Die ehemalige Paypal-Managerin Nicola Breyer verantwortet der Vertrieb seit einigen Monaten (Bild: PR).

Metro steigt bei Berliner Fintech Optiopay ein

Exklusiv: Der Handelskonzern Metro beteiligt sich an einer Optiopay-Finanzierung über 5,25 Millionen Euro. Auch der Kernbankenspezialist Avaloq investiert. Wo steht das Fintech mittlerweile?

In den vergangenen Jahren war es bemerkenswert ruhig um Optiopay. Das Fintech von Marcus Börner und Oliver Oster, das zum Start noch einen beispiellosen Hype ausgelöst hatte, arbeitete vor sich hin, verkündete mal eine Kooperation mit der Comdirect, testete neue eigene Produkte, startete eine Plattform für Corona-Hilfen – doch die großen Nachrichten blieben aus.

Das ändert sich nun: Das Unternehmen kann zwei neue strategische Investoren verkünden. Der deutsche Handelskonzern Metro beteiligt sich mit seinem Investmentarm LeadX und wird gemeinsam mit Optiopay ein Produkt entwickeln. Ferner steigt der Schweizer Kernbankenanbieter Avaloq ein, er soll künftig das Produkt von Optiopay integrieren und mit vertreiben.

Mit viel Aufsehen war Optiopay 2016 durchgestartet, gleich in den ersten Jahren investierten bekannte Geldgeber wie DvH Ventures und die Commerzbank über ihren Mainincubator. Die Szene redete viel über das Startup – die Erwartungen stiegen schnell. Die beiden Gründer wagten sich mit einem ausgefeilten Gutscheinsystem an den Markt: Wer beispielsweise einen Schadensfall bei einer Versicherung hatte, sollte mit Optiopay wählen können, ob er 100 Euro in Bar erstattet haben will – oder einen Gutschein bei einem Online-Händler im Wert von 120 Euro bekommen möchte.

Die ruhigen Jahre nach der turbulenten Startphase hat Optiopay genutzt, um sich weiterzuentwickeln. Erst kürzlich ist die erfahrene Managerin Nicola Breyer von Paypal gekommen, um den Vertrieb anzukurbeln. Das Produkt dreht sich nicht mehr nur um Gutscheine, mittlerweile bietet Optiopay unterschiedliche Funktionen an: Beim Stromanbieter, der Optiopay verwendet, können die Kunden ihr Bankkonto verbinden. Das Unternehmen zeigt ihnen dann nach einer Kontoanalyse passende andere Werbekampagnen an und verdient zusätzlich an den Provisionen, wenn jemand etwas kauft. „Menschen geben ihre Kontodaten nur frei, wenn sie dadurch einen finanziellen Vorteil sehen“, sagt Gründer Oliver Oster. Dies könne in Form von Gutscheinen oder zugeschnittenen Angeboten passieren.

Wer beispielsweise im Biomarkt einkauft, erhält ein Angebot für einen Ökostrom-Tarif, sagt Breyer. In anderen Fällen würde die Kontoanalyse ergeben, dass der Kunde noch zu wenig spart. Dann empfiehlt das Optiopay-System zum Beispiel ein Depot für ETF-Sparpläne. Knapp 70 Unternehmen verwenden Optiopay bereits, darunter Sparkassen, die Comdirect, die Deutsche Post sowie Versicherungen wie Axa und Gothaer. Zu den etwa 150 Werbepartnern zählen Amazon, Adidas oder Zalando. Aus diesem Netzwerk kann Optiopay die verschiedenen Werbeangebote verbinden.

„Die Firmen haben verstanden, dass die Produkte nicht mehr zwangsläufig von ihnen kommen müssen, sondern sie im Zweifel mit anderen Produkte Geld verdienen können – das wichtige ist der Kundenzugang“, sagt Oster. Der Stromanbieter könne etwa Geld verdienen, wenn er Umzüge oder Telefonverträge vermittelt. „Für viele besteht die Gefahr, dass sie zu Zulieferern von Vergleichsportalen wie Check24 werden“, so der Gründer.

Die neue Finanzierungsrunde soll nun das Wachstum beschleunigen. Insgesamt 5,25 Millionen Euro haben die beiden neuen strategischen Investoren sowie bestehende Gesellschafter in das Unternehmen gesteckt – die Bewertung soll bei etwa 26 Millionen Euro liegen. Mit seinen Kunden will Optiopay weiter expandieren, bislang ist das Fintech in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden aktiv.

Die neuen Investoren arbeiten derweil an gemeinsamen Projekten: Mit Metro soll eine Plattform für Restaurants und Läden entstehen, die dort zum Beispiel ihre Verträge managen können und Vorschläge für einen neuen Stromvertrag bekommen. Das Schweizer Unternehmen Avaloq, das kürzlich durch das IT-Chaos bei der Apobank in die Schlagzeilen geraten war, soll beim Vertrieb helfen. Optiopay werde in das Kernbanksystem integriert und könne so von den Banken leichter verwendet werden, heißt es.

Schon im vergangenen Jahr konnte Optiopay seinen Umsatz steigern. 2019 setzte das Unternehmen durch Gutscheine und Provisionen 4,5 Millionen Euro um – eine Million mehr als im Vorjahr. Die Verluste sind gleichzeitig gesunken, von 3,2 Millionen auf zwei Millionen. Auch in den ersten sieben Monaten dieses Jahres zogen die Erträge an – auf 3,6 Millionen Euro (Vorjahr: 2,5 Millionen), das zeigen Geschäftszahlen, die Finance Forward vorliegen. Mitte 2018 waren die Verluste noch höher als die Umsätze, wie ein Bericht von Gründerszene zeigte.

Das Fintech scheint mit einem erweiterten Produkt und den strategischen Partnern auf einem guten Weg – echter Fortschritt statt dem übertriebenen Hype der Anfangszeit.

Die Optiopay-Gründer Marcus Börner (links) und Oliver Oster (Bild: PR).
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