Co-CEO und N26-Gründer Valentin Stalf (Bild: Techcrunch)

N26 verlässt US-Markt endgültig

Die Berliner Neobank N26 hat eine weitreichende Entscheidung getroffen: Seine Bemühungen, den US-Markt zu erobern, stellt das Startup komplett ein.

Der Schritt deutete sich an – und kommt doch überraschend: Deutschlands wichtigstes Fintech N26 schließt den US-Markt und sein New Yorker Büro. Wie es mit dem US-Team weiter geht, ist derweil unklar, N26 hatte schon im Laufe der Corona-Pandemie in New York Mitarbeiter entlassen (Finance Forward berichtete). Laut Linkedin sind dort knapp 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Noch vor wenigen Tagen sagte N26-Mitgründer Maximilian Tayenthal in einem Interview mit dem Magazin Insider: „Die Aufmerksamkeit des Managements wird sich auf absehbare Zeit eher weniger auf den US-Markt richten“. Das Geschäft solle nebenher laufen, während sich N26 auf Europa fokussiere, hieß es in dem Bericht. Aus diesem Grund kommt der komplette Rückzug schon kurze Zeit später unerwartet. Das Interview hat auch unter den Mitarbeitern für Irritationen haben, wie Finance Forward erfuhr. Weitere Zeichen wiesen ebenfalls nicht auf den Rückzug hin: Schließlich hat die Bank für ihr New Yorker Büro noch 15 neue Stellen ausgeschrieben.

Für N26, das eine Banking-App anbietet, ist es der zweite große Rückzug der Firmengeschichte. Aus Großbritannien verabschiedete sich N26 vor einigen Jahren und begründete es mit dem Brexit. In dem neuen Interview sprach N26-Gründer Tayenthal von Komplexität einer Expansion, die man nicht unterschätzen dürfte, zum Beispiel durch die Regulatorik.

Es ist das Ende eines teuren Abenteuers: Schon die Startphase soll das Unternehmen einen mittleren zweistelligen Millionen-Betrag gekostet haben, hieß es aus dem Unternehmensumfeld. Geleitet wurde die Expansion von einem Vertrauten der Gründer: Nicolas Kopp. Gerade die ersten Monate seien schwierig gewesen, es habe an der Produktentwicklung gehapert, heißt es. N26 war auf einen Banking-Partner, den Anbieter Axos, angewiesen. Eine Strategie, die sich rückblickend als falsch herausstellte, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. In Brasilien, einem weiteren wichtigen Expansionsmarkt, beantragte N26 die Lizenz aus diesem Grund selbst.

US-Expansion hatte Investoren besonders angesprochen

Die Konkurrenz ist mit Fintechs wie Chime stark, das Startup will zurzeit zu einer 35-Milliarden-Bewertung an die Börse. Auch der britische Konkurrent Revolut drängte auf den US-Markt. N26 hielt trotzdem an den USA fest, im vergangenen März verkündete das Startup „fast“ 500.000 Kunden zu zählen.

Doch dann geriet das Übersee-Abenteuer mehr und mehr aus dem Blick. Kopp verließ die Firma bereits im vergangenen Frühjahr – und wurde bis heute nicht ersetzt. Schon vor einiger Zeit kündigte N26 den Dienstleister Axos und machte sein Angebot vorerst zu, neue Kunden verwies es auf eine Warteliste. Nach offiziellen Angaben hieß es, man suche nach einem neuen Partner. Dies scheint nun nicht mehr nötig zu sein. Wie es mit den 500.000 Kunden weitergeht, ist bislang unklar.

Für N26 ist es eine wichtige Frage: Zum einen darf es die Kunden nicht verärgern, zum anderen ist es ein großer Wert für das Startup. Bei der letzten Finanzierungsrunde bewerteten die Wagniskapitalgeber jeden N26-Kunden mit grob 1.000 Euro, demnach liegt der Wert der Kundenbasis in den USA bei mindestens halben Milliarde Euro. Hinzukommt: Die großen Expansionspläne haben sicherlich in der Vergangenheit auch Investorenfantasien angekurbelt.

Die Vision einer globalen Digital-Bank rückt damit in weite Ferne. Abseits von Brasilien, wo das Startup gerade in eine Testphase gestartet ist, hat N26 keine Märkte mehr außerhalb der Europäischen Union.

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