Die N26-Gründer Maximilian Tayenthal (links) und Valentin Stalf (Bild: imago images / tagesspiegel)

Betriebsrats-Alternative: N26 beendet sein „Employee Representation Board“

Exklusiv: Als Mitarbeiter im Sommer 2020 einen Betriebsrat gründeten, stellte das N26-Management eine eigene Arbeitnehmervertretung vor, die auch internationale Angestellte repräsentieren sollte. Jetzt, knapp anderthalb Jahre später, wird der Versuch beendet.

Ein Donnerstagnachmittag in Berlin, es war der erste Sommer der Pandemie. Die Mitarbeiter von N26 standen vor einer Entscheidung: Entweder, sie gingen zum Hofbräu und wählten einen Wahlvorstand für den Betriebsrat – oder sie nahmen im Büro an einem Termin teil, den das Management zeitgleich angesetzt hatte.

Denn statt eines von Mitarbeitern initiierten Betriebsrates wollte das Management ein eigenes Gremium aufbauen. „Employee Representation Board“ nannten sie das. Der Vorteil: Eine solche Arbeitnehmer-Vertretung könne sich in einem internationalen Unternehmen wie N26 auch für die Teams in den USA, Brasilien und vielen europäischen Ländern gleichzeitig einsetzen, hieß es damals. Beide Veranstaltungen wurden besucht, beide Gremien legten in den folgenden Monaten mit ihrer Arbeit los.

Heute, fast zwei Jahre später, ist der Betriebsrat ein fester Teil des Unternehmens geworden, Mitarbeiter berichten von ersten Erfolgen des Arbeitsklimas. Im Mai wird nun zum ersten Mal neu gewählt. Das „Employee Representation Board“ ist indes nie aus den Kinderschuhen gekommen – und wird nach Informationen von Finance Forward wieder eingestellt. Was ist passiert und wie begründet das Unternehmen diesen Schritt?

In der Belegschaft kam die Alternative zum Betriebsrat zum Start nicht überall gut an. Einige befürchteten, eine vom Management gestartete Mitarbeitervertretung handle im Zweifel eher im Interesse dieses Managements. Zumal die Gründer intern schon gesagt hatten, ein Betriebsrat widerspreche den „Werten“ des Unternehmens, wie Finance Forward damals enthüllte.

N26 wollte „Vorreiterrolle für eine internationale Arbeitnehmervertretung übernehmen“

Ein Betriebsrat, der nur die deutschen Gesellschaften repräsentiere, sei ungeeignet, sagen die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal damals. Zudem sei eine Wahlperiode von vier Jahren für ein schnellwachsendes Unternehmen nicht angemessen. Neue Mitarbeiter müssten erst Jahre warten, bis sie eine Chance hätten, in den Betriebsrat einzuziehen. „Wir wollen in unserer Branche die Vorreiterrolle für eine internationale Arbeitnehmervertretung übernehmen“ – mit „inklusivem, modernem und digitalem Konzept“. So kündigte das Unternehmen das neue Konzept an.

Doch aus Unternehmenskreisen war immer wieder zu hören, dass das „Employee Representation Board“ sich selten getroffen habe, kaum konkrete Pläne entwickelte. Intern sei nicht ganz klar gewesen, was die Rechte des gewählten Alternativ-Gremiums waren, heißt es von vertraulichen Quellen. Aus Managementsicht waren die vergangenen zweieinhalb Jahre allerdings auch besonders kompliziert, seit August 2020 hatten vier verschiedene Personen die Verantwortung für das Personal-Ressort, das Gremium war dort in Teilen angesiedelt.

„Mit der globalen Form der Mitbestimmung wollten wir den Bereich der Arbeitnehmervertretung auf ein digitales und internationales Level bringen“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. „Trotzdem mussten wir erkennen, dass unser globales Mitbestimmungsgremium nicht so umgesetzt werden konnte, wie wir uns das erhofft hatten. Deshalb haben wir uns nach interner Beratung dazu entschlossen, das globale Gremium einzustellen.“

Komplett am Ende sei das Konzept noch nicht, N26 will die Grundidee offenbar zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufleben lassen. „Wir sind nach wie vor von der Wichtigkeit globaler Mitbestimmung und Mitarbeitervertretung überzeugt und werden in Zukunft verstärkt auf die Zusammenarbeit mit den deutschen Betriebsräten und unseren ,Employee Resource Groups’ setzen.“

Der Betriebsrat hat gleichzeitig erste Erfolge erzielt. Aus dem Recht auf Homeoffice in der Pandemie, das laut diverser Quellen eines der ersten Themen nach der Wahl 2020 war, wurden beispielsweise inzwischen sogar Konzepte für post-pandemische Zeiten entwickelt. Und auch in Sachen Gehaltstransparenz habe sich einiges verbessert, berichten Mitarbeiter.

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