Die beiden Gründer hinter Forget Finance: Jurek Herwig und Konradin Breyer (Bild: PR)

Finanzbildungs-Startups auf dem Vormarsch: Millionen für Forget Finance

Exklusiv: Der Finanzcoaching-Anbieter Forget Finance ist kürzlich gestartet und will nun mit neuen Millionen sein Wachstum befeuern. Wie steht es um den Markt, auf den viele neue Startups drängen?

Junge Anlage-Startups erlebten in den vergangenen Monaten einen Boom. Doch im Windschatten von Trade Republic und Co. entstand eine neue Fintech-Generation, die das Interesse an Geldanlage nutzen und mit Finanzbildung und Coachings ihre Kunden beim Investieren stärker begleiten will. Einer der aussichtsreichen Anbieter ist Forget Finance aus Berlin.

Sein erstes Kapital hat das Startup vor einem Jahr eingesammelt, unter den Investoren war eine Reihe namhafter Business Angels wie die Interhyp-Gründer. Jetzt legen sie nochmal nach – neue Geldgeber sind dazugekommen und finanzieren nun die Wachstumsphase. Es dürfte sich um einen hohen einstelligen Millionenbetrag handeln.

Wer sind die Investoren und woher kommt ihre Zuversicht in den Markt?

Finanzcoaching mit „Best-of“ der Vergleichsseiten

Hinter dem Startup stehen zwei erfahrene Gründer: Konradin Breyer verantwortete das Produkt bei der Fitness-App Freeletics und Jurek Herwig war Technikchef in der Entwicklungsagentur der Commerzbank. Sie bieten ihren Nutzern ein Finanzcoaching an und wollen nach einer Analyse auch Anlagen vermitteln, ein „Best-of“ von den Vergleichsseiten.

Die Kunden erhalten nach einer Analyse einen personalisierten Finanzplan zum Sparen und Investieren, ein wichtiges Feature der App ist ein Chatbot. Langfristig soll sich die App zu einer All-in-One-Lösung entwickeln, Forget Finance möchte dann selbst Finanzprodukte über die App anbieten. Ob Trading-Features, ein eigenes Konto oder auch Versicherungen, für die App sei langfristig vieles möglich, sagte Breyer vor einem Jahr.

Angeführt wird das Funding nun von Btov und dem von BMW-Erbin Susanne Klatten gegründeten Unternehmertum VC. Außerdem ist mit TA Ventures ein Investor eingestiegen, der bei Fintechs wie Sumup, Clark oder Finimize beteiligt ist.

Auch die beiden Interhyp-Gründer Marcus Wolsdorf und Robert Haselsteiner, Personio-Gründer Hanno Renner, Florian Brokamp von Thinksurance und Reiner Mauch sind wieder dabei. In einer ersten Runde hatten sie mit Sebastian Schoun von Alasco, Hometogo-Gründer Patrick Andrä und Erik Muttersbach von Forto im März 2021 rund 700.000 Euro investiert. Zu der neuen Finanzierung wollte sich das Unternehmen kurzfristig auf Anfrage von Finance Forward nicht äußern.

Mehrere Startups versuchen sich an dem Segment

Die Gründung von Forget Finance kam zu einem sehr günstigen Zeitpunkt. In einem überhitzten Aktienmarkt, der für einen Teil der Anleger zur Spielerei geworden ist und in den immer neue Anleger strömen, entstand in den vergangenen Jahren eine zweite Generation von Anlage-Fintechs, die sich auf Finanzbildung fokussieren.

Dieser Trend begann in seinen ersten Schritten vor Jahren mit Communitys wie der von Madame Moneypenny, die sich an Frauen richtet. Ihre Gemeinschaft tauscht sich zu Finanz-Themen aus, die Firma verdient ihr Geld mit Affiliate-Links zu Trading-Apps oder mit Videokursen.

Der Aktien- und Krypto-Hype bringt auch eine weitere Art von Anlage-Startups hervor: Fintechs, die sich auf die Informationsebene konzentrieren, wie beispielsweise Holistic, Getquin oder Fincraft. Sie wollen die unterschiedlichen Anlagen analysieren.

Forget Finance steht in der Wertschöpfungskette eine Ebene tiefer – gemeinsam mit anderen Startups, die auch selbst Finanz-Produkte von Partnern vertreiben, etwa Beatvest, in das N26-Mitgründer Maximilian Tayenthal kürzlich investierte. Das stellt seinen Kunden ein Depot zusammen.

Ebenfalls kürzlich gestartet ist Invest Wise, das jetzt auch einen Anlagecoach bietet. Der soll ein klassisches Anlageberatungsgespräch simulieren und in der Folge einen individualisierten Anlagevorschlag für einen Drittanbieter machen.

Vor wenigen Tagen untermauerte eine Studie den Bedarf an mehr Finanzbildung: Der Neobroker Trade Republic hatte gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen DIW Econ aufgezeigt, dass seine Kunden trotz eines Bullenmarktes lediglich auf eine Durchschnittsrendite von 7,1 Prozent pro Jahr kamen; ein Drittel machte sogar Verluste.

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