Viele Kunden haben Mastercard- und Visa-Kreditkarten im Portemonnaie (Bild: imago images/ZUMA Press)

Mastercard & Visa – die heimlichen Gewinner der Fortune 500

Das US-Magazin Fortune kürt jedes Jahr die 500 umsatzstärksten US-Firmen. In der Auflistung lassen sich auch die profitabelsten Unternehmen finden – das sind in diesem Jahr zwei Kreditkartenfirmen. Was machen Mastercard und Visa gerade richtig?

Manchmal ist die bessere Geschichte nicht die offensichtliche. Manchmal muss man danach suchen, in langen Zahlenreihen und Tabellen – zum Beispiel in der Fortune 500, jener legendären Liste der umsatzstärksten US-Konzerne, die das gleichnamige Magazin jährlich auf mehreren Zeitungsdoppelseiten präsentiert. Seit 2012 belegt der Handelsgigant Walmart den ersten Platz, Amazon hat es 2019 auf den zweiten Platz geschafft, durch die Coronakrise wird der Online-Händler im kommenden Jahr sicherlich noch einmal zulegen. Das ist die offensichtliche Story.

Ein paar Spalten weiter ist jedoch eine weitere wichtige Kategorie zu finden: die Gewinnmarge. Wer sich durch die Zahlenkolonnen gräbt, stößt auf ein unerwartetes Ergebnis: An der Spitze dieser Kategorie stehen gleich zwei globale Finanzunternehmen und Erzrivalen – Visa und Mastercard. Etwa die Hälfte ihres Umsatzes verbuchen die beiden Firmen als Gewinn – Margen, von denen die Handelsunternehmen an der Spitze nur träumen können. Die Umsatzrendite von Walmart liegt bei gerade einmal 2,8 Prozent.

Das ist die vielleicht noch spannendere Geschichte. Und sie wirft die Frage auf: Was macht die beiden Kreditkartenfirmen so erfolgreich?

Ein wichtiger Grund: Die beiden Kreditkartenunternehmen eint eine vergleichsweise dünne Personaldecke. Weltweit beschäftigt Mastercard laut Forbes 18.600 Mitarbeiter, bei Visa sind es 19.500. Das mag für sich nach viel klingen, aber Konkurrenten wie American Express (64.500) oder Paypal (23.200) beschäftigen jeweils deutlich mehr Angestellte mehr als die beiden Konzerne.

Das wiederum liegt an ihrem Geschäftsmodell: Sie stellen die Zahlungsinfrastruktur für Banken und Händler bereit – bei jeder Transaktion verdienen die Firmen einen kleinen Betrag mit. „Mastercard und Visa arbeiten mit einer schlanken Kostenstruktur, sie brauchen keinen Kundenservice, sondern müssen nur den Kontakt zu den Banken und Händlern halten“, sagt Jochen Siegert von Payment & Banking, der die Branche seit Jahren kennt. Er war selbst Manager bei Mastercard.

Zudem profitieren die beiden Unternehmen von mehreren Trends: Die Menschen zahlen insgesamt mehr mit Karte, auch wenn sich das starke Wachstum der vergangenen Jahre verlangsamen wird, wie es in einer Analyse der Beratung McKinsey heißt. Zusätzlich haben beide Konzerne allerdings auch eine starke Stellung im Online-Handel, dort kümmern sie sich abgesehen von der Zahlung zum Beispiel um Betrugserkennung oder Risikomanagement – ein zusätzliches Geschäft.

In das hochprofitable Business einzusteigen ist derweil schwierig. „Als Infrastrukturunternehmen besitzen sie eine gewisse Macht, neue Player kommen nur schwer in den Markt“, sagt Siegert. Die Europäische Zentralbank drängt die hiesigen Banken bereits, einen einheitlichen Standard einzuführen, um im europäischen Zahlungsverkehr weniger von Playern wie Mastercard und Visa abhängig zu sein. Ähnliche Bestrebungen gibt es bereits seit vielen Jahren. Kurzfristig ist jedoch nicht abzusehen, ob die Initiativen Erfolg haben.

Die Zahlen:

Visa

Umsatz: 22,97 Milliarden Dollar (2019)
Gewinn: 12,08 Milliarden Dollar
Gewinnmarge: 52,6 Prozent
Gewinn pro Mitarbeiter: ca. 620.000 Dollar

Mastercard

Umsatz: 16,883 Milliarden Dollar (2019)
Gewinn: 8,118 Milliarden Dollar
Gewinnmarge: 48,1 Prozent
Gewinn pro Mitarbeiter: ca. 440.000 Dollar

Auch bei ihren Produkten sind die beiden Payment-Riesen schwer anzugreifen. Denn: „Gleichzeitig investieren die beiden Unternehmen viel in Innovationen und schauen, wie der Markt sich entwickelt“, sagt Siegert. Sie bieten etwa virtuelle Kreditkarten für den Online-Handel.

Und: Gerade Visa investiert zunehmend in Startups. Der Konzern ist zum Beispiel an der Berliner Solarisbank beteiligt, deren Fintech-Kunden nun Visa-Karten vergeben können, wie etwa der gerade gestartete Hoffnungsträger Vivid (Finance Forward berichtete). Andere Smartphone-Banken wie N26 setzen dabei auf Mastercard – der Rivale betreibt zudem einen Fintech-Accelerator, der gerade in Europa durchstartet.

Für Aufsehen sorgte auch ein großer Zukauf: Visa übernahm vor einigen Monaten das API-Startup Plaid für 5,3 Milliarden US-Dollar. Das Fintech bündelt die Finanzinfos verschiedener Anbieter. Bei einem anderen Innovationsprojekt – Facebooks Digitalwährung Libra – verabschiedeten sich die beiden aber wieder, der regulatorische Druck war zu groß.

In den vergangenen Monaten hatten beide Firmen auch mit der Coronakrise zu kämpfen. Weil die Menschen weniger bezahlen, verdienen auch Mastercard und Visa weniger. Mittlerweile habe sich die Situation wieder stabilisiert, teilte Mastercard kürzlich mit. Die Finanzmärkte sehen das ähnlich: Die Aktienkurse beider Firmen sind in den letzten Wochen wieder stark gestiegen.

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