In Hamburg, wo das Startup Hausgold sitzt, sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. (Bild: Tobias Zils/Unsplash)

Deutsche Bank legt bei Hausgold nach

Exklusiv: Das Hamburger Proptech-Startup Hausgold vermittelt Makler an Immobilienverkäufer. Nun beteiligen sich die Altinvestoren mit einem weitere Millionenbetrag. Was hat der Gründer damit vor?

Für den 10. Dezember hat Christian Sewing, der Chef der Deutschen Bank, zum „Investor Deep Dive“ nach Frankfurt geladen. Dort will er seinen Geldgebern erklären, wie der Plan, sein Unternehmen radikal umzubauen, funktioniert. Das Investmentbanking soll etwa an Bedeutung verlieren – und das Geschäft mit Privatkunden wieder wichtiger werden.

Startup-Investments spielen dafür keine bedeutende Rolle – noch. Denn das Unternehmen setzt weiter darauf, sich an Fintechs zu beteiligen, das gehört zur Plattformstrategie der Bank. Erst kürzlich verkündete das Institut ein Investment in die Zinsplattform Deposit Solutions. Teil des Deals: Die Deutsche Bank vertreibt das Anlageprodukt verstärkt, zum Beispiel an die 13 Millionen Postbank-Kunden.

Hausgold wird ebenfalls eine Rolle spielen, wenn Deutschlands größte Bank sich zur Plattform entwickeln will. Im vergangenen Jahr war das Geldinstitut bei dem Proptech-Startup eingestiegen, jetzt legt es nach. Was steckt dahinter?

2014 gegründet, war Hausgold bislang eher unter dem Radar unterwegs. Über die Plattform werden freiberufliche Makler an Verkäufer von Immobilien vermittelt. Über Tools bekommt der Verkäufer weitere Informationen, zum Beispiel über die Zahl der bisherigen Besichtigungen. Startup und Makler teilen sich die Provision.

Ein Jahr später stürzten sich eine Reihe von Unternehmen auf ähnliche Geschäftsmodelle – sie scheiterten zum Großteil aber am komplizierten Geschäft vor allem mit der Vermittlung von Wohnungen zur Miete. Mittlerweile fokussieren sich die Startups auf den Hausverkauf, mit digitalen Angeboten sind etwa McMakler, Maklaro und Homeday am Markt.

Der größte Player im Markt ist McMakler, das Startup stemmte zuletzt eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro. Der Berliner Anbieter stellt viele seiner Makler direkt an. Hausgold geht einen anderen Weg und setzt auf Selbstständige.

Obwohl es bislang eher unbekannt ist, stehen hinter Hausgold prominente Geldgeber: Neben der Deutschen Bank finanzierte auch Rocket Internet das Startup. Außerdem ist Scout24-Gründer Joachim Schoss einer der Finanziers, der über ein großes Netzwerk in der Immobilienbranche verfügt.

Sebastian Wagner hat 2014 das Startup Hausgold gegründet. (Bild: PR)
Hausgold-Gründer Sebastian Wagner. (Bild: PR)

Schoss und die Deutsche Bank legen jetzt in einer Finanzierungsrunde nach, wie das Unternehmen Finance Forward bestätigte. Es soll dabei ein „mittlerer einstelliger Millionenbetrag“ fließen. Darin sei allerdings ein Bankkredit von zwei Geldinstituten enthalten, heißt es. Nach den Plänen von Gründer Sebastian Wagner soll das Unternehmen spätestens Ende 2020 profitabel arbeiten.

Durch die Struktur mit den freiberuflichen Maklern sei das Geschäft nicht so kapitalintensiv, betont Wagner im Gespräch mit Finance Forward. Der Umsatz habe sich 2019 verdoppelt – zu konkreten Zahlen macht das Unternehmen aber keine Angaben. Mit der Finanzierung will Hausgold das Wachstum anheizen und das Management erweitern. Geldgeber Schoss sieht in Hausgold „vielleicht mein nächstes Proptech-Unicorn“, auch wenn die Bewertung des Unternehmens von einer Milliarde noch weit entfernt sein dürfte.

Beim Wachstum soll die Deutsche Bank ebenfalls verstärkt helfen. So wird die Werbung von Hausgold beispielsweise im Online-Banking bestimmten Kunden angezeigt. Dies wollen die Bank und das Startup ausweiten.

Mit weiteren Startup-Beteiligungen wie Vermietet.de kooperiert die Deutsche Bank ebenfalls. Es gehört zur Strategie der Bank, künftig auch Produkte von anderen Anbietern an die eigenen Kunden zu verkaufen. Mit ziemlicher Sicherheit wird CEO Sewing das auch beim Kapitalmarkttag nächste Woche zum Thema machen.

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