So lief der größte Hack der Kryptogeschichte
Im Februar erbeuteten Hacker 1,5 Milliarden Dollar von der Kryptobörse Bybit um CEO Ben Zhou. Im Zentrum des Skandals: ein Wallet-Start-up aus Berlin. Die Beute bleibt weitgehend verschwunden, beide Organisationen aber gibt es noch – wie kann das sein?
Ben Zhou (35) sitzt in einem Podcaststudio vor einer Kamera und wirkt erstaunlich gelassen – obwohl die größte Krise seines Unternehmens gerade einmal fünf Tage zurückliegt. Er hält nicht viel von Jammern. Zehn Sekunden, sagt er, habe er gebraucht, um sich zu fangen, nachdem er erfahren hatte, dass seiner Kryptobörse Bybit rund 1,5 Milliarden Dollar gestohlen wurden.
In der eng vernetzten Kryptoszene verbreitete sich die Nachricht am 21. Februar 2025 fast in Echtzeit über Plattformen wie X, Reddit oder Telegram. Die Dimension überstieg selbst in einer Branche, die regelmäßig von Hackerangriffen und Diebstählen erschüttert wird, alle bisherigen Ausmaße. Allein in den ersten zehn Stunden nach Bekanntwerden des Hacks vermeldete Bybit – die nach Binance zweitgrößte Kryptobörse weltweit – rund 350.000 Auszahlungsanfragen von Nutzern. Die betroffene Währung Ethereum stürzte um mehr als 20 Prozent ab. Auch den Bitcoin-Preis zog es in die Tiefe – mit dem heftigsten Wochenverlust seit der FTX-Pleite im Jahr 2022.
Und während die Schockwelle durch die Branche zog, wurde klar, dass im Zentrum des größten Kryptoraubs der Geschichte auch ein Projekt aus Berlin stand: Safe. 2022 formiert von Lukas Schor (30), Richard Meißner (36), Tobias Schubotz (35) und einem weiteren Kompagnon, genoss das Projekt in der globalen Szene enorme Bekanntheit und vor allem Vertrauen. Die Wallets galten als ausgesprochen sicher. Schillernde Investoren wie Tiger Global finanzierten den Aufstieg des Safe-Ökosystems mit 100 Millionen Dollar, Schor – nach außen der Kopf – landete auf der „30 under 30“-Liste von „Forbes“.
Der Skandal hätte in der klassischen Bankenwelt wohl das Aus für die Beteiligten bedeutet. Sowohl für die 2018 gegründete Börse Bybit aus Dubai, in deren Büchern sich plötzlich ein Milliardenloch auftat. Als auch für das junge Team aus Berlin, das eigentlich Sicherheit bieten wollte. Nicht so in der Kryptowelt. Beide haben den Fall überstanden, teils floriert das Geschäft sogar, wie sich jetzt zeigt. Wie kann das sein?