Grovers Gründer und CEO Michael Cassau (Bild: PR)

Grover launcht eine Visa-Karte mit der Solarisbank

Exklusiv: Grover bietet seinen Kunden künftig eine Visa-Debitkarte, die mit jeder Nutzung Vergünstigungen bei dem Elektronik-Vermieter verspricht. Das Berliner Startup setzt dabei auf die Solarisbank als Partner.

Michael Cassau will das Buzzword „Embedded Finance“ endlich mit etwas handfestem untermauern: Am Mittwoch launcht sein Startup Grover eine eigene Visa-Debitkarte. Die Kunden des Vermieters von Elektronikgeräten können die Karte wie eine normale Bankkarte benutzen und tägliche Einkäufe bezahlen. Für Transaktionen bekommen sie Rewards, die dem Unternehmen durch Vergünstigungen weitere Abos bringen sollen, so der Plan dahinter.

Für das Angebot partnert Grover mit der Solarisbank, die ihre Infrastruktur und Banklizenz dafür bereitstellt. Dass Tech-Unternehmen wie Grover, die auf den ersten Blick mit Fintech wenig zu tun haben, Banking-Produkte integrieren, ist ein wachsender Trend – im Fachjargon „Embedded Finance“ genannt. Lieferando hat kürzlich eine Debitkarte für Spesenprogramme in Unternehmen gelauncht. Auch Gorillas arbeitet an einer eigenen Kreditkarte (Finance Forward berichtete).

Mit Grover wagt sich nun ein Startup mit Endkundenfokus in das Segment. Mit Gorillas oder Lieferando will Gründer Cassau sein Angebot nicht verglichen wissen. „Weil wir bereits Finanzprodukte anbieten und jeden Monat an der Zahlungsschnittstelle zu unseren Kunden stehen, hat das Geschäftsmodell von Grover schon ganz grundsätzlich eine größere Nähe zu Fintech-Modellen, als es im Foodtech- oder Delivery-Segment der Fall ist“, sagt er im Gespräch mit Finance Forward. „Wir werden da mehr den Fintech-Angeboten von Amazon und Miles & More ähneln als den Karten von Gorillas und Lieferando.“

Mehr vermietete Produkte pro Kunde

Für sein Unternehmen, das aktuell 150.000 aktive Kunden führt, soll die Rechnung schnell aufgehen – auch wenn die Debitkarte für Grover-Kunden kostenlos sein wird: „Wenn für drei Jahre Kartennutzung nur eine weitere Subscription hinzukommt, dann hat sich das schon für uns gelohnt.“ Auch kalkuliert Cassau von Beginn an, dass das Gros der Bestandskunden das Angebot nicht nutzen wird, und rechnet mit „einigen Prozentpunkten der gesamten Grover-Kunden“. Auf der Warteliste stünden derzeit 7.000 Kunden.

Neben dem generellen Nutzerwachstum (Grover ist kürzlich in den USA gelauncht, Finance Forward berichtete) wird auch die Metrik der vermieteten Produkte pro Kunde für das Unternehmen immer wichtiger. Aktuell liegt die Zahl bei 1,8 – in einer Wachstumsphase des Startups ist das eine bemerkenswerte Errungenschaft: In der Regel mieten Kunden ihr zweites Produkt erst zu einem späteren Zeitpunkt, die „echte“ Zahl an Produkten pro Kunden, von den Neukunden bereinigt, dürfte also noch wesentlich höher liegen.

Die engere Bindung der bestehenden Kunden ist ein Erfolg, der Grover auch bei der Entscheidung zur eigenen Debitkarte geholfen haben wird. Die Debitkarte sollen die Entwicklung weiter befeuern. „Berührungspunkte zu Grover werden so nicht mehr nur monatliche Abo-Zahlungen sein, sondern ein positiv-behaftetes Reward-Programm“, sagt Cassau.

Das rasante Wachstum hat allerdings auch seinen Preis: Erst vor wenigen Monaten nahm Grover eine Kreditfinanzierung über 850 Millionen Euro auf, insgesamt hat das 2015 gegründete Unternehmen laut Crunchbase 1,4 Milliarden Dollar eingesammelt. Die Expansion auf den US-Markt, die 2016 schon einmal angekündigt und dann auf Eis gelegt wurde, wird das Wachstum nochmal beschleunigen. Ein zunächst teures Vergnügen, denn die Firma muss die Geräte vorfinanzieren, bevor sie den Wert durch Mieteinnahmen wieder einnehmen kann.

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