15.000 Cafés und Restaurants verwenden die Kassen von Orderbird (Bild: PR)

Orderbird sucht einen Käufer – oder eine große Finanzierung

Exklusiv: Das Kassen-Startup Orderbird will 30 bis 50 Millionen Euro für das weitere Wachstum einsammeln oder gleich das ganze Unternehmen verkaufen. Der wichtigste Orderbird-Konkurrent legte gerade einen großen Exit hin.

Die Nachricht schlug Anfang Januar ein: Das kanadische Unternehmen Lightspeed kaufte das Berliner Startup Gastrofix für mehr als 100 Millionen Dollar. Gastrofix vertreibt eine Software, die Restaurants etwa mit einem iPad als Kasse einsetzen können.

Zu den ärgsten Konkurrenten von Gastrofix gehört ein weiterer Anbieter aus Berlin, der sich wenige Tage nach der großen Exit-Meldung per Pressemitteilung zu Wort meldete, um seine aktuellen Geschäftszahlen zu präsentieren: Demnach ist auch Orderbird weiter auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr konnte es seine wiederkehrenden Umsätze um 33 Prozent steigern. Das Timing der Pressemitteilung war dabei kein Zufall – es war ein Zeichen für potentielle Investoren.

Das Berliner Vorzeige-Fintech befindet sich nämlich zurzeit auf der Suche nach Käufern oder Geldgebern für eine große Finanzierungsrunde. Das hat Finance Forward aus mehreren Quellen erfahren. Bereits vor einigen Monaten soll Orderbird daher die Investmentbank Evercore beauftragt haben, einen sogenannten dualen Prozess durchzuführen. Dabei wird parallel nach einem potentiellen Käufer oder nach Wagniskapitalgebern, die die Firma weiter finanzieren, gesucht.

Als dritte Option habe Orderbird vor dem Gastrofix-Exit auch mit seinem deutschen Wettbewerber über einen Zusammenschluss verhandelt, heißt es von einem Insider. Doch die beiden Firmen konnten sich nicht einigen. Orderbird will weder die Verhandlungen noch die Investorensuche kommentieren. Von einer Sprecherin heißt es: „Einen offiziellen Prozess dazu gibt es nicht – jedoch gute Optionen, die wir gerade validieren.“ Die Firma bleibt vage: Ob der nächste Schritt der Unternehmensentwicklung in drei, neun oder 18 Monaten erfolgen werde, „haben wir noch nicht entschieden“.

Mögliche Käufer sitzen in den USA

Gastrofix erzielte beim Verkauf an die Kanadier einen hohen Preis: mindestens 100 Millionen Dollar (etwa 90 Millionen Euro), bei einem Umsatz von umgerechnet 11,4 Millionen Euro. Orderbird kam 2019 nach eigenen Angaben ebenfalls auf Erlöse in Höhe von 11,4 Millionen Euro. Die wiederkehrenden Lizenzgebühren von Orderbird – eine wichtige Kennzahl im Softwarevertrieb – lagen bei 8,6 Millionen Euro. Der Rest des Umsatzes entfällt etwa auf den Verkauf der Kassen.

Orderbird wird nun versuchen, einen Käufer oder Investor zu finden, der der Firma eine ähnlich hohe Unternehmensbewertung wie Konkurrent Gastrofix beimisst. Als potentielle Käufer gelten laut Branchenkennern etwa die beiden US-Firmen Toast und Touchbistro. Ebenfalls in Frage kämen Private-Equity-Unternehmen, die das Geschäft ausbauen und anschließend versuchen würden, Orderbird nach einigen Jahren gewinnbringend wieder zu verkaufen. Für die mögliche Wachstumsfinanzierung will Orderbird eine Finanzierungsrunde zwischen 30 bis 50 Millionen Euro einsammeln, heißt es aus dem Bankenumfeld.

Vor einem Jahr noch Geld eingesammelt

Anfang 2019 hatte Orderbird zuletzt mehrere Millionen von Wagniskapitalgebern eingesammelt, die Bewertung lag bei 60 Millionen Euro, berichtete Gründerszene.  Zu den Altgesellschaftern gehören die Metro, Digital+, Concardis und Carsten Maschmeyer mit seinem Fonds Alstin. Das Berliner Unternehmen beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter.

Orderbird zählt nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Unternehmenskunden. Das Geschäft mit den cloudbasierten Kassen in der Gastronomie gilt als schwierig. Eine besondere Herausforderung: Kleinere Cafés und Restaurants gehen regelmäßig pleite – und fallen dann als Kunden weg.

Jakob Schreyer hat Orderbird 2011 gegründet und ist heute Chief Strategy Officer (Bild: PR)
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