine wichtige Schwelle ist erreicht. Trade Republic hat die Zahl der zwei Millionen Kunden erreicht  – und könnte gemessen an der Zahl der Kunden sogar größer sein als der Frankfurter Online-Broker und Erzrivale FlatexDegiro mit zuletzt 2,3 Millionen Kunden. Eine Sprecherin von Trade Republic wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Das Unternehmen schreibt schon seit Monaten von „weit mehr als eine Million Kunden“.

Die große Frage ist nun allerdings, ob Trade Republic die steigenden Kundenzahlen auch in steigende Handelsaktivitäten konvertieren kann. Zwar braucht das Finanz-Startup als nicht-öffentliches Unternehmen (anders als FlatexDegiro) keine Zahlen zu veröffentlichen. Es gibt allerdings einen Anhaltspunkt, der zumindest grobe Rückschlüsse auf die aktuelle Performance von Trade Republic zulässt, nämlich die inoffiziellen Handelsdaten der LS Exchange – also jener Börse, über die das Berliner Fintech einen großen Teil seiner Transaktionen abwickelt.

„Es ist sicher keine Überraschung, dass die Kunden weniger handeln“

Dort droht der zu Ende gehende September zum schlechtesten Monat seit zwei Jahren zu werden. Im Schnitt gingen pro Handelstag trotz des Endes der Sommerferien nur Wertpapier-Transaktionen über 126 Millionen Euro um. Das war rund 30 Prozent weniger als im August und gar 52 Prozent weniger als im Januar – obschon die Kundenzahl ja steigt.

Von Trade-Republic-Gründer Christian Hecker heißt es: „Es ist sicher keine Überraschung, dass die Kunden weniger handeln“. Allerdings gibt er sich zugleich überzeugt, dass die Zahlen „im Oktober traditionell wieder anziehen“. In diesem Zusammenhang wird auch darauf verwiesen, dass insbesondere die Zahl der Sparpläne weiter wachse und Trade Republic weiterhin Zuflüsse verzeichne.

Lizenz für Eigenhandel

Finanziell wäre Trade Republic selbst für eine längere Schwächephase gut gerüstet. Erst vor wenigen Monaten hat das Fintech 250 Millionen Euro von Investoren erhalten und durch Entlassungen die Kosten reduziert. Parallel arbeitet der Neobroker an der Arrondierung seines Geschäftsmodells. Dabei helfen sollen zwei neue Lizenzen, die dem Neobroker laut den Recherchen von Finanz-Szene und Finance Forward kürzlich bewilligt wurden: Dabei geht es zum einen um Zulassung für das sogenannte Eigengeschäft – und zum anderen um eine Zulassung zum Eigenhandel – den Status einer Wertpapierhandelsbank hatte Trade Republic bereits.

Mit den Lizenzen ergeben sich für das Fintech nun neue Möglichkeiten: Eine davon könnte sein, selbst Finanzprodukte an die Kunden zu verkaufen – statt nur die Orders der Kunden weiterzuleiten. So wäre Trade Republic im neuen Setup berechtigt, selber Aktien, Fonds oder Krypto-Währungen zu kaufen und dann an seine Kunden weiterzuverkaufen. Das Trade Republic bei der Abwicklung seiner Transaktionen unabhängiger von Partnern machen. Auch Geschäfte mit sogenannten Teilaktien, die bislang nur in Sparplänen möglich sind, seien mit der neuen Lizenz möglich, sagt ein Insider.

Erfolglose Versuche in der Vergangenheit

Langfristig betrachtet verschafft sich Trade Republic durch die neuen Lizenzen auch die Option, als sogenannter Market Maker aufzutreten – und damit unabhängiger von sogenannten „Payment for Order Flow“ (PFOF) zu werden. Eine Praxis, die umstritten ist. Von heute auf morgen werde das Fintech die Transformation zum Market Maker allerdings nicht schaffen, geben Marktkenner zu bedenken. Dafür sei das Geschäft technisch zu kompliziert. Gleichwohl: Im Umfeld von Trade Republic heißt es schon länger, man könne sich zumindest im Extremfall – wenn „PFOF” wirklich verboten werden sollte – vorstellen, das Market-Making selbst zu stemmen.

Schon in der Vergangenheit gab es erfolglose Versuche: Der US-Broker Etrade hat beispielsweise in der Vergangenheit selbst einen Market Maker aufgebaut. Doch diesen dann für 75 Millionen Dollar wieder verkauft, nachdem die Aufsichtsbehörden die Order-Routing-Praktiken des Brokers unter die Lupe genommen hatten. Ein weiteres historisches Beispiel illustriert, wie kompliziert das Geschäft ist: Knight Capital geriet 2012 in eine schwere Krise. Durch den Fehler eines Programmierers kaufte die Firma automatisiert für sieben Milliarden Dollar Aktien, die es eigentlich gar nicht haben wollte. Am Ende blieb ein Schaden von 440 Millionen Dollar, die Firma wurde einige Monate später übernommen.

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