Mcmakler-CEO Felix Jahn (Foto: PR)

Immobilien-Boom: Mcmakler steigert Bewertung auf 400 Millionen Euro

Exklusiv: Das Berliner Startup Mcmakler wächst weiter stark – trotz der Einbrüche im Frühjahr. 2020 peilt das Unternehmen einen Umsatz von 50 Millionen Euro an. Die Bewertung ist bei der Finanzierungsrunde stark gestiegen. Wie geht es weiter?

Felix Jahn gehört nicht zu den lauten Startup-CEOs. Dabei hat er über die Jahre eine der aussichtsreichsten neuen Immobilien-Firmen aufgebaut. Gerade durch Fernsehwerbung ist die Marke Mcmakler bekannt geworden – allein im vergangenen Jahr gab das Startup dafür 22 Millionen Euro aus, wie Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen zeigen.

Die aggressiven Werbekampagnen haben sich auch in den Umsatzzahlen niedergeschlagen: Mcmakler steigerte den Umsatz jedes Jahr massiv. Das Startup fungiert beim Verkauf von Immobilien als Makler und bedient sich dabei digitaler Tools. Auch im Krisenjahr 2020 gelang dabei ein großer Umsatzsprung.

Im Frühjahr sah das noch anders aus, der Lockdown und die Kurzarbeit lösten Unsicherheit aus. „Alle waren in eine Schockstarre verfallen“, sagte McMakler-Chef Jahn dem Wirtschaftsmagazin Capital. Ab Ende April sei die Nachfrage wieder massiv gestiegen, gerade bei den privaten Immobilienkäufern. Für das weitere Wachstum hat die Berliner Firma gerade 50 Millionen Dollar eingesammelt, hieß es in Medienberichten.

Prominente Investoren legen nach, Lakestar hat seine Anteile verkauft

Tatsächlich war der Deal noch umfangreicher: 60 Millionen Euro sind insgesamt geflossen, davon haben Altinvestoren für 20 Millionen Euro Anteile verkauft, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Neuer Großinvestor ist das Private-Equity-Unternehmen Warburg Pincus – der ehemalige Telekom-Chef René Obermann und heutige Europa-Chef habe sich bei dem Geldgeber für den Deal stark gemacht, berichtete das Handelsblatt.

Prominente bestehende Investoren wie der britische Wagniskapitalgeber Balderton haben nachgelegt, die Berliner Target Global und Cavalry sind laut Finance-Forward-Informationen ebenfalls mitgezogen. Lakestar, der VC von Klaus Hommels, hat dagegen seine Anteile an Warburg Pincus und andere Investoren verkauft – und ist damit ausgestiegen. Es hatte bereits vor fünf Jahren in die Berliner Firma investiert.

Aus dem Startup-Umfeld heißt es, die Unternehmensbewertung liege aktuell bei 400 Millionen Euro. Damit ist der Firmenwert in den vergangenen drei Jahren nach oben geschnellt.

Das weitere Geld fließt nun in den nächsten Wachstumsschritt: Das Startup verfolgt die Strategie, seine Makler im Unternehmen anzustellen und nicht mit Selbstständigen zu kooperieren. So will das Unternehmen die Qualität besser kontrollieren. Die Hälfte der 600 Mitarbeiter sind Immobilienmakler. Etwa sieben Prozent des Preises verdient das Startup bei jedem verkauften Haus. Es handelt sich dabei um die übliche Maklerprovision.

In den vergangenen Jahren konnte Mcmakler mit diesem Geschäft stark wachsen, wie das Online-Magazin Gründerszene zuerst berichtete. Die Umsätze lagen 2017 noch bei 5,2 Millionen Euro. In diesem Jahr wird das Ergebnis zehnmal so hoch sein, bei ungefähr 50 Millionen Euro, wie es aus dem Umfeld der Firma heißt. „Die Kosten werden deutlich unterproportional zum Umsatz wachsen“, heißt es im Geschäftsbericht als Prognose für das Jahr 2020.

Noch ist viel Platz für Wachstum. Die bekannte Marke Engel & Völkers erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 820 Millionen Euro, der Markt ist zudem sehr fragmentiert. Es gibt viele selbstständige Makler, ein Marktführer mit hohen Anteilen ist nicht in Sicht.

Mcmakler gehört zu einer Reihe von Startups, die dafür angetreten sind – nach einer Hype-Phase sind noch wenige am Markt übrig geblieben. Zu den Konkurrenten zählt etwa Hausgold, bei dem die Deutsche Bank eingestiegen ist. Ein weiterer Wettbewerber ist Homeday, in das der Verlag Axel Springer und der britische Digitalmakler Purplebricks viel Geld gesteckt hat. Nach einer Finanzierungsrunde über 40 Millionen Euro gehört Purplebricks und Axel Springer die Mehrheit an Homeday.

Ein nächster Schritt könnte in den nächsten Jahren für Mcmakler folgen. Bislang organisiert der Digitalmakler die Bewertung, erstellt die Exposés, vermarktet die Häuser und Wohnungen zum Beispiel auf Plattformen wie Immobilienscout und kümmert sich um die Besichtigungen. Doch sollte die eigene Marke noch bekannter werden, könnten auch mehr und mehr Kaufinteressenten direkt auf die Websites der Anbieter kommen. Das Startup könnte sich aus diesem Grund einen Teil der Vermarktung sparen und seinen Ertrag erhöhen.

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