Qosty kommt aus Wien, versucht sich aber auch in Deutschland (Bild: Jenna Dugain/Unsplash)

Konkurrenz für Finanzguru? Geheimnisvolle Seriengründer versuchen sich an Multibanking-App

Eine Smartphone-App, die sich als Aggregator „umständlicher Banking-Apps“ versteht, wirbt auf Instagram um Kunden. Es ist bereits das dritte Startup der beiden österreichischen Gründer. Was ist ihr Plan?

Im Mai 2011 brachte die Royal Bank of Scotland die „erste voll funktionsfähige Banking-App der Welt auf den Markt“, wie sie heutzutage stolz wirbt. Das war zu einer Zeit, als Blackberrys noch gefragt waren. In den Folgejahren kamen immer mehr Angebote von Banken auf die Handys – bis sich schließlich Startups wie N26, Revolut oder Chime in den USA darauf fokussierten, das digitale Nutzererlebnis in den Vordergrund zu stellen. Sie waren der Gegenentwurf zu den Großbanken, in deren Filialen den Kundinnen und Kunden sämtliche Finanz- und Versicherungsprodukte angeboten wurden. Nur Banking, einfaches App-Design und bunte Karten – das war der Charme der Neobanken.

Doch auch die lange von der Bankenbranche belächelten und später gefürchteten Neobanken kommen inzwischen in die Jahre. N26 und Revolut sind bereits in ihrem siebten Jahr, aus den einfach gestalteten Apps ist der Anspruch geworden, alle möglichen Finanzprodukte in einer sogenannten Super-App zu vereinen. Zeit, mal wieder Ordnung, Einfachheit und Übersicht auf die Smartphones zu bringen, denken sich zwei Seriengründer. „Die meisten Banking-Apps fühlen sich veraltet an“, heißt es auf ihrer Webseite.

Qosty soll über eine API-Schnittstelle alle möglichen Daten zusammenführen, dafür setzt das österreichische Startup auf Finapi aus München, das kürzlich von Yapily übernommen wurde. Die beiden Gründer haben bereits zwei Startups gegründet, 2012 starteten sie das App-Entwicklungssoftware Felgo, 2020 folgte das Proptech Soldd. Hier ist zunächst auch Qosty angesiedelt – welche Chancen hat das Angebot? Und was ist das Geschäftsmodell?

Konkurrenz ist gut finanziert

Auf den Linkedin-Profilen von Christian Feldbacher und Alexander Leutgöb ist von Qosty noch keine Rede. Seit dem Start von Felgo vor zehn Jahren ist Feldbacher Geschäftsführer und Leutgöb Technikchef – auch Soldd findet sich in dem Karriereverlauf wieder. Unter der Soldd GmbH ist auch Qosty angesiedelt, das Unternehmen fungiert als Herausgeber der App. Auf Instagram werben Feldbacher und Leutgöb mit dem gleichen Claim, den die inzwischen alte Garde der Neobanken zum Start auch drauf hatte: „Verschwende keine Zeit mit umständlichen Banking-Apps“. Wer nicht viel Zeit für seine Finanzen aufwenden will, brauche die App.

Ein Selbstläufer ist der Multibanking-Markt nicht, das zeigt das Beispiel des bereits etablierten Marktführers Finanzguru, der vor ein paar Jahren in der „Höhle der Löwen“ eine Million Euro von Carsten Maschmeyer einsammelte. Mit der App lassen sich neben den klassischen Finanz-Analysen beispielsweise auch Versicherungen kündigen. Neben einer kostenfreien Version kostet ein Abo hier 2,99 Euro im Monat. Im Januar schossen Bestandsinvestoren, zu denen auch die Deutsche Bank gehört, acht Millionen Euro nach.

Trotz beachtlicher 500.000 registrierter Nutzer (eine Zahl, die trotz starker Bewertungen in den App-Portalen zuletzt stagnierte) sind bislang die wenigsten Finanzguru-Kunden dazu bereit, für die Dienstleistung zu bezahlen. 2020 lagen die Gesamterträge bei rund einer Million Euro, im vergangenen Jahr seien es nun immerhin rund zwei Millionen Euro gewesen, sagten die Gründer gegenüber Finance Forward. Der Fokus liegt hier inzwischen darauf, beispielsweise auf Grundlage von Kundendaten zu Versicherungen weitere Policen zu verkaufen, um Geld zu verdienen.

Auch die Konkurrenz hat die Schwierigkeiten in dem Segment zu spüren bekommen. Heymoney, das Fintech-Prestigeprojekt der Allianz, hat in diesem Sommer dicht gemacht (Finance Forward berichtete). Die Nutzerzahl soll sich gerade einmal im fünfstelligen Bereich bewegt haben. Die beiden Seriengründer müssen also noch zeigen, dass sie ein funktionierendes Geschäftsmodell aufbauen können – höchstwahrscheinlich mit weitaus weniger Kapital als Finanzguru. Über Finanzierungsrunden ist zur Soldd GmbH nichts zu finden. Und sowohl Feldbacher als auch Leutgöb schweigen dazu, wie sie den Aufbau von Qosty finanzieren.

Das erste Mal Massenmarkt

Nach Schätzungen des Analysetools Airnow Data verzeichnet die App bislang eine niedrige vierstellige Zahl an Downloads – das Angebot ist allerdings auch sehr neu. Die Verschwiegenheit der beiden Gründer deutet zudem darauf hin, dass sie den Markt erstmal testen. Ein Pricing-Übersicht ist derzeit weder auf der Webseite noch in der App zu finden, es ist aber wahrscheinlich, dass Qosty ähnlich wie Felgo und Soldd auch auf ein Software-Abomodell setzen wird.

Ihr Hintergrund als Gründer des Appentwicklers Felgo macht es für die beiden allerdings vergleichsweise günstig und unkompliziert, eine App wie Qosty auf den Markt zu bringen. So ist die Felgo GmbH auch Herausgeber diverser Apps, beispielsweise für Wetter, Produktivität, Mitfahrgelegenheiten oder Events. Einzig Soldd ist als eigene Gesellschaft ausgegründet, die Software soll den Immobilien-Erwerb als Investment digitalisieren, dafür aggregiert sie Daten aus verschiedenen Immobilienportalen in Deutschland und Österreich. Die Software sortiert die Angebote dann nach ihrer Renditestärke unter Berücksichtigung der Betriebskosten und Rücklagen.

Als Testimonial dient Gerald Hörhan, der als Investmentpunk bekannte Finanz-Influencer. Über eine Partnerschaft bekommen Kursteilnehmer in seinen Seminaren, die er für mehrere hundert bis tausend Euro anbietet, Zugang zu der Software. Eine Anfrage von Finance Forward, wie viele Kunden Soldd hat, ließen die beiden Gründer unbeantwortet. Sein Geld verdient Soldd mit einer klassischen Software-Gebühr, die je nach Abo zwischen rund 30 und 500 Euro netto liegt. Mit Qosty richten sich die beiden Gründer nun erstmals an den Massenmarkt.

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