Die Visa-Kreditkarte ermöglichte zeitweise saftige Rabatte (Bild: imago/mix1)

40-Prozent-Rabatt mit Visa-Kreditkarten: Finanzkonzern deutet Ende an

Ein Shopping-Trick kursiert im Internet: Wer mit seiner Visa-Kreditkarte bezahlt, kann bis zu 40 Prozent bei den Online-Einkäufen sparen – er muss dafür nur Argentinischen Peso verwenden. Der Kreditkarten-Konzern hält sich zu den Hintergründen bedeckt. Doch ein Dokument gibt nun Aufschluss, wie es weitergehen könnte.

Die Aufregung war groß. „Paypal-Knaller! Nutzer sparen 40 Prozent auf ALLES“, titelte die Bild-Zeitung. Unzählige Medien berichteten in den vergangenen Tagen über einen Rabatt-Trick. Er klang zu gut, um wahr zu sein: Online-Shopper konnten mit einer Visa-Kreditkarte und einem Paypalkonto die hohe Vergünstigung bekommen, wenn sie in Argentinischen Peso bezahlten. Schnäppchenjäger schrieben von günstig gekauften Gutscheinen, Reisen und iPhones.

Der Fall wirft Fragen auf. Wer zahlt am Ende die Rechnung? Welche Rolle spielt Paypal? Und welche Konsequenzen hat der Fall für Visa? Die beiden Milliardenkonzerne hüllen sich bislang in Schweigen. Doch in dem Schreiben an einen Payment-Partner, das Finance Forward vorliegt, kündigt Visa nun offenbar ein Ende des Schlupflochs an.

Eine Währung für Touristen

Eine politische Entscheidung Argentiniens hatte den Trick überhaupt erst möglich gemacht. Um für Touristen trotz seiner immensen Inflation ein attraktives Reiseziel zu bleiben, gewährt das Land seit Mitte Dezember einen deutlich besseren Wechselkurs, wenn sie mit einer Kreditkarte einkaufen. Weil das aber bekannt wurde, nutzten Verbraucherinnen und Verbraucher diese Lücke im System – obwohl sie sich gar nicht im Land befanden. Dazu stellen sie die Währung beispielsweise in ihrem Paypal-Konto auf Argentinische Peso um.

Besonders in Deutschland kursieren Informationen dazu, seit am Dienstag auf der Schnäppchenplattform Mydealz ein Forumeintrag dazu erschienen ist, der inzwischen mehr als 60.000 Mal kommentiert wurde. Funktionieren würden die Visa-Karten unter anderem bei Banken wie Vivid, DKB, Barclays, ING oder Klarna, heißt es dort.

Fast überall wird der Fall mit Paypal in Verbindung gebracht. Auch Visa versucht, den Blick auf Paypal zu richten. Das Unternehmen würde sich „stand jetzt zu einer Anfrage nicht äußern“, heißt es von einer Sprecherin. Gleichzeitig sagt sie: „Wir würden Sie bitten, sich direkt an Paypal zu wenden.“ Laut Bild haben sich Nutzer untereinander über Paypal umgerechnet 1.000 Euro gesendet, aber nur 600 Euro wurden belastet.

Paypal hat dem Trick mittlerweile einen Riegel vorgeschoben. Visa nicht, mit der Kreditkarte ist es weiter möglich den genannten Rabatt zu bekommen, heißt es in den Foren. Der jeweilige Händler muss allerdings eine Zahlung in Argentinischen Peso ermöglichen – das ist nicht bei vielen Portalen der Fall. In Deutschland beispielsweise bei Reiseportalen wie Omio oder Getyourguide oder Fluggesellschaften wie Turkish oder Qatar Airways.

Visa erstattet die Differenz

Bei einem großen Händler komme bislang 100 Prozent des Kaufpreises an, heißt es gegenüber Finance Forward. Öffentlich will man sich nicht äußern. In einem internen Schreiben des niederländischen Zahlungabwicklers Adyen, das Finance Forward vorliegt, heißt es: Zwischen dem 15. Dezember 2022 und dem 28. Januar 2023 wende Visa auf den gesamten über Argentinische Peso abgewickelten Zahlungsverkehr nur den Eingangswechselkurs an. „Der Saldo, der sich aus der Differenz zwischen dem Wechselkurs für eingehende Zahlungen und dem Wechselkurs für ausgehende Zahlungen ergibt, wird den Acquirern später von Visa erstattet“, heißt es. Offenbar erstattet Visa die Differenz.

Ab dem 28. Januar wolle Visa die Ankaufs- und Verkaufskurse so anpassen, dass sie sich bei der Verarbeitung von Transaktionen in Argentinischen Peso „anders“ verhalten. Der Trick dürfte damit wahrscheinlich nicht mehr funktionieren.

Die kurzfristige Änderung für eine bestimmte Währung durch Visa führe für Adyen zu einem Risiko, das außerhalb seiner Risikobereitschaft liegt, schreibt der Zahlungabwickler. Und: „Sollte Visa tatsächlich diese Änderungen vornehmen, ist Adyen gezwungen, die Verarbeitung aller über Adyen abgewickelten Visa-Transaktionen in Argentinischen Peso vollständig einzustellen.“ Adyen war kurzfristig auf Anfrage von Finance Forward nicht für einer Stellungnahme zu erreichen. Der Zahlungsanbieter Stripe hat die Auszahlungen bereits pausiert, wie aus einer Mitteilung an seine Kunden hervorgeht.

Das Schlupfloch zu bis zu 40 Prozent Rabatt bleibt Verbrauchern offenbar bis Samstag offen. Beim großen Konkurrenten Mastercard funktionierte der Trick derweil nicht. Wer am Ende den Schaden trägt, ist bislang offen. Auch dazu schweigt Visa.

Tägliche Fintech-News in Dein Postfach!