Scalable Capital erhält Vollbanklizenz und vergibt künftig auch Kredite
Die Rivalen N26 und Trade Republic hatten sie schon, nun bekommt auch Scalable Capital eine Vollbanklizenz. Damit kann das Münchener Fintech sein Geschäft deutlich ausweiten und alle Investment- und Banking-Dienstleistungen aus einer Hand anbieten.
Nun also auch Scalable Capital. Nach den anderen deutschen Milliarden-Fintechs N26 und Trade Republic hat nun auch der Neobroker von Gründer und CEO Erik Podzuweit (44) eine Vollbanklizenz von der Europäischen Zentralbank erhalten. Damit kann das Münchener Fintech sein Geschäft künftig deutlich ausweiten und wie die größeren Rivalen alle Investment- und Banking-Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Lag der Schwerpunkt bislang auf Depotführung und Börsenhandel etwa über ETF-Sparpläne, kann Scalable Capital fortan auch Kundengelder als Einlagen annehmen und Kredite vergeben. Die Aufsicht hat die Bafin.
„Wir verfügen jetzt über alle Bausteine, um das volle Potential für unsere Kunden europaweit zu entfalten“, freute sich Podzuweit laut einer Mitteilung des Unternehmens vom Mittwochmorgen. Man werde „neue Maßstäbe“ setzen.
Scalable Capital war 2014 von einem Team um Podzuweit gegründet worden. Der Neobroker, groß geworden über seine ETF-Sparpläne, bietet in seiner App bislang die Möglichkeit, in Aktien, ETFs, Kryptowährungen, Private Equity und Derivate zu investieren. Das Unternehmen mit inzwischen rund 700 Angestellten hat mehr als eine Million Kundinnen und Kunden, die mehr als 30 Milliarden Euro über die Plattform verwalten lassen. Nun weitet Podzuweit das Angebot aus.
Ab dem 1. Oktober sollen Premium-Kunden einen Einlagenzins von 2 Prozent auf Guthaben in unbegrenzter Höhe bekommen; für alle anderen verdoppelt sich die Grenze auf maximal 100.000 Euro. Der Zinssatz entspricht dem aktuellen EZB-Einlagenzins, den auch die Rivalen Trade Republic und N26 bieten. Die Guthaben sollen bei der Scalable Capital Bank und mehreren Partnerbanken verwahrt werden, was für die Kunden jederzeit über die App einsehbar sein soll.
Zudem will Scalable künftig selbst Kredite zwischen 1000 und 100.000 Euro vergeben, auch über die App. Ohne feste Laufzeit oder einen vorgegebenen Tilgungsplan sei das Angebot dabei flexibler als viele herkömmliche Konsumenten- oder Ratenkredite, so das Unternehmen. Die variablen Sollzinsen sollen bei 3,24 Prozent pro Jahr liegen und taggenau auf den ausstehenden Kreditbetrag berechnet werden. Zusätzliche Gebühren soll es nicht geben.