Tiefenentspannt: Fincite-Gründer Ralf Heim im Urlaub in Kroatien (Bild: privat)

„Bei Bitcoin bin ich zu früh ausgestiegen“ – der Fincite-Gründer über seine persönliche Geldanlage

Trading-Apps, Robo-Advisor oder Krypto-Investments – Fintech-Gründer versuchen Nutzer dazu zu bringen, ihr Geld anders anzulegen. Aber in was investieren sie eigentlich selbst? In unserer Serie „Anlageprotokoll“ öffnet Ralf Heim, Gründer von Fincite, seine privaten Bücher. Protokoll: Caspar Tobias Schlenk

Geld stand für mich nie im Vordergrund. Vor circa sieben Jahren aber habe ich eine wichtige Entscheidung in meinen Leben getroffen, die meinen Umgang damit seither steuert: Ich möchte die Freiheit haben, meine Zeit in die Themen zu stecken, die mir was bedeuten – ohne auf ein regelmäßiges Einkommen achten zu müssen. Damals habe ich mich entschieden, meinen Lebensstil einfach zu halten und mir einen Kapitalpuffer zu erarbeiten.

Diese Ausgangssituation hat es mir dann vor fünf Jahren einfacher gemacht, Fincite zu gründen. Wenn man ein Unternehmen startet, nimmt man entweder früh Geld von Investoren oder muss in der Lage sein, ein bis zwei Jahre ohne oder mit deutlich geringerem Einkommen ohne große Einschnitte leben zu können. Als meine Mitgründer und ich Fincite gegründet haben, entschieden wir uns bewusst gegen Investoren, um frei entscheiden zu können. Bis wir als B2B-Fintech die ersten großen Kunden hatten, mussten wir auf jeden Euro gucken. In der Firma und privat.

Mit dem Thema persönlicher, aber auch institutioneller Anlagen befasst sich auch Fincite. Wir haben eine Software gebaut, die Finanzdienstleister befähigt, neue Beratungs- und Vermögensverwaltungskonzepte schnell auszurollen und anzupassen. Die Software wird heute eingesetzt, um Beratern, Portfoliomanagern oder Vertrieblern dabei zu helfen, ihren Kunden eine hochindividualisierte und rechtssichere Strukturierung ihrer Anlage zu bieten. Einfach anpassbar auf die Anlagestrategien des Finanzdienstleister.

Daneben haben wir vor drei Jahren eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die Startups für den Finanzmarkt aufbaut. Mit Fincite Ventures halten wir heute sieben Beteiligungen. Die Entwicklung der Ventures hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Doch dabei verfolgen wir keinen kurzfristigen Ertrag. Wir möchten Impact haben.

Startup-Investments sind schwer planbar. Und man sollte idealerweise bei Entscheidungen als Gesellschaft nicht den Druck haben, die private finanzielle Situationen ausgleichen zu müssen. Daher nehme ich die Ventures gerne aus meiner privaten Finanzplanung raus.

Auch privat hat sich seit der Gründung einiges verändert. Vor gut einem Jahr kam mein Sohn zur Welt. Damit steigt das Bedürfnis nach Sicherheit etwas.

So habe ich mein Geld angelegt:

Mein verfügbares Kapital habe ich deswegen in einer Kern-Satelliten-Strategie angelegt. Das heißt, ein großer Teil liegt in eher sicheren Anlagen, dem „Kern“; ein kleinerer Teil, meine „Satelliten“, sind exotische Anlagen, die oft mehr Rendite einbringen, aber auch riskanter sind. Die ganze harte Arbeit, die ich als Unternehmer und davor als freiberuflicher Berater geleistet habe, darf nicht umsonst sein.

Der Kern umfasst circa 60 Prozent und ist in verschiedene ETFs angelegt. Das Ziel ist hier eine breite Streuung bei niedrigen Gebühren. Die ETFs bilden die Firmenentwicklung von Unternehmen überall auf der Welt ab. Meine Auswahl hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Markt entwickelt. Ich achte dabei darauf, dass ich neben den bekannten Indizes wie MSCI auch in ETFs investiert bin, die die Schwerpunkte des MSCI (vorwiegend USA und Großunternehmen) ausgleichen.

Meine Satelliten sind einzelne Aktien, Privatkredite und alternative Investments. Bei Einzeltiteln bin ich mit Software-as-a-Service-Unternehmen gut gefahren. Ob das wirklich Marktverständnis oder Glück war, lässt sich schwer sagen.

In Konsumentenkredite investiere ich über die lettische Plattform Mintos – weil diese einen Zweitmarkt hat, sprich es gibt Teilnehmer, die überfällige Kredite abkaufen. Die durchschnittliche Rendite war hier neun Prozent, doch diese Kredite können natürlich jederzeit ausfallen, wenn der Kreditnehmer in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Gerade bei einer Wirtschaftskrise fallen diese Kredite oft als erstes aus. Bislang ging aber alles gut.

Alternative Investments habe ich vor ein paar Tagen mit Whisky gestartet. Hier wird mit Renditen von sechs bis zehn Prozent geworben – ich bin mal gespannt. Mit Kryptowährungen bin ich vor fünf Jahren sehr gut gefahren. Leider bin ich bei Bitcoin zu früh ausgestiegen. 2013 habe ich mir Coins zu einem Preis von vielleicht 50 Dollar gekauft. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit meinen Mitgründern bei einem Spaziergang in einem Park über das Thema sprach. Ich vertrat die Meinung, dass sich Bitcoin als Zahlungsmittel nicht weiter durchsetzen wird. Die Anzahl der Transaktionen wuchs langsamer als der Preis – und es gab nur wenig Möglichkeiten zu zahlen. Überzeugt von meiner intellektuellen Leistung verkaufte ich 2015 und verpasste, anders als meine Mitgründer, die Hypephase 2017. Zu Hochzeiten stand der Kurs bei 18.000 Euro. Heute halte ich noch ein paar Ether-Coins.

In der jüngeren Vergangenheit kamen dann ICOs. Hier hat es nicht so geklappt. Die Idee, als Investor direkt an der unmittelbaren Wertsteigerung mit einem handelbaren Anteil beteiligt zu sein, fand ich spannend. Finde ich auch nach wie vor – nur der Wert meiner Token ist aktuell um 80 Prozent eingebrochen. Und dabei hatte ich noch Glück, da ich nicht bei den Unternehmen dabei war, die völlig unrealistische Bewertungen im Kopf hatten. Noch gibt’s die Chance auf Erholung und ich hodl (wie man in der Szene so sagt).

Diese Satelliten-Investments machen circa zehn bis zwölf Prozent meines verfügbaren Geldes aus. Knapp 30 Prozent liegen auf der Bank oder auf einem Tagesgeldkonto.

An Immobilien hatte ich noch kein Interesse. Früher, weil ich immer mobil sein und geringe Fixkosten haben wollte. Heute, weil ich zu großen Respekt vor der Zeit habe, die einem nahezu jede Form von Immobilieninvestment abverlangen kann. Insbesondere, wenn es mal Probleme gibt. Die Zeit investiere ich lieber in das, was mir Spaß macht.

Das ist meine Rendite:

In Summe schwankte die Rendite in den letzten drei Jahren zwischen sechs und dreizehn Prozent. Das liegt aber vor allem daran, dass sich die Märkte in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt haben und mein Portfolio doch recht risikoorientiert war. Aktuell fahre ich das Risiko etwas herunter, da eine Wirtschaftskrise mir die Bilanz direkt wieder verhageln würde.

Dass ich die Frage, wie lange ich ohne Einkommen leben kann, gut beantworten kann, gab mir unternehmerisch viel Ruhe. Auch heute noch, wo wir über diese existenziellen Fragen hinaus sind und bei Fincite mit über 70 Kolleginnen und Kollegen profitabel arbeiten.

Für meine Zukunft spielt die Frage aber aktuell keine Rolle. Die Arbeit mit meinen Partnern, unserem Team und den Ventures macht mir viel Spaß, so dass ich nichts ändern möchte. Auch mit der Freiheit zu wählen nicht.

Ralf Heim hat den B2B-Robo-Advisor Fincite 2011 zusammen mit Friedhelm Schmitt und Stefan Post gegründet. Mit Fincite Ventures baut das Team zudem neue Fintechs auf – sieben Startups gehören schon zum Portfolio.

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