Google versucht sich ab sofort im Bankwesen (Bild: Arthur Osipyan/Unsplash)

Googles Kontenpläne und die Frage nach Europa

Seit Ende 2019 verfolgt nach Facebook, Apple und Amazon auch Google eigene Pläne, in die Bankenbranche einzusteigen. Eine Expansion nach Europa wird beim Suchmaschinenkonzern dabei erwogen – steht aber nicht unmittelbar bevor, sagt der Google-Europachef im Interview.

Eine Bank wollen sie nicht werden, das betonen Google, Apple, Facebook und Amazon immer wieder. Und dennoch: Die US-amerikanischen Big Techs stoßen in den Personal-Finance-Markt vor. Apple hat mit Goldman Sachs eine eigene Kreditkarte herausgegeben, Amazon ist mit Banken in Gesprächen für ein gemeinsames Girokonto und Facebook arbeitet an der Vision einer globalen Digitalwährung, Libra.

Im vergangenen November berichtete das Wall Street Journal dann: Google plane ebenfalls, Banking als neues Geschäftsfeld zu erschließen. Projektname: Google Cache – offenbar eine Anspielung auf das Wort Cash, also Bargeld.

„Zunächst: Google ist keine Bank, und wir wollen auch keine werden“, sagt Europachef Matt Brittin dazu im Gespräch mit Finance Forward. „Aber wir kooperieren gerade mit mehreren Finanzinstituten in den USA, um zu sehen, ob wir unsere Google-Pay-Dienste mit klassischen Konten verknüpfen können.“

Google Pay könnte bald 100 Millionen Nutzer haben

Google werde bei dem Produkt nicht im Vordergrund stehen, betont das Unternehmen. Die Konten werden zunächst von einer der größten US-Banken, der Citigroup, sowie der Kreditgenossenschaft der Stanford Universität angeboten, die schon geografisch eine Nähe zu Google aufweist.

Im Gegensatz zur Apple-Kreditkarte will Google auch nicht als Marke für die Karte herhalten. Im Vordergrund werden die Institute stehen. Für Google von Interesse ist ohnehin ein anderer Aspekt: die Kundendaten.

Der Zugriff auf das Konto wird über das digitale Wallet von Google ablaufen, Google Pay. Das Unternehmen arbeitet schon länger an verschiedenen Konzepten, der App zu mehr Aktivität zu verhelfen, die Kooperation zu einem eigenen Konto ist der neueste Versuch. 2020 könnte Google Pay erstmals 100 Millionen Nutzer erreichen, vor zwei Jahren waren es noch 39 Millionen.

Kein Verkauf von Daten für Werbezwecke

Die unter Tech-Konzernen beliebten Datensätze könne das Unternehmen dann mit eigenen Produktlinien verbinden, etwa Kundenbindungs- und Treueprogramme, sagte Google-Manager Caesar Sengupta dem Wall Street Journal. Davon sollten sowohl Kunden als auch Banken profitieren. Der Verkauf von Daten für Werbezwecke stünde jedoch nicht zur Debatte.

Es wäre wohl auch kein kluger Schritt in einer Zeit, in der Tech-Konzerne ohnehin mit massiven Vertrauensproblemen zu kämpfen haben, insbesondere in Bezug auf Privatsphäre und Datenschutz. Gleichzeitig sind Kontodaten besonders sensibel. Der Schritt in die Finanzwelt muss deshalb umsichtig und gut geplant angegangen werden. Für Google, Amazon, Facebook und Apple gibt es keinen Vertrauensvorschuss. Das bestätigt auch eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey.

Google lagert nicht zuletzt deshalb auch die Themen Infrastruktur und Compliance für das Projekt an Banken aus. Für ein eigenes Konto bräuchte das Unternehmen zudem eine Banklizenz, die es in der Form nicht hat. (Seit Ende 2018 hat Google eine E-Money Lizenz in Europa, dabei handelt es sich jedoch nicht um eine vollwertige Banklizenz.)

Google-Europachef: „Wenn es sich als erfolgreich erweist …“

Das Produkt werde zunächst nur auf dem US-Markt ausgerollt, betont auch Google-Europachef Brittin. Erst im zweiten Schritt sei eine Ausbreitung des Angebots auch auf den europäischen Markt denkbar. „Wir machen das zunächst in den USA“, sagt er. „Wenn es sich als erfolgreich erweist, schauen wir uns das erneut an und überlegen, ob es auch anderswo sinnvoll sein könnte.“

Ähnlich sieht das auch beim Konkurrenten Apple aus. Die Kooperation mit Goldman Sachs läuft nur in den USA. Sollte eine Ausweitung nach Europa im Raum stehen, müsste das auch mit einer anderen Bank passieren, heißt es aus Unternehmenskreisen. Konkrete Pläne gebe es aber nicht.

Der europäische Markt ist kleinteiliger als der US-Markt, nicht nur aufgrund der zahlreichen Sprachräume, sondern auch im Bezug auf Gesetzgebung. Das macht schnelles Wachstum anspruchsvoller als im riesigen Binnenmarkt der USA.

Eine ausführliche Version des Interviews mit Google-Europachef Matt Brittin gibt es auf Capital.de; Mitarbeit: Nils Kreimeier, Caspar Tobias Schlenk.

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