Taxfix will Millionengeschäft mit Selbstständigen erschließen
Exklusiv: Das Berliner Fintech startet einen Steuerservice für Selbstständige. Mit dem Angebot tritt es in direkte Konkurrenz zu etablierten Buchhaltungstools wie Lexware.
Die Berliner App Taxfix lotst Millionen von Angestellten und Kleinstunternehmern durch die Steuererklärung. Zehn Jahre nach der Gründung wagt das Fintech jetzt den Sprung in ein neues Segment: Ab sofort bietet es auch einen Steuerservice für umsatzsteuerpflichtige Selbstständige an. „Wir sehen hier eine enorme Nachfrage“, sagt Taxfix-CEO Martin Ott (48) im Gespräch mit Finance Forward.
Selbstständige, Gewerbetreibende und Freelancer müssen monatlich – oder je nach Summe auch quartalsweise – beim Finanzamt melden, wie viel Umsatzsteuer sie eingenommen und wie viel sie bezahlt haben. Taxfix bietet den Kassensturz nun automatisiert an: Selbstständige laden ihre Rechnungen und Belege hoch, die Software liest sie aus, kategorisiert sie und reicht die Umsatzsteuer-Voranmeldung anschließend automatisch über das staatliche Steuerportal ELSTER ein.
Taxfix ist seit 2016 mit einem digitalen Steuerlotsen für Selbsteinreicher am Markt, seit 2023 bietet es zudem einen Steuerberater-Service für komplexere Fälle an. Nach eigenen Angaben hat es bis heute rund 8 Millionen Steuererklärungen für Angestellte und Kleinstunternehmer eingereicht.
Strategischer Zukauf von TaxScouts
Mit dem neuen Angebot möchte das Fintech jetzt eine weitere Zielgruppe erobern. Laut Statistischem Bundesamt gibt es derzeit 3,7 Millionen Selbstständige in Deutschland. Das entspricht etwa 8 Prozent der Erwerbstätigen. Das nötige Know-how hat Taxfix-Chef Ott bereits 2024 zugekauft: Damals übernahm er den britischen Konkurrenten TaxScouts, der in Großbritannien und Spanien vergleichbare Steuerdienste für Selbstständige betreibt.
Der Markt ist lukrativ: Anders als im Kerngeschäft mit Angestellten, die einmal jährlich zahlen, kann Taxfix Selbstständige aufgrund der regelmäßigen Abgabefristen monatlich abrechnen. Das schafft planbare, wiederkehrende Einnahmen — und zahlt auf die angestrebte Profitabilität ein. Der Preis für den neuen Service beträgt 19,99 Euro netto pro Monat. Allerdings ist das Feld in Deutschland bereits besetzt: Softwarefirmen wie Accountable, Lexware und Sevdesk buhlen ebenfalls um Selbstständige.
Taxfix hatte seinen Umsatz zuletzt um 20 Prozent auf rund 67,3 Millionen Euro gesteigert, auch dank der Zukäufe von TaxScouts und Steuerbot. Unterm Strich stand 2024 ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 19,4 Millionen Euro. Damit näherte sich das Unternehmen der Gewinnschwelle — im Jahr zuvor hatte das Minus noch 48,7 Millionen Euro betragen.