Auf dem Sprung nach Europa: die Honey-App (Bild: PR).

Paypals Rabatt-Portal Honey kommt nach Europa

Exklusiv: Für vier Milliarden Dollar kaufte der Payment-Riese Paypal das Startup Honey, das bislang aber hinter seinen Erwartungen zurückblieb. Nun expandiert die Rabatt-App gleich in mehrere europäische Märkte. Was hat Paypal mit seiner teuren Wette vor?

Zwei Gewinner stehen in der Sache bereits fest: Ryan Hudson und George Ruan. Nachdem die beiden Gründer 2012 das Rabattportal Honey gestartet hatten, standen sie mit ihrer Browser-Erweiterung, mit der sich Vergünstigungen auf Webseiten finden lassen, mehrfach vor dem Aus. Doch die US-Firma berappelte sich und kam über die Jahre schließlich auf mehr als zehn Millionen Nutzer – und im Herbst 2019 schlug dann der Payment-Konzern Paypal zu und kaufte das Unternehmen für vier Milliarden Dollar. Allein die beiden Gründer verdienten 1,5 Milliarden.

Für Paypal muss sich der teure Zukauf allerdings noch auszahlen. CEO Dan Schulman hat große Pläne, er will die Wunschlisten von Honey in das Paypal-Produkt integrieren. Die Listen funktionieren so: Sinkt der Preis eines gesuchten Gegenstandes im Netz, erhalten die Nutzer eine Benachrichtigung.

Ähnlich wie für das in den USA populäre Krypto-Feature plant Schulman für die Rabatt-App ebenfalls den internationalen Rollout. Den deutschen Markt hatte Honey bereits im Frühjahr 2020 getestet, wie Finance Forward damals berichtete. Nun startet der Paypal-Ableger mit einer eigenen App in Deutschland sowie in vier weiteren Ländern.

Große Aufschwung für Paypal

Ein Firmensprecher wollte sich nicht zu den Plänen äußern, doch in den App-Stores ist seit zwei Monaten eine deutsche App zu finden. Einen Monat später folgte die Nachricht: „Wir sind jetzt online in Spanien, Frankreich, Italien sowie den Niederlanden.“ Honey hat zudem Websites in die verschiedenen Sprachen übersetzt und schaltet auch weiterhin Werbung in Deutschland.

Erste deutsche Angebote sind beispielsweise für den Erotik-Shop Eis.de zu finden. Die zurückhaltende Kommunikation von Paypal deutet darauf hin, dass die Firma einen vorsichtigen Start plant. Erst wenn viele attraktive Deals auf der Plattform zu finden sind, wird der Service auch für Nutzer attraktiv. Solange wird die Firma wahrscheinlich warten.

Paypal will den Rabatt-Service stärker an seine 377 Millionen Kunden auf der ganzen Welt heranführen. In den vergangenen Monaten hat der Konzern einen wahren Aufwind erlebt, der Börsenkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um 71 Prozent gestiegen, zurzeit wird die Firma aus San José mit 350 Milliarden Dollar bewertet. Dan Schulman hat bereits angekündigt, aus dem Payment-Service eine Super-App machen zu wollen. Der Rabatt-Service würde das Produkt gut ergänzen.

Honey spielt kleine Rolle

In dem aktuellen Aufschwung spielte Honey bislang aber noch eine untergeordnete Rolle. Um 21 Prozent wuchs der Umsatz von Paypal im vergangenen Jahr, doch nur ein Prozentpunkt stammte von Honey. Bei einem Zuwachs von 3,7 Milliarden Dollar steuerte Honey also nur rund 170 Millionen Dollar an Umsatz bei.

Damit scheint Honey hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Bereits 2018 lag der Umsatz nämlich bei 100 Millionen Dollar. Nach Finance-Forward-Informationen soll vor dem Verkauf an Paypal für das Jahr 2020 ein Umsatz von 450 Millionen Dollar anvisiert worden sein. Das berichteten damals Insider.

Noch steht der Beweis aus, dass Honey seine vier Milliarden Dollar wert ist. In den eigenen Büchern bewertet Paypal seinen Zukauf selbst nur mit rund 700 Millionen Dollar, bei knapp 2,9 Milliarden handelt es sich um einen sogenannten Goodwill. Dieser Hoffnungswert muss sich jetzt materialisieren – eine erfolgreiche Expansion würde dabei helfen.

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