Die Barzahlen-Gründer sind zurück – und holen 3,3 Millionen Euro für Finperks
Sebastian Seifert und Achim Bönsch haben das Berliner Finanz-Start-up Barzahlen für rund 100 Millionen Dollar verkauft. Jetzt gründen sie erneut – und erhalten eine Finanzierung von Carsten Maschmeyer und Ramin Niroumand.
Sebastian Seifert (35) und Achim Bönsch (37) gehören zu den alten Hasen der deutschen Fintech-Szene. Mit Anfang 20 gründeten sie die Firma Barzahlen, bauten sie mehr als zehn Jahre lang zum Vorreiter für Geldabhebungen an der Ladekasse aus und verkauften das Cash-Netzwerk 2021 schließlich für 100 Millionen US-Dollar an Paysafe.
Seit September sind die beiden Selfmade-Millionäre mit einer neuen Geschäftsidee zurück: Zusammen mit ihrem ehemaligen Geschäftsführer Andreas Veller (37) möchten sie einen globalen Gutschein-Anbieter namens Finperks aufbauen.
Zum Start hat das Trio jetzt eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 3,3 Millionen Euro eingeworben, wie Finance Forward exklusiv vorab erfuhr. Das Kapital stammt demnach vom New Yorker Investor Motive Partners, bei dem Finleap-Gründer Ramin Niroumand (38) inzwischen als Dealmaker wirkt, sowie von seed+speed Ventures von Carsten Maschmeyer (66).
Eine Schnittstelle für 700 Gutscheine
„Die Gutschein-Industrie hängt in der Steinzeit fest“, glaubt Seifert. Der Markt werde von wenigen großen Anbietern dominiert, welche Guthabenkarten für globale Marken wie Netflix, Amazon oder Nintendo vertreiben. Daneben existiere ein Flickenteppich an länderspezifischen Anbietern. Für Unternehmen, die Gutscheine als steuerfreie Mitarbeiterbenefits einsetzen wollen, sei die Beschaffung entsprechend mühsam.
Finperks will das mit einem digitalen One-Stop-Shop vereinfachen. „Wir bieten alles aus einer Hand“, sagt Seifert. Sechs Monate nach dem Start deckt seine Plattform nach eigenen Angaben bereits mehr als 700 Händler in 30 europäischen Ländern ab.
Prepaid als Billionen-Markt
„Für viele große Marken sind Prepaid-Produkte an der Kasse inzwischen die zweithäufigste Zahlungsmethode“, so Seifert. Perspektivisch wollen die Finperks-Gründer das Angebot auf weitere Kategorien erweitern, etwa Handyguthaben oder Debitkarten.
Das Marktpotenzial beziffern sie auf 1,4 Billionen Dollar weltweit – ein Volumen, das sich laut dem Analysedienst Precedence Research bis 2033 verdoppeln könnte.
Partnerschaft mit Flizpay
Erste Kunden sind bereits an Bord: Das Berliner Fintech Flizpay hat die Gutschein-Sammlung etwa in seine Cashback-App integriert. Die HR-Softwarefirmen Recardy und Paylo setzen ebenfalls auf Finperks.
Mit der Finanzierungsrunde wollen Seifert und seine Mitstreiter nun beweisen, dass ihre Gutschein-API auch international und branchenübergreifend funktioniert. Das Netzwerk und die Vertriebserfahrung aus Barzahlen-Zeiten dürften ihnen dabei helfen. Für die technische Umsetzung haben sie sogar die Programmierer-Truppe von früher zusammengetrommelt. Und auch an großen Visionen mangelt es nicht: Das Ziel sei eine „globale Plattform für Prepaid-Produkte“, ähnlich bedeutend wie der Zahlungsdienst Stripe – das derzeit wertvollste private Fintech der Welt.